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Hurtigruten Tag 11: Trondheim - Kristiansund - Molde - Alesund

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11. Tag! Die Hurtigrute hat am frühen Morgen wieder in Trondheim fest gemacht. Ein Teil der Passagiere wird hier die Reise beenden. Aus diesem Grund hat sich die Mannschaft schon gestern mit einem festlichen Abendessen von allen Passagieren verabschiedet. Für die Mehrzahl der Passagiere bleiben aber immer noch eineinhalb Tage schönes Küstenpanorama, der Geruch des Meeres, das Licht der nordischen Landschaft und der erholsame Rhythmus an Bord. Kurz: noch einmal eineinhalb Tage Balsam für die Seele.

Während der Liegezeit in Trondheim wird den Passagieren ganzjährig eine Stadtrundfahrt angeboten, in die auch eine Führung durch den Nidarosdom eingeschlossen ist. Ansonsten kann man sich die Zeit bis zur Abfahrt mit einem kleinen Spaziergang und dem Besuch des nordgehenden Schiffes vertreiben (siehe auch Tag 3).

Karte Trondheim

Pünktlich macht sich die Hurtigrute über den gewaltigen Trondheimfjord wieder auf den Weg. Insgesamt 170 km lang zieht sich der bis zu 25 km breite Fjord von Trondheim aus noch weit nach Nordwesten. Noch in Sichtweite des Hafens wird kurz nach dem Ablegen die Insel Munkholmen passiert. Hier stand im Mittelalter die Abtei Nidarholm, die nach dem Brand im Jahre 1531 nicht mehr aufgebaut wurde. Die letzten Spuren verschwanden, als Nidarholm im 17. Jahrhundert Festung wurde. Als die Schweden 1658 und 1718 Trondheim eroberten, wurde von dort aus zwar heftig aus 26 Kanonen abgefeuert, die Schüsse waren aber nicht in der Lage das Land zu erreichen. Die Nachfahren der Wikinger hatten offensichtlich ihr kriegerisches Talent verloren. Heute wird Munkholmen bei schönem Sommerwetter von Ausflüglern und Badegästen erobert.

Bevor der Schnelldampfer nach Westen hin die schmäler werdende Ausfahrt des Trondheimfjordes erreicht, öffnet sich auf der Backbordseite eine große Bucht. Hier ist die Heimat von Kristin Lavrans Tochter, der Hauptfigur des gleichnamigen Romans von Sigrid Undset.

Obwohl die Ufer des Fjordes nun näher an das Schiff heran gerückt sind, kann sich diese Landschaft dennoch nicht mit den Superlativen der vergangenen Tage messen. Aber die Wälder und landwirtschaftlichen Gebiete, die vor dem Hintergrund niedriger Berge den Kurs der Hurtigrute begleiten, haben in ihrer Ruhe und ihrem Frieden etwas ungewöhnlich Schönes. Später kommt an Backbord, auf einer Landzunge liegend, der Leuchtturm von Agdenes in Sicht. 1804 erbaut und 1984 stillgelegt steht er heute unter Denkmalschutz.

Nun schwenkt der Schnelldampfer nach Süden und hat dann bald die Mündung des Fjordes erreicht; Wir nähern uns der an Steuerbord liegenden Insel Hitra und fahren zwischen Insel und Festland in die so genannte Trondheimfahrrinne ein. Hitra ist mit ihren 565 km² die siebtgrößte Insel des Landes und die größte westlich von Lofoten und Vesteralen. Sie ist niedrig und sumpfig und im Innern fast unbewohnt. An der Küste entlang liegen die Fischersiedlungen in denen sich seit den 70er Jahren Lachs- und Forellenzucht zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor entwickelt hat. Im Wald und Sumpfbereich der Insel gibt es große Hirschrudel. Die Jagdquote von etwa 300 Tieren pro Jahr ist vom wirtschaftlichen Standpunkt aus auch nicht zu verachten.

Etwa auf der halben Strecke der Trondheimfahrrinne liegt auf dem Festland das große Gasterminal von Tjeldbergodden. Eine 245 km lange Pipeline auf dem Meeresboden führt zu den Bohrinseln Heidrun, Draugen und Midgard.

Freitag 18. Februar 2000. Die nordgehende MS Vesteralen (links) und die MS Narvik am Hurtigrutenkai in Trondheim Winterliche Stille im Trondheimfjord Küstenansicht in der Trondheimfahrrinne In Kristiansund. MS Narvik und das markante Bauwerk der Nordland-Kirche

Hat man die Insel Hitra passiert, öffnet sich nach Westen der weite Ramsöyford mit dem flachen Inselreich von Smöla. Die höchste Erhebung beträgt dort nur 68 m. Auf der Insel Edöy, die unweit der Fahrrinne liegt, steht eine 1190 erbaute Steinkirche. Etwas weiter südwestlich dann die Insel Kulöy. Dort befinden sich vorzeitliche Grabstätten und ein mit Runeninschriften versehener Stein aus der Zeit der Christianisierung Norwegens; Auf der Insel steht eine Kopie, das Original befindet sich im Universitätsmuseum in Trondheim.

Im krassen Gegensatz zur flachen Inselwelt Smölas an Steuerbord, ragen an der Fahrrinne backbords Bergkegel mit über 900 m in die Höhe. Sie gehören zu den drei Inseln Ertvagöy, Stabben und Tustna. Dieser drastische Unterschied des Höhenprofils liegt an einem in der Frühzeit entstandenen Riss in der Erdkruste, der die Inseln im Westen fast im Meer versinken ließ. Hierzu gehört auch die Inselngruppe Grip. Südlich von Smöla und 14 km nordwestlich von Kristiansund gelegen, könnte man die 80 Inselchen und Schären vom Schnelldampfer aus leicht übersehen wenn der Leuchtturm nicht wäre. Er wacht über die Inseln mit ihren teilweise seltsamen Namen wie Teufel, Mörder oder Pfarrer.

Von all diesen Inseln war Grip als einzige bewohnt. Hier lebten zu den besten Zeiten 400 Menschen, deren Häuser sich an die kleine hölzernen Kirche aus dem 15. Jahrhundert klammerten und dort Schutz vor den bösen Mächten des Meeres suchten. Dieser Schutz war auch nötig, denn mehr als einmal wurde die Insel überflutet, 1796 und 1804 blieb nur die Kirche übrig. Im Jahre 1974 verließen die letzten Bewohner ihre Insel. Heute werden die Häuser als Feriendomizile genutzt und schon so manches Paar wurde in der kleinen Kirche von Grip getraut.

Mittlerweile hat sich unser Schiff dem 17.000 Einwohner zählenden Kristiansund genähert. Die ersten Häuser auf den blank geschliffenen Felsen kommen in Sicht, bald auch die 430 m lange Sörsundbrücke welche das Tor zum Hafen bildet. Der Ort erstreckt sich über drei Inseln, die über Brücken untereinander und mit dem Festland verbunden sind. Mit seiner Festlandverbindung ist die Stadt eingebunden in die fast fährenfreie Küstestraße von Stavanger über Bergen, Alesund und Molde nach Trondheim. Unsummen hat diese Straße schon verschlungen, die den Warenfluss entlang der Küste radikal verändert hat.

Durch das Überflüssig werden zahlreicher Fjordfähren sind die Ortschaften, welche einst an diesen Knotenpunkten entstanden, ins Abseits geraten. Auch für die Hurtigruten hatte diese autofreundliche Politik ihre Folgen (siehe Geschichte der Hurtigruten). Aber des einen Leid, des anderen Freud. Kristiansund wird von dieser Entwicklung auf jeden Fall profitieren, entstand doch allein durch die direkte Verbindung mit Molde ein Wirtschaftsraum in dem immerhin 100.000 Menschen leben.

Geht es um wirtschaftliche Veränderungen, so war man in dieser Stadt, die 1742 Handelsrecht erhielt, schon immer in der Lage sich den veränderten Gegebenheiten anzupassen. Dies begann im 17. Jahrhundert mit dem Holzhandel, den man rege mit den Niederlanden führte. Dann kam der Handel mit Hering und als dieser Markt mangels "Rohstoff" nicht mehr richtig florierte, verlegte man sich auf Kabeljau. Ende des 17. Jahrhunderts ließ sich der Holländer Jappe Ippes hier nieder und begann mit der Produktion von Klippfisch, der auf den reichlich vorhandenen Felsen getrocknet wurde. Geschäftsleute aus England und Schottland ließen sich in der Stadt nieder und unzählige Schiffe machten sich im laufe der Zeit mit "el bacelo", der getrockneten Delikatesse der Fastenzeit, auf den Weg ins Mittelmeer.

Erde und Kies brachte man als Ballast zurück der in der Bucht von Gomalandet geloescht wurde. Dort erhielt die felsige Stadt ihren ältesten Friedhof. Auch heute noch geht ein großer Teil des Klippfischexportes über Kristiansund und die Fischverarbeitung ist weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt, aber mit anderen Industriezweigen hat man sich im Laufe der Zeit auch zusätzliche Standbeine geschaffen. So ist man zum Beispiel Stützpunkt der Öl- und Erdgasförderung für diese Küstenregion geworden.

1940 wurde die Stadt von Bomben zerstört, 724 Häuser vielen dem Angriff zum Opfer. Das alte Kristiansund verschwand zum größten Teil, hat aber nach dem Wiederaufbau seinen Charakter bewahren können. Die Stadt steigt vom Wasser aus terrassenförmig in die Höhe und die kleinen Personenfähren sind trotz Brücken nach wie vor wichtige Verkehrsmittel zwischen den einzelnen Inseln und werden genutzt wie andernorts Straßenbahnen oder Busse.

Hafenansicht in Kristiansund Hafenansicht in Kristiansund Häuser auf blanken Fels gebaut begleiten am Sörsund die Ein- und Ausfahrt der Hurtigrute in Kristiansund. Der letzte Abend und die letzte Nacht an Bord der Hurtigrute. Nur noch wenige Stunden trennen uns vom Ende der Reise.

Leider ist der Aufenthalt der Hurtigrute nur kurz, es bleibt kaum Zeit für einen Bummel. Legt der Schnelldampfer ab, sollte man wie schon bei der Einfahrt in den Hafen seine Kamera bereithalten. So manches lohnenswerte Motiv gibt es auch von Bord aus zu entdecken; Neben Kaianlagen, Fischerbooten und alten Lagerhäusern ist die 1914 erbaute Nordland-Kirche nicht zu übersehen und auf blank geschliffenen Felsen stehen Häuser, deren Besitzer sich ob der Bodenbeschaffenheit keine Gedanken über Gartengestaltung machen müssen. Nach dem erneuten Passieren der Brücke über den Sörsund erblickt man an Backbord bald das Leuchtfeuer von Stavenes. Dort schwenkt der Schnelldampfer nach Süden und macht sich über die offene Meeresstrecke von Hustadvika auf den Weg nach Molde. Hoffen wir auf friedlich gestimmte Mächte des Meeres.

Vielleicht hat man sich aber in Kristiansund entschlossen am letzten Landausflug dieser Reise teil zu nehmen. Dabei geht es über die Küstenstraße entlang der Hustadvik - Bucht zum idyllischen Fischerort Bud, der im 16. und 17. Jahrhundert der größte Handelsplatz zwischen Bergen und Trondheim war. Nach einem kurzen Aufenthalt fährt man weiter zum Romsdalfjord und nach Molde, wo es wieder an Bord der Hurtigrute geht.

Wenn die Hurtigrute die "Stadt der Rosen" verlässt, ist der letzte Abend an Bord bereits einige Stunden alt. Man sitzt vielleicht mit alten und neuen Bekanntschaften in einem der Salons, der Bar oder in der Cafeteria, diskutiert über Gott und die Welt, spricht über die zu Ende gehende Reise, spielt Karten oder greift zum Buch, damit der angefangene Roman endlich seinen Abschluss findet. Ohnehin hätte man die Hälfte seiner mitgebrachten Bücher zu Hause lassen können.

Vielleicht vertreibt man sich die Zeit auch an Deck und erlebt je nach Jahreszeit den letzten Sonnenuntergang an Bord oder eine sternenklare nordische Nacht. Mit der Nachtruhe hat es jedenfalls keine Eile an diesem letzten Abend. Kurz vor Mitternacht wird Alesund erreicht und spätestens nach dem einstündigen Aufenthalt wird es nun doch Zeit für die Federn. Vielleicht träumt man ja von seiner nächsten Reise mit der Hurtigruten und wer weiß, bisweilen soll es ja schon vorgekommen sein, dass Träume in Erfüllung gehen...

Manfreds Reisetagebuch

Freitag, den 13. März 1992

Die Midnatsol im Orkan, seit heute weiß ich was ein Inferno ist! Die Fahnen an Bord wehen nicht mehr auf Halbmast. Dieters Sarg ging in Trondheim von Bord. Claus, Henry, die 4 Österreicher, Chris und ich erweisen Dieter die letzte Ehre. Die Österreicher sind wirklich pfundige Kerle.

In Trondheim legen wir pünktlich ab, es herrscht lupenreines Aprilwetter. Es schneit, es regnet, es hagelt. Dazwischen mal kurz die Sonne und hin und wieder eine Sicht, als könnte man bis ans Ende der Welt gucken. Das bleibt so bis nach dem Mittagessen. Dann wird es um uns herum immer düsterer. Teile der Mannschaft haben damit begonnen alles zu sichern, was sich an Bord ungewollt in Bewegung setzen könnte. Ein untrügliches Zeichen meine Tabletten zu nehmen, da braut sich offensichtlich etwas zusammen. Als Steuerbord voraus die Inselwelt Smölas erscheint, ist er Himmel schwarz, schwärzer geht es nicht.

Ich stehe im Bugsalon und sehe wenig später, was da auf uns zukommt, oder besser gesagt, in was wir da hineingeraten; Es ist der nasse Wahnsinn. Und dann geht es los. Wellenberge mit weißschäumenden Kronen und davonjagender Gischt türmen sich vor dem Schiff auf. Die tobende See stürzt sich mit tosender Gewalt auf das Vorderdeck. Obwohl ich die Wassermassen immer kommen sehe, zucke ich jedes Mal zusammen wenn das Wasser mit unbändiger Wut gegen die Scheiben donnert. Wasserfälle von Salzwasser strömen anschließend die Fenster herunter, dann kommt schon die nächste Attacke.

Wenn ich es richtig einschätze dann kommt der Wind aus Südwest, treibt also die Wellenberge seitlich auf uns zu und macht damit die Sache auch nicht leichter. Da draußen tobt ein orkanartiger Sturm. Die Wellenberge sind ohne zu übertreiben 10 m hoch. Der Wind brüllt um das Schiff in einer Tonlage, die einen gruseln könnten, so was hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Dazu das wahnsinnige Schlingern und Stampfen. Das Schiff arbeitet schwer, stöhnt und ächzt, vibriert, zittert und bekommt Schläge, als würde jemand den Rumpf mit einem riesigen Hammer malträtieren.

Dann die Lautsprecherdurchsage: der Hafen von Kristiansund kann wegen des Orkans nicht angelaufen werden. Holla! Also keine Erholung in Aussicht, Gott sei dank bin ich putz munter und habe keine Probleme. Dieses Inferno dort draußen ist beängstigend, aber gleichzeitig so faszinierend, dass man sich nicht losreißen kann. Als es dunkel wird hat sich an der Situation nichts geändert, es tobt nach wie vor mit einer unvorstellbaren Macht. Es ist eher noch eine Spur schlimmer geworden.

Ich "turne" in die Kabine und komme auf die blöde Idee zu duschen. Mit einer Hand halte ich mich krampfhaft fest, mit der anderen wird eingeseift. Als ich anfange mich mühselig abzutrocknen, krieg ich es erst mal gar nicht geregelt, dass sich nichts mehr bewegt und außer der Kabinenbelüftung nichts mehr zu hören ist. Was ist jetzt passiert? Die Midnatsol hat offensichtlich den Kampf mit den Naturgewalten aufgegeben und irgendwo zwischen Kristiansund und Molde Schutz gesucht und Anker geworfen. Wenn eine Hurtigrutenmannschaft zu dieser Maßnahme greift, dann ist das Schiff wirklich in ein Inferno geraten.

Mit etwas Verspätung gibt es Abschiedsessen. Unsere 4 Österreicher, sonst immer locker gekleidet, kommen heute im feinsten Zwirn. Nach unserem spontanen Applaus präsentieren sie sich wie auf dem Laufsteg. Kein Wunder, zwei von ihnen sind "hohe Tiere" bei Geiger Moden (haben wir durch Zufall erfahren). Vor zwei oder drei Tagen wurden wir von ihnen gefragt, ob wir am Sonntag mit nach Oslo zum Holmenkollen-Skispringen gehen wollen. Heute haben sie noch einmal nachgehakt. Karten und Unterkunft würden sie uns besorgen (Beziehungen!). Aber leider müssen wir uns so eine Gelegenheit entgehen lassen.

Jetzt ist es 23:00 Uhr, wir liegen immer noch vor Anker. Bin gespannt wie das weiter geht. Bergen wird wohl etwas länger als gewohnt auf seine morgige Hurtigrute warten müssen.

Samstag, den 14. September 1996

Wieder ein herrlicher Tag. Sonne, Sonne, Sonne. Das Wetter meint es unglaublich gut mit uns. Kristiansund liegt wunderschön. Schade, dass der Aufenthalt dort so kurz ist; Ruhige See beim Abendessen und auf dem Weg nach Molde. Mit unseren rheinischen Frohnaturen feiern wir ein klein wenig Abschied. Sie waren eine tolle Bereicherung unserer Reise. Bessere Tischgenossen hätten wir nicht finden können. Was haben wir gelacht! Es war schon manchmal richtig peinlich.

Nach dem Anlegen in Alesund geht es in die Federn. Denke das wird trotz Stad-Meer eine ruhige, letzte Nacht. Morgen ist diese Reise zu Ende. Würden wir nicht noch 3 Tage in Bergen bleiben, mein Katzenjammer wäre unbeschreiblich.

Freitag, den 18. Februar 2000

Man traut es sich schon fast nicht mehr zu schreiben, aber wieder einen Tag voller Sonne. In der Nacht hat es allerdings weiter geschneit, in Trondheim liegen 5 cm Neuschnee. Mit der Narvik liegt die Vesteralen am Kai. Da ist ein Besuch natürlich Pflicht. Ruedi im Schlepptau halten wir Ausschau nach Turid und Arne oder andere bekannte Gesichter. In der Cafeteria "stolpern" wir tatsächlich über Turid. Wir müssen zwei mal hingucken, sie hat sich kolossal verändert. Ihre schönen langen Haare sind futsch, sie trägt jetzt kurz. Steht ihr aber sehr gut. Als wir sie mit Namen begrüßen stutzt sie etwas, kann uns natürlich nicht einordnen.

Claus ist erschüttert, weil sie sich nicht an ihn erinnern kann (was hat der Depp erwartet bei Hunderten von Passagieren jedes Jahr), Das kratzt für kurze Zeit an seinem Ego. Er hat sich aber schnell wieder gefangen und verspricht seine nächste Reise wieder auf der Vesteralen zu machen, um dann Turid so zu ärgern, damit sie ihn ihr Lebtag nicht mehr vergisst. Unter Gelächter nehmen wir herzlich Abschied. Auch auf der Vesteralen sind nur wenige Passagiere. Die Bar ist geschlossen, Turid spielt auf dieser Reise nicht am Piano. Schade für die Passagiere.

Als wir in Trondheim ablegen, liegt durch Schneetreiben und Sonne eine schöne Stimmung über dem Fjord. So nach und nach verschwinden die letzten Wolken, einigermaßen warm angezogen hält man sein Gesicht in die Sonne und genießt die vorüberziehende, verschneite Landschaft. Als wir Kristiansund verlassen geht langsam die Sonne unter. Die offenen Meeresstrecke von Hustadvika empfängt uns mit einer grandiosen Abendstimmung.

Sonntag, den 4. April 2004

In Trondheim liegt die neue Midnatsol mit am Kai. Anschauen ist natürlich Pflicht. Schon von außen ein ganz schön (oder unschön) großer Brocken. Innen viel Glas und viel Kunst. Aber sehen so nicht die großen, vornehmen Hotels aus in denen man sich nicht zu lachen traut? Das ist Kreuzfahrt auf einem Luxusliner und nicht mehr Hurtigruten. Also meine Welt ist das nicht. Aber jedem das Seine und mit solchen Typen wie Ruedi, Claus und mir kann heutzutage die Hurtigruten nicht überleben.

Aber wenn die neuesten Pötte auch noch so vornehm daher kommen, im Panoramasalon lümmelt zum Beispiel ein Norweger vor seinem Laptop und beisst genussvoll in sein Käsebrot. Die Zutaten für die nächste Schnitte liegen schon bereit und die Milchflasche steht für einen großen Schluck daneben. Auch an anderen Stellen sitzen Norweger und verzehren ihre mitgebrachten Köstlichkeiten. Diese Anblicke sind tröstlich. Und noch etwas Erfreuliches: An Bord gibt es Rentierfotografien von Trym Ivar Bergsmo. Die Bilder sind der absolute Wahnsinn.

In Trondheim scheint noch für kurze Zeit die Sonne, dann trübt es sich ein. Aber nach den hinter uns liegenden Tagen kann man das verschmerzen. In Molde im letzten Abendlicht noch eine schöner Blick auf das Romsdalgebirge. Ich baue Kamera und Stativ auf und verbummle beinahe die Abfahrt des Schiffes. Als die letzte Aufnahme im Kasten ist, muss ich flitzen.

Beim Abendessen kommt zum Abschied noch einmal eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Wir stoßen an auf eine wunderschöne Reise und bedanken uns noch einmal beim Personal für die freundliche und nette Bedienung. Ein letztes Tusen takk for Maten darf natürlich an die Adresse der Küche auch nicht fehlen. Nach dem Essen reimt Claus frei nach Heinz Erhardt fürs Bordbuch:

Das Kind hängt an der Mutter,
der Bauer an dem Land,
der Protestant an Luther,
das Ölbild an der Wand.
Der eine hängt am Leben,
der andere am Strick.
Und wir, da hilft kein blasen und kein tuten,
wir hängen an der Hurtigruten.

Normalerweise müsste man sich weigern bei so was zu unterschreiben.

Weihnachten an Bord: Montag, den 27. Dezember 2010

In Trondheim liegt hinter uns die Richrd With am Kai, der wir nach dem Frühstück natürlich einen Besuch abstatten. Schließlich habe ich auf ihr im Oktober 2007 in aller Stille meinen 60. Geburtstag gefeiert. War eine fantastische Herbstreise!

Um 10 Uhr legen wir pünktlich ab und genießen für die nächsten beiden Stunden die Fahrt durch den Trondheimfjord. Das Wetter bei leichten Minusgraden wieder ideal. Der Himmel ist leicht bis stark bewölkt, aber genau dieser Umstand sorgt im Zusammenspiel mit der Sonne, welche gerade so über den niedrigen Bergen auszumachen ist, für herrliches Licht. Auch wenn Raftsund, Trollfjord und im Sommer der Geirangerfjord grandioser sind, so zählt für mich der Trondheimfjord mit zu den schönsten Abschnitten der Hurtigruten. Die Ruhe und dieser Frieden welcher über der Landschaft liegt, beeindruckt mich bei jeder Reise aufs Neue. Als wir den Trondheimfjord verlassen und die Nordlys nach Süden schwenkt, kitzelt an Backbord die Sonne immer noch die Bergspitzen der fernen Küstenlandschaft. Unsere doch schon recht weit fortgeschrittene südliche Position macht sich bemerkbar.

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Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird die Küstenlandschaft bis ca. 15:30 Uhr wieder in schönes Dämmerlicht getaucht. Gegen 16 Uhr bricht dann die Nacht an. Somit ist es dunkel als wir den Hafen von Kristiansund für einen kurzen Aufenthalt ansteuern. Die 20.000 Einwohner zählende Stadt empfängt uns mit einem Lichtermeer, welches sich Fahrt voraus und beiderseits der Hafeneinfahrt über die bewohnten Hügel und Klippen erstreckt.

Hurtigruten

Der letzte Abend an Bord! Zum Trost trinken wir in der Bar noch einen Linie Aquavit. Kostet pro Gläschen fast 11 Euro. Aber egal, diesen Obolus sind wir dieser fantastischen Reise schuldig und zuhause schmeißen wir die Kontoauszüge ungelesen in den Müll.

Es ist unglaublich, welches Glück wir mit dem Wetter hatten. So gesehen fällt das Ausfallen von Nordlicht absolut nicht ins Gewicht. Außerdem hatten wir das ja schon auf der Hurtigruten im September 1996 zu unserem 25. Hochzeitstag. Ein unvergessenes, absolut gigantisches Himmelsschauspiel, das ohnehin kaum zu steigern sein wird.

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