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Hurtigruten Tag 4: Polarkreis – Bodö – Lofoten

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Hestmannöy, Polarkreis, Rödöylöva, Svartisen – Gletscher, Bodö und Lofoten, das sind die Stichworte für den 4. Tag unserer Reise entlang der norwegischen Küste. Dem Langschläfer sei empfohlen, sich heute etwas früher aus der Koje zu schälen, damit er nichts von den Landschaftseindrücken und den Ereignissen des Tages versäumt, bevor in Svolvär auf den Lofoten der Tag zu Ende geht.

In der Nacht wurden Brönnöysund und Sandnessjöen angelaufen. Um 5:30 Uhr verlässt der Dampfer Nesna, gegen 7:30 Uhr wird dann die imaginäre Linie des Polarkreises überquert; Wir gleiten in das Land der Mitternachtssonne. Und damit nun auch wirklich bei keinem an Bord diese Ereignis unbemerkt vorüber geht, betätigt die Mannschaft auf der Brücke die dröhnende Schiffssirene.

Karte Polarkreis

Der Polarkreis verläuft auf 66°33’ nördlicher Breite durch die Insel Hestmannöy, die auf der Backbordseite durch ihr markantes Profil nicht zu übersehen ist. Der Polarkreis markiert den südlichsten Punkt, an dem zur Sonnenwende am 21. Juni die Sonne 24 Stunden scheint und am 21. Dezember nicht aufgeht. Die Zeit, an denen hier im Norden aber absolute Dunkelheit herrscht, wird in unseren Breiten meist überschätzt. Im Verlauf des Januars steigt die Sonne in ganz Nord-Norwegen über den Horizont und schon ab Mitte Februar sind die Lichtverhältnisse - unterstützt durch eine langanhaltende Dämmerung - mit unseren Breiten zu vergleichen. Der Fotograf auf der Hurtigruten sollte sich auch auf einer Winterreise mit genügend Filmmaterial eindecken. Er wird es brauchen!

Etwa 30 Minuten nach der Überquerung des Polarkreises können wir den Berg Rödöylöva auf der Backbordseite sehen. Die Umrisse dieses Berges ähneln einem liegenden Löwen.

Fischerboote, Fähren und Frachter aller Größen, die alltäglichen Begegnungen auf einer Reise mit der Hurtigruten Vom Polarkreis durchschnitten die Insel Hestmannöy. Hestmannen ist ein alter Bekannter aus der nordischen Sagenwelt. Doch davon mehr am 10.Tag der Rundreise.
Der 444 m hohe Rödöylöva. Ob liegender Löwe oder geheimnisvolle Sphinx, er ist ein Wahrzeichen Nordnorwegens. Begegnung mit der südgehenden Hurtigrute MS Kong Olav

Von nun an sollte man Backbord- und Steuerbordseite nicht aus den Augen lassen; An Backbord gleitet irgendwann die südgehende Hurtigrute an uns vorbei, steuerbordseitig kann man bei klarem Wetter einen Blick auf den fernen Svartisen–Gletscher werfen. Mit seiner Ausdehnung von 500 km² ist er der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Nur der Jostedalsbreen weiter südlich zwischen Sognefjord und Nordfjord ist größer. Er ist mehr als doppelt so groß und damit nicht nur der größte Gletscher Norwegens, sondern auch der größte Festlandgletscher Europas.

Hat der Dampfer den Melöyfjord südlich von Örnes erreicht, werden die Maschinen gestoppt und ein kleines Boot geht längsseits um Passagiere aufzunehmen, die einen Ausflug zum Svartisen unternehmen möchten. Dieses Angebot ist von April bis September an Bord buchbar. Lassen das Wetter und die Passagierzahlen es zu, dann auch über diesen Zeitraum hinaus.

In der Ferne, über den grauen Gipfeln des Festlandes, die Eismassen des Svartisen Gletschers Während die MS Vesteralen vor der Kulisse der Insel Melöya langsam wieder Fahrt auf nimmt ..... ..... macht sich der Ausflugsdampfer auf den Weg zum Holandsfjord und zum Svartisen Gletscher.
Im Holandsfjord Im morgendlichen Gegenlicht: Trolltinden und Svartisen Gletscher Gletscherzunge am Svartisen

Während die Hurtigrute wieder Fahrt aufnimmt und bald Örnes erreicht, schlängelt sich das kleine Boot auf seinem Weg zum Svartisen durch Meerengen und kleine Inseln hindurch bis in den Holandsfjord. In dieser herrlichen Landschaft kann man mit etwas Glück Seeadler beobachten - also Fernglas nicht vergessen! Es sollte ohnehin ein ständiger Begleiter auf der Hurtigruten sein. Flankiert vom 900 m hohen Trolltinden rückt der Svartisen über den bewaldeten Ufern des Fjordes immer näher. Bald geht man an Land und nach wenigen Metern liegt die Gletscherzunge des Svartisen vor einem.

Mit dem Bus fährt man dann weiter in Richtung Bodö. Lässt die Zeit es zu, wird am Saltstraumen gehalten. Der Saltstraumen ist Norwegens stärkster Gezeitenstrom und liegt etwas südlich von Bodö im Saltfjord. Viermal am Tag (zwischen Ebbe und Flut) werden durch einen 150 m breiten Sund enorme Wassermassen gepresst und strömen herein und wieder heraus, 372 Mio. m³ Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu 37 km pro Stunde. Vom Saltstraumen ist es dann nicht mehr weit bis Bodö, wo das Hurtigrutenschiff auf seine "abtrünnigen" Passagiere wartet.

Winterlandschaft zwischen Nesna und Polarkreis im weichen, faszinierenden Licht des frühen Morgen Einsamer Hof am Polarkreis Zwischen Örnes und Bodö MS Kong Harald im Hafen von Bodö

Unterlässt man den Abstecher zum Svartisen und bleibt an Bord der Hurtigrute muss man sich aber keineswegs langweilen. Die Küstenlandschaft bietet genug Abwechslung bis mittags um zwölf Uhr das Schiff in den Hafen von Bodö gleitet. Dort macht es sich – wie in jedem Hafen – lautstark mit der Schiffssirene bemerkbar, um dann seinen Platz am Kai einzunehmen.

Geschäftiges Treiben herrscht nun bis zur Abfahrt um 15 Uhr. Gabelstapler flitzen emsig zwischen Schiff und Lagerhallen hin und her um Waren aller Art zu be- oder entladen. Und Passagiere aller Altersgruppen kommen an Bord.

In kaum einem anderen Hafen der Hurtigrute geht es vor der Abfahrt so hektisch zu wie in Bodö: Hier, im 38.000 Köpfe zählenden Verwaltungszentrum der Provinz Nordland, befindet sich ein großer Flughafen und endet eine Eisenbahnlinie. Somit sind viele neue Passagiere mit der Bahn oder mit dem Flugzeug gekommen, beenden vielleicht aber auch nur einen Einkaufsbummel, oder kehren am Freitag über das Wochenende von der Schule oder dem Arbeitsplatz zurück zu ihren Wohnungen auf den Lofoten.

Sollte dann noch ein Sturm den Flugverkehr dorthin beeinträchtigen, ist die Betriebsamkeit am Kai und an Bord des Schiffes kaum noch zu überbieten. Und genau das ist es, was die Hurtigruten von einer Kreuzfahrt unterscheidet, der Gast an Bord befindet sich nicht unter einer touristischen Käseglocke, sondern atmet auch norwegische Alltagsluft. Möge der Gott Neptun walten, dass es so bleibt!

An allen Hurtigrutenkais entlang der Küste. Passagiere jeden Alters kommen an Bord. In Bodö hat der Zahlmeister alle Hände voll zu tun. Vor der Abfahrt schon mal einen Platz für die Hausaufgaben gesichert Lebensmittel, Kleidung, Maschinenteile, Autos, Fenster, Türen, Baumaterial, Särge... Es gibt nichts was eine Hurtigrute nicht transportiert.

Nach der Abfahrt des Schiffes hat sich die Schlange beim Zahlmeister aufgelöst, die Passagiere haben - je nach Wetterlage und Laune - ihren Platz an Deck oder in einem der Salons gefunden. Nach einer knappen Stunde wird das Leuchtfeuer von Landegode passiert und damit beginnt die Überquerung des Vestfjordes, einer weiteren offenen Meeresstrecke, die es in sich haben kann.

Nach Fahrplan wird Stamsund um 18:45 Uhr erreicht; Gibt es aber Sturm aus Südwest, dann steht die Brandung direkt zum Kai und an ein Anlegemanöver ist nicht zu denken An solchen Tagen geht der Dampfer an Stamsund vorbei und nimmt direkt Kurs auf Svolvär.

Ist einem der Wettergott aber hold, dann wird die Begegnung mit den aus dem Meer ragenden Bergspitzen der Lofoten zu einem unvergesslichen Anblick. Die zackigen Zinnen der Lofotwand erstrecken sich über eine Länge von 100 km. Das Gebirge besteht aus Granit und vulkanischem Gestein. Während der letzten Eiszeit waren die Lofoten stark vergletschert; als das Eis dann schmolz, hinterließ es eine der wildesten und schönsten Gebirgslandschaften der Welt.

Für kurze Zeit öffnet sich die Wolkendecke und taucht die Lofotenlandschaft in ein grandioses Licht. Mit dem Passieren des Leuchtfeuers von Landegode beginnt die Überquerung der offenen Meeresstrecke zwischen Festland und Lofoten.

Jeden Winter zwischen Februar und Ende April kommen - vom warmen Golfstrom angelockt – große Kabeljauschwärme zum Laichen hierher. Das bildete die Grundlage für die Entstehung zahlreicher Fischerdörfer auf der Ostseite der gesamten Inselkette. Zusätzlich kommen Tausende von Fischern aus ganz Norwegen um sich am jährlichen Dorschfang zu beteiligen.

Waren es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis zu 20.000, so sind es heute nur noch ca. 3.000 pro Jahr. Die Fischer, die von weither kamen, mussten irgendwo übernachten, manche nur mit dem eigenen Ruderboot als Dach über dem Kopf. Aber es wurden auch einfache Bretterhütten gebaut, die sogenannten Rorbuer (Fischerhütten).

Als die Anzahl der Fischer nach dem 2. Weltkrieg zurück ging, standen viele Hütten leer oder verfielen. Doch dann kam der Tourismus und aus den Rorbuer wurden beliebte Unterkünfte. Jeden Sommer kommen Urlauber aus vielen Ländern auf die Lofoten um ihre Ferien in diesen typischen, direkt am Wasser liegenden Hütten zu verbringen. Auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt gehörte zu den Freunden der Rorbuferien.

Nur wenige Fußminuten von der Anlegestelle entfernt, Rorbuer im Hafen von Stamsund MS Richard With im Hafen von Svolvär

Auf die Rorbuer trifft man auch, wenn man den kurzen Aufenthalt in Stamsund zu einem kleinen Bummel durch das Hafenviertel nutzt. Aber aufgepasst, immer die Abfahrtszeit des Schiffes im Auge behalten!

Nach Fahrplan verlässt die Hurtigrute Stamsund um 19:30 Uhr mit Kurs auf Svolvär. Hier legt das Schiff direkt am Marktplatz an, neben der Liegezeit von einer Stunde Grund genug einen kleinen Spaziergang zu machen. Svolvär ist die Hauptstadt der Lofoten und hat 4.000 Einwohner. Noch heute bildet der Kabeljaufang mit seinen Fangmengen von 25 bis 50 Millionen kg die Lebensgrundlage des Städtchens.

Gegen 23 Uhr, eine Stunde nach der Abfahrt von Svolvär, fahren wir durch den engen Raftsund. Stokmarknes, Sortland und Risöhamn sind die Anlaufstationen in der Nacht, bevor am frühen Morgen in Harstad ein neuer Hurtigrutentag beginnt.

Manfreds Reisetagebuch

Freitag, den 6. März 1992

Genau um 7:36 Uhr haben wir den Polarkreis bei bedecktem Himmel aber ganz passabler Sicht überquert. Vom Svartisen war allerdings nichts zu sehen. Ab Örnes wird das Wetter immer schlechter. Beim Stadtbummel in Bodö Nieselregen. Die Stadt gibt nicht besonders viel her. Aber vielleicht liegt es auch nur am schlechten Wetter.

Bei der Überfahrt zu den Lofoten Nebel und Dauerregen. Es schaukelt heftig. Ohne Tabletten tödlich für mich. Von der Lofotwand absolut nichts zu sehen. Enttäuschung bei den wackeren Schwaben. Wir trösten uns mit einem guten Abendessen zu dem wir wie jeden Abend von Grid mit einer Melodie auf dem Glockenspiel gerufen werden.

Nach dem Essen gibt es Kaffee oder Tee und Kekse. Man sitzt noch ein bisschen mit den anderen gemütlich zusammen, während Grid und ihre Kolleginnen abräumen und die Tische für das Frühstück vorbereiten. Zu uns gesellt sich meist eine vierköpfige Männerrunde aus Österreich. Da wir so wenig Passagiere sind, wird nicht in zwei Etappen gegessen und keiner drängelt einen den Speisesaal zu verlassen, deshalb kann man sich in aller Ruhe über Gott und die Welt unterhalten.

Für Claus, Dieter und die Österreicher endeten die Tage bisher immer in der Caféteria beim Kartenspielen. Henry verkrümelt sich irgendwo hin zum Lesen. Ich drehe immer noch eine Runde an Deck und bin dann als erster von uns dreien in der Koje. Heute vertrete ich mir während der Liegezeit in Svolvaer trotz des ekligen Wetters noch ein bisschen die Beine an Land.

Das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: Claus hat keinen Schnupftabak mehr. Er hat seinen Vorrat so knapp bemessen, damit er sich das Schnupfen auf dieser Reise abgewöhnen kann. Katastrophe nimm deinen Lauf!

Samstag, den 7. September 1996

Der Tag beginnt mit Sonnenschein und toller Sicht. Bin um 6:30 Uhr aufgestanden um ja nichts zu versäumen, Ute dreht sich noch mal um; Nach der Überquerung des Polarkreises, ich glaube es war so gegen 7:45 Uhr, sieht man bald den Svartisen und die südgehende MS Kong Olav.

Wir haben den Ausflug zum Svartisen gebucht und wechseln im Melöyfjord auf den kleinen Ausflugsdampfer. Wir tuckern gemütlich in Richtung Festland, die langsam in der Ferne verschwindende Vesteralen bietet ein tolles Bild. Die Landschaft im Holandsfjord ist herrlich und der näherrückende Svartisen zeigt sich im Gegenlicht von seiner schönsten Seite. Von den Seeadlern, die es hier gibt, lässt sich aber keiner blicken.

Am Svartisen gibt es Kaffee und Kuchen. Während Ute, Ise und Claus in aller Ruhe ihr zweites Frühstück genießen, gehe ich erst mal an die "Arbeit". Standorte und Objektive werden gewechselt. Das alles kostet Zeit, man(fred) will ja nicht hetzen. Als ich endlich fertig bin ist der Kuchen natürlich alle. Mein schwäbisches Herz blutet, wo der doch im Preis mit drin war.

Vom Svartisen geht es mit dem Bus weiter nach Bodö. Der Reise-Leiter ist ein lieber Kerl, aber heute geht er uns ganz schön auf den Zwirn, er labert ohne Ende. Er meint es ja gut, aber die Funktion eines Wasserkraftwerkes zu erklären - als ob im Bus lauter Idioten sitzen würden - während draußen die herrlichste Landschaft an einem vorüber zieht, ist schon etwas heftig. Und das Ganze in englisch, französisch und deutsch.

Später noch ein Zwischenstop am Informationszentrum Saltstraumen. Die Natur findet im Saale statt! Unter anderem wird eine Multivisionsschau über den Saltstraumen geboten. Mir ist da zuviel Effekthascherei dabei, aber was soll's, den meisten gefällt es. Touristikmanager haben sich ausgetobt um dem Norwegenurlauber auch etwas bieten zu können wenn die Gezeitenströmung gerade mal nicht strömt, weil man halt zur falschen Tageszeit gekommen ist.

Auf den letzten Kilometern bis Bodö hat sich die Sonne verzogen. Auf den letzten Drücker kommen wir am Hurtigrutenkai an. Kaum sind alle an Bord, heißt es Leinen los. Als wir den Hafen verlassen, fängt es auch schon ordentlich an zu schaukeln. Und ich Depp habe noch keine Tabletten genommen. Sch... !!! Das bisher schöne Wetter hat mich leichtsinnig werden lassen. Jetzt heißt es keine unnötige Bewegung machen, irgendwo in einen Sessel lümmeln, die Augen schließen, an nichts denken und hoffen, dass die Tabletten wirken bevor der Magen rebelliert. Nach einer Stunde bin ich aus dem Schneider. Das hätte schief gehen können.

Andere Leute haben aber offensichtlich auch Probleme. Man erkennt es daran, dass im Panoramasalon gerade mal ein Dutzend Passagiere sitzen. Ute, Ise und Claus sind dabei und lesen oder spielen Karten. Wieso haben die nie ein Problem? Auch zwei alte Damen (85 und 87) aus Norwegen halten sich wacker. Sie stehen unter der besonderen Obhut des Reiseleiters und der Mannschaft. Wenn es nötig ist kümmert sich aber jeder ein bisschen um die beiden. So wie heute: Als der Seegang dann doch etwas zu heftig wird, helfen wir ihnen, damit sie vom Panoramasalon heile in ihre Kabinen kommen.

Etwa eine Stunde vor Ankunft in Stamsund ist der Himmel immer noch "schwarz" und die Aussicht etwas von den Lofoten zu sehen ist praktisch null. Aber da das Meer mittlerweile etwas friedlicher geworden ist gehe ich an Deck, wie immer mit Fotoausrüstung. Dann reist urplötzlich die Wolkendecke über den Bergen auf, taucht die Küste der Lofoten in ein wahnsinniges Licht und dann ist der Spuk auch schon wieder verschwunden. Schwein gehabt!

Im letzten Tageslicht stehen Claus und ich zwischen Stamsund und Svolvaer an der Reling. Wir warten auf die Südgehende; Es ist die Midnatsol! Vor lauter Begeisterung haut mir Claus so auf die Schulter, dass ich bald über Bord falle. Die Midnatsol ist seine große Hurtigruten Liebe. Nach 1992 war er 1994 noch einmal mit ihr unterwegs.

Donnerstag, den 27. August 1998

Am Morgen immer noch stark bewölkt und manchmal auch ein Regenguss. Aber dennoch meist gute Sicht und schöne Stimmungen. Je näher wir Bodö kommen, um so besser wird das Wetter. Als wir Bodö verlassen, strahlend blauer Himmel. Einige Norweger sind an Bord gekommen. Als wir gerade ablegen kommt noch ein Auto angedüst, aber da ist nichts mehr zu machen. Pech!

Auf der Überfahrt zu den Lofoten brennt die Sonne so heftig, dass man sich vor einem Sonnenbrand hüten muss. Sonnencreme wäre nicht schlecht, aber die liegt in irgendeinem Koffer im Auto. Wer denkt auch an so was. In Stamsund gehen wir von Bord. Als die Kong Harald ablegt winken wir zum Abschied. Heute geht es zum Übernachten ins Hotel. Morgen machen wir uns auf die Suche nach einer schönen Rorbuer.

Freitag, den 11. Februar 2000

In Bodö schneit es und der Wind pfeift heftig. Claus und Ruedi machen sich auf den Weg in die Stadt. Ruedi braucht Filme und dann wollen sie am Bahnhof nach der norwegischen "Lok 2000" Ausschau halten. Die beiden waren am Bau dieser Lokomotive in der Schweiz beteiligt.

Ich bleibe am Hurtigrutenkai. Es geht hoch her. Jede Menge Fracht wird geladen und zahlreiche Passagiere kommen an Bord. Der Anzahl der Passagiere nach zu urteilen ist der Flugverkehr wegen des schlechten Wetters zu den Lofoten eingestellt, und das an einem Freitag. Mit einigen Minuten Verspätung legen wir ab, meine Tabletten habe ich rechtzeitig genommen.

Der Wind hat mittlerweile noch mehr aufgefrischt, draußen gibt es im Schneetreiben nichts zu sehen. Der ideale Zeitpunkt um zu duschen, die belichteten Filme zu beschriften und in der Kabine etwas Ordnung zu schaffen. Aber das alles hätte ich besser sein lassen. Seegang und Aktivitäten bekommen mir trotz Tabletten nicht. Ganz vorsichtig mache ich mich auf den Weg zum Panoramasalon, Claus sitzt oben und liest. Er überlässt mir seinen Walkman, ich lümmle in einen Sessel, schließe bei Musik von Kari Bremnes die Augen und hoffe, dass der Anfall vorüber geht.

Etwa auf halber Strecke geht es mir etwas besser. Im Panoramasalon sitzen etwa 20 Passagiere, die in Bodö an Bord gekommen sind, der Salon am Bug des Schiffes ist voller junger Leute. Meist Einheimische, aber auch ein junges japanisches Paar ist darunter. Claus hat sich unters Volk gemischt und unterhält sich mit den Japanern. Das heißt er unterhält sich hauptsächlich mit ihr, denn der männliche Part ist ganz grün im Gesicht. Claus hat ihm zwar Tabletten gegeben, aber bevor die wirken können, ist er schon wieder kräftig am kotzen. Dann eben noch eine Tablette. Ich kann nachvollziehen wie der arme Kerl leidet.

Mittlerweile artet der Wind in Sturm aus, die Narvik hat schwer zu kämpfen und reichlich Verspätung eingefahren. Ob wir in Stamsund anlegen können ist fraglich. Die Norweger nehmen es gelassen. Unser Abendessen wird wegen des Seegangs erst mal abgeblasen.

Gegen 20 Uhr dann doch das Anlegemanöver in Stamsund, aber die Narvik hängt im wahrsten Sinne des Wortes in den Seilen. Mit dem Bugpropeller und laufender Schiffschraube mit entsprechend eingeschlagenem Ruder, versucht die Mannschaft auf der Brücke das Schiff vom Kai fernzuhalten. Die meiste Zeit gelingt das, aber manchmal donnert der Schiffsrumpf mit einem dumpfen Schlag gegen die ausgedienten LKW - Reifen. Das Entladen des Schiffe dauert fast eine Stunde; während dieser Zeit hat der Koch Mitleid mit uns bekommen und er serviert uns ein "abgemagertes" Abendessen.

Sonntag, den 28. März 2004

Bin wieder fit und früh aus den Federn. Der Himmel ist wolkenverhangen, somit keine Sicht zum Svartisen. Der Hestmannen und Röndöylöva nicht im besten Fotolicht. Bei der Begegnung mit der Südgehenden kommt Freude auf, die gute alte MS Lofoten tutet zu uns herüber. Eigentlich wollten wir mit diesem Schiff fahren, aber daraus ist nichts geworden. Wenn ich allerdings an mein Problem mit der Seekrankheit denke, ist es vielleicht besser so.

In Bodö scheint mal kurz die Sonne und lässt uns hoffen. Es wird aber nix. Heftiger Wind kommt auf, schlechte Aussichten für die Überfahrt zu den Lofoten. Am Hurtigrutenkai ist es heute recht ruhig. Nur etwa 20 Passagiere kommen an Bord und die Frachtmenge hält sich in Grenzen. Liegt sicher am Sonntag.

Nach dem Ablegen geht es ab in die Koje. Möchte kein solches Fiasko wie am Vortag erleben. Aber es wird nicht so schlimm, ich überstehe die Überfahrt unbeschadet. Als die Lofoten in Sicht kommen, stehe ich mit unseren vier englischen Passagieren am Bug. Beim Anblick der Lofotwand sind wir alle aus dem Häuschen. Der nördliche Teil wird durch eine Wolkenlücke von einer tiefstehenden Sonne angestrahlt, während der Süden im Schneegestöber verschwindet.

In Stamsund verlässt die norddeutsche Reisegruppe das Schiff. 4 Tage Lofoten mit norwegischem Sprachkurs stehen auf dem Programm. Danach Fortsetzung der Reise mit der MS Narvik. Nicht die schlechteste Art um eine fremde Sprache zu lernen. Im letzten Tageslicht Begegnung mit der südgehenden MS Richard With, sie bietet ein schönes Bild vor dem Hintergrund der schneebedeckten Lofotenküste.

Claus und Ruedi haben heute noch eine besondere Überraschung erlebt. Unterwegs ist mit Hans der neue Chef für den Service zugestiegen. Beim Servieren des Abendessens hat er Claus und Ruedi sofort wiedererkannt, beide waren vor zwei Jahren an Bord der Vesteralen. Hans hat sich sichtlich über das Wiedersehen gefreut, es hat nicht viel gefehlt und er wäre den beiden um den Hals gefallen. Sogar ihre Namen hat er noch gewusst. Kurze Zeit später stand für die beiden auf "Kosten des Hauses" ein Line Aquavit auf dem Tisch. Und das bei den Preisen an Bord !!!

Weihnachten an Bord: Sonntag, den 19. Dezember 2010

Mit dem Aufstehen haben wir es heute nicht eilig und so liegen wir beim Überqueren des Polarkreises um 7.51 Uhr noch in der Koje. Wir waren mit unserer Vorhersagen zu früh und ziemlich daneben gelegen. Spielt aber keine Rolle, soll ja nur Spaß sein.

Nach dem Frühstück erwartet uns per SMS und an der Kabinentür eine freudige Überraschung: In der Nacht sind wir zum 2. Mal Großeltern geworden und dank Internet und E-Mail hat uns das liebe Mädel von der Schiffsrezeption schon die ersten Bilder an die Kabinentür geklebt. Nach Mara hat jetzt genau 2 Monate später und rund 2 Wochen vor dem Termin Jana das Licht der Welt erblickt. Blöd, dass wir die SMS nicht schon vor dem Frühstück gelesen haben, denn dann hätten wir uns natürlich das Sektfrühstück anlässlich der Polarkreisüberquerung gegönnt und auf Jana angestoßen.

Hurtigruten Hurtigruten Hurtigruten Hurtigruten

Draußen ist schönes Dämmerlicht. Bis zur Ankunft um 9,15 Uhr in Örnes ist es dann richtig hell, obwohl die Sonne nicht mehr über den Horizont kommt. Aber genau dieser Umstand sorgt bis Bodö für super Lichtstimmungen. Die Kamera hat zu tun, aber an Deck ist kein windstilles Plätzchen zu finden. Trotz mehrerer Kleiderschichten geht die Kälte geht durch und durch, so dann und wann muss man sich aufwärmen. Ute hat es da im Panoramasalon besser. Zwischendurch Polarkreistaufe mit Neptun auf Deck 7. Wir halten uns bei -7°C zurück, die Eiswürfel im Kragen haben wir schon öfter gehabt. Man muss nix übertreiben.

Hurtigruten

Dass die Hurtigrutenschiffe ganz normale Verkehrsmittel sind und die Hurtigruten mitunter nicht zu unrecht auch als „Reichsstraße Nr.1“ bezeichnet wird, bestätigt sich besonders wieder bei der Abfahrt in Bodö. Zahlreiche Norweger kommen auf dem Weg zu den Lofoten an Bord. In Stamsund oder Svolvaer verlassen sie dann wieder das Schiff.

Während der Überfahrt zu den Lofoten (ohne Seegang, super!) werden an Bord Bilder vom Nordlicht gezeigt. Alles schön und gut, aber im Original wäre uns das Himmelsspektakel lieber. Aber bisher leider Fehlanzeige.

Nach dem Abendessen ab in die Bar zu Kaffee, Tee und Lifemusik. Mit einem Glas Wein stoßen wir später noch auf unsere Enkelin Jana und deren Eltern an. Doch dann muss ich an Deck, denn der Kapitän hat entgültig grünes Licht für die Einfahrt in den Trollfjord gegeben. Für alle Passagiere und selbst für mich als „alten Hasen“ auf der Hurtigruten eine absolut überraschende Aktion. Mit Stativ und Kamera platziere ich mich schon im Raftsund am Bug des Schiffes.

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Kurz vor 23.30 Uhr tastet sich dann die Nordlys im Licht des hellen Mondes langsam in den Trollfjord. Ein unbeschreibliches schönes und grandioses Schauspiel!!! Schon alleine dafür hat sich Reise gelohnt. Alles erscheint bei diesem Licht noch gewaltiger, noch großartiger als bei einer Einfahrt am Tag. Fototechnisch versuche ich mit Langzeitbelichtungen etwas von dieser grandiosen Stimmung einzufangen. Kurz vor 24 Uhr verlassen wir wieder den Trollfjord. Ich kann mich aber noch lange nicht von der schneebedeckten und vom Mond erhellten Landschaft im Raftsund losreißen. Aber irgend wann zwingen auch mich Kälte und Müdigkeit in die Koje.

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