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Hurtigruten-Reise südgehend

Mit dem Hurtigruten-Schiff MS Richard With von Kirkenes nach Bergen

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Unsere zweite Hurtigrutenreise begann eigentlich schon 2007, ziemlich genau am 15. Mai im Licht der Mitternachtssonne zwischen Skjervøy und Øksfjord bei unserer nordgehenden Hurtigruten-Fahrt, da haben wir beschlossen, beim nächsten runden Geburtstag die südgehende Route zu fahren. Damit war der Zeitraum auch schon ziemlich klar: September 2009, da muss es sein!

Und mit der Ankunft des neuen Hurtigruten-Katalogs im Herbst 2008 ging die Planung auch gleich los, auch um den Frühbucherrabatt auszunutzen. Ursprünglich wollten wir Ritas Geburtstag mit einem Frühstück am Nordkap beginnen und mit dem Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale in Tromsø den Tag beenden. Das stellte sich schnell als nicht praktikabel heraus, denn der letzte Direktflug nach Kirkenes startete am 1. September, später wäre eine zusätzliche Übernachtung am Flughafen in Oslo erforderlich gewesen. Also änderten wir die Planung und buchten die Reise vom 1. bis 6. September, zusätzlich auch noch eine Übernachtung in Bergen, um beim Heimflug nicht auch noch in Kopenhagen umsteigen zu müssen.

Große Karte per Mausklick Wir zwei im Licht der Mitternachtssonne – wir kommen wieder!

Witzigerweise erwischten wir auf diese Weise wieder das gleiche Schiff wie 2007: Die Richard With. Sollten wir die gleiche Kabine wieder nehmen? Nein, ein intensiver Blick auf den Schiffsplan hat uns 2 Decks höher ans Heck getrieben, da gab’s auch Innenkabinen und einen direkten Zugang zum Aussichtsdeck, auf dem man rundherum laufen konnte. So entschieden wir uns für die Kabine 563, was sich zwar als praktisch herausstellte, aber letztlich doch auch Nachteile hatte. Aber davon später. Dann begann eine lange, lange Zeit des Wartens: Am 21.11.08 kam die Buchungsbestätigung, gestartet wurde dann 284 Tage später am 1.9.2009.

In den letzten Augusttagen 2009 war ich oft im Internet unterwegs und hab die Webcams von Kirkenes bis Bergen beobachtet: Wie sind Wetter, Temperaturen, Wind und Sonne, man muss ja abschätzen können, welche Kleidung einzupacken ist. Die Wetterlage war insgesamt unbeständig, immer wieder zog eine Störungsfront die norwegische Küste hoch, aber es sah nicht nach einem Dauertief aus. Also war Zwiebeltechnik angesagt, gegen Kälte und Regen kamen unsere Lands’End-Parkas zum Einsatz. Natürlich diesmal auch mit Mützen und Handschuhen. Große Abendgarderobe ist ja nicht angesagt, also gab’s keine Engpässe beim Kofferpacken. Kameras, Ladegeräte, Handy, die ganze Technik kam in den Rucksack, die Reiseunterlagen von Hurtigruten natürlich auch. Ein bisschen Reisefieber stellte sich allmählich ein.

Tag 1: München – Kirkenes – Einschiffung Richtung Nordkap

Der Wecker klingelt früh, schon um halb fünf holt er uns von der Matratze. Bad, Frühstück alles ruckzuck, um 10 nach 5 steigen wir bei Andreas ins Auto Richtung Flughafen. 20 Minuten später stehen wir bei „Hamburg International“ am Schalter, es ist nichts los um diese Zeit. Die üblichen Kontrollen überstehen wir klaglos, auf dem Weg zum Gate kaufen wir im Duty-free-Shop noch Mineralwasser für unterwegs. Dann sitzen wir da und warten, warten auch auf die Mitreisenden, aber da kommt niemand. Eine reizende Dame schenkt mir eine Nagelfeile aus Karton für meinen eingerissenen Fingernagel! So was darf mit im Handgepäck! Beim Aufruf ist es wirklich nur eine große Handvoll Menschen, die mit uns an Bord geht. Das hatte ich noch nie: Der Flieger ist nicht mal halb voll, jeder hat seinen Fensterplatz!

Wir starten in einen traumhaften Morgen. Beim Eindrehen auf die Startbahn kommt gerade die Sonne über den Horizont. Steil geht es hinauf in einen glasklaren blauen Himmel, Kurs Nord. Es gibt ein kleines Frühstück, wir überfliegen die Ostssee, Fehmarn liegt unter uns, Dänemark, der Kurs dreht auf Nord-Ost. Über der Ostküste Schwedens liegen Wolken, wir düsen drüber weg. Manchmal ist die Wolkendecke geschlossen und topfeben, dann sieht man einen kreisrunden Regenbogen und den Schatten des Jets mittendrin, phantastisch!

Richard With im Hafen von Kirkenes

Der Anflug auf Kirkenes geht durch die Wolken hindurch ostwärts. Dann eine große Kehre und wir sind durch. Links unter uns liegt die „Richard With“ am Hurtigruten-Terminal, die warten schon auf uns! Um 10 Uhr setzt die Maschine butterweich auf. Koffer holen, warten auf den Bus. Transfer zum Hafen. Um diese Jahreszeit sieht Kirkenes schon erheblich schöner aus als 2007 im Mai. Wir sind da! Und ziemlich die Ersten an der Rezeption auf Deck 3. Vor dem Betreten des Schiffs heißt es allerdings noch „Hände desinfizieren“, dass nur ja keine Bazillen an Bord kommen!

Wir bekommen unsere Bordkarten und fahren 2 Decks höher zu unserer Kabine, die allerdings noch nicht bereit ist. Macht nichts, gleich wieder raus an die frische Luft, denn die Luft im Flieger war so trocken, dass meine Nase noch stundenlang darunter leidet. Wir genießen die Sonne und schauen beim Verladen der Autos zu. Ein leichter Wind bläst luftige Wolken über Nordnorwegen, die Aussichten für eine ruhige Barentssee sind gut!

Pünktlich um 12:45 Uhr legt die „Richard With“ ab. Rasch verschwinden Kirkenes und die Küste hinter uns. Inzwischen sind die Kabinen bezugsfertig, wir stellen die Koffer rein und gehen erst einmal zum Lunch. Am Buffet ist vornehme Zurückhaltung gefordert, man könnte eigentlich wie im Schlaraffenland schwelgen in all den Leckereien. Aber dann würde man den Nachmittag verschlafen und wir möchten ja etwas von Norwegen sehen! Also laden wir uns die Teller „übersichtlich“ voll und auch bei den Nachspeisen probieren wir nur ein bisschen.

Um 14:30 Uhr ist wieder die obligatorische Information über das Schiff und die Gepflogenheiten an Bord. Auch die Unterweisung in Sachen Sicherheit folgt. Wir freuen uns, dass wir Morten Sagen, den deutschsprachigen Reiseleiter von 2007, auch wieder antreffen. Diesmal hat er allerdings Unterstützung in Marie Strømbeck erhalten. Ist immer wieder ulkig anzuschauen, wenn Morten im orangeroten Thermo-Rettungsanzug verschwindet. Aber alle hoffen, dass es nie zum Ernstfall kommt.

Malerische Fischerboote in Vardø

Wir haben nun auch unsere Kabine in Besitz genommen, die Klamotten sind im Schrank verstaut, auch die Toilettensachen im Badschrank eingeräumt. Da muss auch gleich der Handwerker in mir eingreifen, denn die Magnete halten die Spiegeltüren derart fest zu, dass Rita Probleme beim Öffnen hat: Mit 2 kleinen Heftpflasterstreifen auf den Magneten wird die Haltekraft verringert und gleichzeitig das Zuklappgeräusch gedämpft! Für unsere Koffer haben wir diesmal auch ein passendes Plätzchen gefunden: Sie passen genau unter das Klappbett, nur ein bisschen werden sie zusammengedrückt. Das Bett muss nun halt immer unten bleiben, aber das andere kann man ja zur Sitzbank hochklappen und hat dann für die kurze Zeit in der Kabine etwas mehr Platz.

Jetzt aber wieder nichts wie raus, es ist ja schönes Wetter und die Kabine ist nur zum Schlafen da. Es gibt ja wahrlich viel zu sehen. Im Moment sind es die Wolken. Wir lassen ein paar Regengebiete hinter uns, einen gigantischen Wolkenbruch irgendwo bei Kirkenes und einen wunderschönen Regenbogen über der Barentssee. Vor uns taucht allmählich wieder die Küste auf und unser erster Hafen, an dem wir auch gleich das Schiff wieder verlassen möchten.

Fabrikneue Geschütze in der Festung Vardøhus

Um 16:20 Uhr legen wir in Vardø an. Ein malerischer Fischerhafen mit vielen bunten Booten, die sich im ruhigen Wasser spiegeln. In Vardø gibt es die alte Festung Vardøhus zu besichtigen, eine achteckige Sternschanze mit allerlei frisch lackierten Geschützen. Zum Glück hat das Drohpotential über 250 Jahre ausgereicht, es wurde nie ein Schuss zu kriegerischen Zwecken abgefeuert. Am Hafen werden wir von einem kostümierten Guide abgeholt und die paar Straßen zur Festung geleitet. Wir klettern auf die Wälle und freuen uns über die friedliche Stimmung: ein bisschen Wind, kaum Wolken, im Hintergrund die ruhige See. Die kleinen Häuser von Vardø werden von unserem Schiff gewaltig überragt, welch ein Kontrast. Dann heißt es aber schon wieder umkehren, denn der Aufenthalt ist nur kurz und man sollte nicht zu spät kommen, sonst hat man ein Problem. Das Nebelhorn macht uns lautstark darauf aufmerksam.

Um 17:05 Uhr verlässt die Richard With Vardø in Richtung Nord-West. Im Licht der untergehenden Sonne gleiten wir an der Küste entlang. Den nächsten Hafen, Båtsfjord, erreichen wir gegen 20 Uhr. Dazwischen ist das Dinner angesagt. Wir müssen uns erstmal um unseren Tisch kümmern, beim Einchecken hat man uns die Nummer verschwiegen. Aber kein Problem: Wir bekommen unser Plätzchen an einem runden Tisch zusammen mit zwei Ehepaaren aus Chemnitz und Helmstedt. Beim Dinner wird wie üblich ein Drei-Gänge-Menü serviert. Wir lassen uns also bedienen und gönnen uns zum Einstand ein Bier, auch wenn es schweineteuer ist. Nebenbei kommt auch ein Gespräch mit den Tischnachbarn in Gang und wir lernen uns allmählich etwas kennen.

Letztes Sonnenlicht in der Barentssee

Pünktlich um 20 Uhr laufen wir in Båtsfjord ein. Hinter uns liegt ein großer Fischdampfer, der gerade Eis bunkert. Wir schauen fasziniert dem Ein- und Ausladen in unserem Schiff zu, palettenweise wird eisgekühlter Fisch ausgeladen: Hoffentlich nicht alles!

Um 20:35 Uhr geht es weiter. Vor uns ein spiegelglattes Nordmeer, darüber ein wolkenloser Himmel in traumhaften Sonnenuntergangsfarben, vom tiefen Rot über dem Wasser bis zum Schwarzblau des Nachthimmels. Die Küste an Backbord zieht als tiefschwarze Silhouette fast lautlos an uns vorüber. Gelegentlich steht an einem Felsvorsprung ein kleiner Leuchtturm und weist uns den Weg. Aber bald überwiegt die Müdigkeit, gegen 22 Uhr klettern wir in die Federn.

Die erste Nacht in fremden Betten ist natürlich immer unruhig. Man ist sowieso noch aufgekratzt und die ungewohnten Geräusche lassen einen nicht zur Ruhe kommen. Nun macht sich auch der Nachteil der Heckkabine bemerkbar: Die Vibrationen des Schiffsantriebs sind wie eine sanfte Dauermassage. Daran kann man sich ja gewöhnen, aber als wir in Mehamn und Kjøllefjord anlegen, geht ein Zittern durchs Schiff, dass man Angst bekommen kann. Könnte sein, dass da mal ein paar Schiffsschrauben ausgewuchtet werden müssen.

Tag 2: Vom Nordkap bis Tromsø

Heute müssen wir schon wieder früh raus, um 5:30 Uhr klingelt das Wecker-Telefon, das ganz einfach zu programmieren ist. Ohne Frühstück geht’s um 6 Uhr in Honningsvåg vom Schiff und rein in den Bus. Wir haben den Ausflug zum Nordkap gebucht und die Fahrt über Land nach Hammerfest. Trüb sieht es heute aus auf dem Weg zum Nordkap. Insgeheim erhofft man sich ja einen Sonnenaufgang wie auf den Postkarten, aber wir sind schon froh, dass es nicht regnet!

Das Frühstück in der Nordkaphalle ist schon bereitet, wir starten jedoch gleich durch zur Nordspitze. Immerhin sieht man heute weit übers absolut ruhige Meer und man kann die aufgehende Sonne sogar erahnen. Es liegt eine unglaubliche Ruhe über der Landschaft. Natürlich muss jetzt das obligatorische Beweisfoto am Nordkapglobus geschossen werden, jeder knipst jeden, wir uns und die anderen. Die Ersten ziehen schon wieder ab in Richtung Frühstück, da nutze ich die Gelegenheit und schieße eine Panoramarunde mit viel Gegend und wenig Menschen. Und nun zum Frühstück.

Am Nordkap

Anschließend gibt’s im Panoramakino einen neuen Film zu sehen. Gewaltige Flugaufnahmen in allen Jahreszeiten und bei Traumwetter machen Appetit aufs Wiederkommen! Irgendwann möchten wir das SO erleben! Im Untergeschoß besuchen wir auch die ökumenische Johannes-Kapelle, ein beschaulicher und meditativer Ort. Auf dem Weg zum Bus betrachten wir noch den Skulpturenpark „Kinder der Welt“, dessen Motive sieben Kinder aus aller Welt gestaltet haben.

Skulpturenpark „Kinder der Welt“

Kurz nach acht Uhr startet unser Bus. Von nun an geht’s immer nur südwärts! Ein kurzer Halt bei Niels und seiner Frau im Sami-Souvenirladen muss natürlich sein. Er steht da wie vor 2 Jahren, lächelt, denkt sich sicher was über die knipsenden Touries und freut sich natürlich, dass im Shop die Kasse klingelt. Hier ist man schon so flexibel, dass alles, was nach Geld und Devisen aussieht, auch akzeptiert wird. Sogar bare Euros! Wir haben uns zwei schöne Stirnbänder ausgesucht und bezahlen natürlich mit Norwegischen Kronen!

Kurz vor Honningvåg biegt der Bus rechts ab und steuert den Unterseetunnel an, der die Nordkapinsel Magerøya mit dem Festland verbindet. Nach kurzem Stopp vor dem Tunnel geht’s erst mal gut 3 km geradewegs in die Tiefe, dann in 212 Meter Tiefe unter dem Meer hindurch und dann wieder 3 km hinauf zum Festland. Das ist jedes Mal wieder ein witziges Gefühl, so tief unten im Meer, ohne U-Boot und trockenen Fußes.

Während die Richard With schon längst wieder unterwegs ist nach Havøysund und Hammerfest, fahren wir gemütlich die Uferstraße des Porsangerfjords entlang. Die Sonne drängt gelegentlich durch den Frühdunst, lässt uns aber im Übrigen noch etwas dahindösen. Wir haben natürlich immer mindestens ein Auge für die grandiose Landschaft der Finnmark übrig. Abwechslung bringen ein paar Tunnels und Rentiere, die manchmal nur mit viel Geduld von der Straße zu drängen sind.

Rentier am Porsangerfjord

Bei Oldersfjord verlassen wir den Porsangerfjord und biegen nach Westen ab. In Skaidi gibt’s eine kleine Pause und wieder einen Souvenirshop. Mehr hat die Gegend nicht zu bieten. Es ist immer noch trüb und macht die Sache deshalb nicht schöner. Wir nähern uns Kvalsund. Hier gibt es mal keinen Tunnel, sondern eine moderne Hängebrücke hinüber auf die Insel Kvaløya, an deren Westküste Hammerfest liegt. Die Kvalsundbrücke ist die nördlichste Hängebrücke der Welt. Wir werden auf unserer Reise noch vielen Superlativen begegnen, immer ist es „am nördlichsten, längsten, weitesten, tiefsten, größten oder kleinsten“. Wir schauen uns schon immer schmunzelnd an, wenn wieder so eine Besonderheit auftaucht. Kurz vor Hammerfest erspähen wir einen kurzen Blick auf die „größte Erdgasverflüssigungsanlage der Welt“, da haben wir’s schon wieder!

Gegen 12 Uhr erreichen wir Hammerfest und unser Schiff. Wir haben noch eine Stunde Zeit und laufen ein paar Meter durch die Stadt. Hinauf zur Kirche, die, wie alles in Hammerfest, nach dem 2. Weltkrieg neu erbaut wurde. Ansonsten ist die Stadt nicht sonderlich attraktiv, was sowohl am Wetter wie an den zahlreichen aufgerissenen Straßen liegt. Also allmählich zurück zum Schiff, denn dort wartet ja schon der Lunch auf uns!

Die neue Kirche in Hammerfest

Um 13 Uhr legen wir ab. Wir verziehen uns zur Mittagsruhe in den Syvstjernen-Salon und genehmigen uns einen Espresso (er schmeckt zumindest ähnlich). Es trübt sich zusehends ein, beginnt zu regnen. Schade, es gäbe ja viel zu sehen. Also werden gleich die Pflichten erfüllt und Ansichtskarten geschrieben und was weg ist, ist weg: Gleich in den Briefkasten neben der Rezeption auf Deck 3.

In Øksfjord regnet es. Tief hängende Wolken versperren uns den Blick auf die Landschaft. Aber dafür entdecken wir am Heck einen aktivierten Whirlpool! Ein Blick, ein Nicken und wir sind uns einig! Unsere Kabine liegt ja gerade 10 Meter und eine Treppe vom warmen Vergnügen entfernt, also Badehose an, Handtuch geschnappt, und schon sind wir in der Wanne! Bis zum Hals im sprudelnden Wasser und von oben eine sanfte kalte Regendusche, ein Vergnügen! Hinterher in der Kabinendusche registrieren wir erfreut, dass es nicht nur eingebaute Föns gibt, sondern auch serienmäßig Duschbad.

Versorgt mit Literatur gehen wir in den Panoramasalon, um das bisschen Aussicht und die Wetterentwicklung zu beobachten. Lichtblicke und Regenschauer wechseln sich ab, Abwechslung für uns ist um 18:30 Uhr das Dinner. Neben dem ausgezeichneten Essen entwickelt sich auch eine nette Gesprächsrunde mit unseren Tischnachbarn. Wir laufen in Skjervøy ein und gegen 19:45 Uhr wieder aus.

Nächtliche Eismeerkathedrale

Im Westen verlässt die Sonne mit einem schüchternen Abendrot zwischen schweren Wolken den Tag, der für uns noch lange nicht zu Ende ist. Wir müssen ja noch bis Mitternacht in Tromsø durchhalten. Also drehen wir fleißig unsere Runden auf Deck 5 und verziehen uns später wieder in den Panoramasalon. Zwischendurch halte ich immer wieder Ausschau nach dem Vollmond, der heute genau über dem Jupiter stehen sollte. Er wird’s wohl auch tun, aber durch die Wolken schafft es immer nur der Mond allein. Die letzte Stunde vor Tromsø ist es dann wirklich stockdunkel, nur am Ufer erkennt man durch die immer zahlreicher werdenden Lichter die Nähe der Stadt. Dann taucht in der Ferne Tromsø auf, ein Lichtermeer, in der Mitte die beleuchtete Brücke, links und rechts die vielen Tausend Lichter der Häuser. Und darüber das beleuchtete Dreieck der Eismeerkathedrale! Wir kommen!

Kurz vor Mitternacht legen wir an und gehen hinunter zu den Bussen. Ein paar Kurven durch die Stadt, dann geht’s über die gigantische Brücke hinüber ans Festland. 1000 Meter lang und fast 40 hoch ist die Tromsøbru, der Blick hinunter auf das schwarze Wasser ist richtig unheimlich. Aber gleich rückt die beleuchtete Fassade der „Tromsdalen-Kirke“, so der offizielle Name, in den Fokus. Wir sind ein kleines Häuflein an Nachtschwärmern, vielleicht 50 Leute, die sich dem Genuss des Mitternachtskonzerts hingeben.

Erst die Orgel, dann ein Lied und dann abwechselnd Musik, gesungen oder gespielt auf dem Klavier, mal mit Trompete oder Flügelhorn. Das „Ave maris stella“ von Edvard Grieg, das ich sonst als 7-stimmigen Chor kenne, diesmal nur als Bariton-Solo mit Klavierbegleitung! Allein deswegen haben sich Konzert und langes Aushalten gelohnt! Selig von den schönen Klängen kehren wir zum Schiff zurück und verschwinden flugs in unseren Betten. Die Nacht ist kurz, denn aufgrund der günstigen Wetterprognose haben wir kurzerhand den Landausflug über die Vesterålen gebucht. Gute Nacht, jetzt heißt es schnell schlafen!

Tag 3: Vesterålen und Lofoten

Um 8 Uhr legen wir in Harstad an. Das Wetter schaut gar nicht so schlecht aus, zwar ist es wolkig, aber ein frischer Wind lässt keine großen Wolkenbänke entstehen und die Sonne strahlt uns durch eine glasklare Luft an. Gut gestärkt durch das üppige Frühstück klettern wir in den Bus. Morten übergibt uns an Børge Larsen, der uns mit viel Humor und Informationen über seine Inseln führen wird.

Die spätgotische Trondeneskirche bei Harstad

Erst kurven wir durch Harstad in die Höhe, um einen Blick über die Stadt werfen zu können. Dann fahren wir nach Norden zur alten Trondeneskirche, der nördlichsten spätmittelalterlichen Steinkirche der Welt aus dem Jahr 1250. Sie liegt inmitten eines der typischen norwegischen Friedhöfe, die sich so wohltuend von den deutschen „Kleingartenanlagen“ unterscheiden: Ein Grabstein, ein Blümchen, Wiese und sonst nichts, was vom Gedenken an Verstorbene ablenken könnte. In der Kirche faszinieren die geschnitzten Flügelaltäre, die alte Orgel auf der Empore und vor allem die dicken Mauern! Ein echtes Kleinod!

Gerade mal gut 100 Meter entfernt ist das moderne „Historische Zentrum Trondenes“. Hier liefern Ausstellungen, Multivisionsshows und viele Originalexponate Eindrücke in die Geschichte Nordnorwegens. Die berühmte „Adolfkanone“, ein Schiffsgeschütz an Land gleich um die Ecke, lassen wir rechts liegen, widmen wir uns lieber der schönen Landschaft.

Am Øysund bei Straumen

Wir nehmen die RV 83 nach Westen und gleiten durch eine wunderschöne Landschaft. Bauernhöfe, Felder, Obstgärten. Bei Straumen machen wir einen Halt und gehen über die Brücke an der engsten Stelle des Øysunds. Beim Gezeitenwechsel gibt es hier ähnlich starke Strömungen wie beim Saltstraumen bei Bodø. In diesem Gewässer gedeihen tausende von Miesmuscheln! Unser Reiseleiter empfiehlt uns für den nächsten Besuch auf den Vesterålen unbedingt eine „Fiskestange“ und einen guten Weißwein, einen „Schabliss“, mitzubringen, denn Fische und Muscheln gibt es hier in Hülle und Fülle!

Kurze Zeit und ein paar Kilometer weiter erreichen wir in Revsnes die Fähre nach Flesnes. Auf der kurzen Überfahrt werden uns zu Kaffee oder Tee norwegische Leckereien serviert. Neben Toasts mit Gammelost gibt es die Original Kvæfjord-Lefse, die schmecken ein bisschen nach Lebkuchen mit Zucker-Zimtfüllung. Lecker! Zurück im Bus erhalten wir dazu auch gleich noch das Rezept von Børges Vater, einem Bäcker. Genau betrachtet stammen die Mengenangaben auch sicher aus der Bäckerei, denn sie reichen für 40 Lefse in Form kleiner Pfannkuchen:


Kvæfjord-Lefse (Nordlandlefse)

Große Portion – ca. 40 Lefse

500 g Margarine schmelzen lassen, mit
2 Tassen Sirup (hell, Melasse) verrühren und
2 Tassen Zucker
1 Liter Vollmilch
2 kg (!) Weizenmehl und
100 g Hirschhornsalz (Natriumbicarbonat, in etw. Wasser auflösen)
dazugeben und gut verrühren.

Den Teig über Nacht ruhen lassen. Dann dünn auf Tellergröße ausrollen und im Ofen bei mäßiger Hitze (ca. 200 °C) hellbraun backen (8-10 min). Mit einer Mischung aus Butter, Zucker und Zimt bestreichen und immer 2 aufeinander legen. In tortenförmige Stücke schneiden.

Velbekomme (guten Appetit)!
Gruß von Ihrem Reiseleiter Børge Larsen


Anmerkung: Wir haben zuhause die Originalmengen geviertelt, das war dann eine vernünftige Größenordnung zum Ausprobieren! Und sie haben gut geschmeckt!

Auf der weiteren Fahrt nach Sortland erwischt uns ein kurzer Regenschauer aus heiterem Himmel. Aber genauso schnell wie er gekommen ist, ist er auch wieder weg. Nach einem Tunnel taucht der Sortlandsundet vor uns auf und die nächste große Brücke, die uns nach Sortland hinüber bringt. Kurz vorher machen wir noch einen kurzen Stopp, denn wir warten auf unser Schiff. Reiseleiter und Besatzung haben sich einen Gag ausgedacht: Der Bus fährt langsam zu dem Zeitpunkt über die Brücke, wenn das Schiff gerade unten durchrauscht. Marie und Morten stehen ganz oben auf Deck und winken uns mit großen weißen Tischtüchern zu und das Nebelhorn der „Richard With“ bläst einen ohrenbetäubenden Gruß herauf! Um 12:45 Uhr sind wir wieder an Bord, gerade rechtzeitig zum Lunch. Kurz darauf legen wir ab und steuern südwest an der Insel Langøya entlang auf Stokmarknes zu.

Gegen 14:15 Uhr erreichen wir Stokmarknes und haben eine gute Stunde Zeit für das Hurtigrutenmuseum und die alte „Finnmarken“ von 1956. Mit unseren Zimmerschlüsseln als Eintrittskarten steigen wir im Museum erst einmal hinauf und hinüber zu dem Oldtimer. Eine ganz andere Welt empfängt uns da, ein Schiff, das nicht größer ist als ein Chiemseedampfer, sehr überschaubar und einfach. Leider ist eigentlich alles eine große Baustelle. Hier gibt es noch eine Menge zu tun, um daraus ein richtiges Ausstellungsschiff zu machen. Aber immerhin können wir die Kabinen anschauen und auch auf die Brücke gehen und mal kurz Kapitän spielen. Wir werden bei Gelegenheit wieder vorbeischauen!

Frau Kapitän auf der Finnmarken

Das Museum selbst zeigt die ganze Entwicklung der Hurtigruten-Schifffahrt. Zahlreiche Originale und Modelle gibt es zu sehen, viele Fotos und natürlich auch den obligatorischen Souvenirshop. Zwischendurch hat’s mal wieder geduscht, aber nun schaut die Sonne wieder raus und unser Schiff spiegelt sich in den großen Pfützen am Hafen. Um 15:15 Uhr legen wir ab.

Wir nehmen Kurs auf die Lofoten, und in den kommenden Stunden durchfahren wir den Raftsund, eines der absolut spektakulären Ereignisse auf dieser Reise. Auf dem Weg nach Norden verschläft man ja die enge Passage in der Regel, umso spannender ist es jetzt, noch dazu macht das Wetter mit und lässt auf tolle Eindrücke hoffen.

Wir queren den Hadselfjord nach Südosten und steuern geradewegs auf die Bergkette der Lofoten zu. Wo, um alles in der Welt, soll da ein Schiff durchpassen? Die Berge sind schon zum Greifen nah, wir passieren gerade das Schiffszeichen auf der Insel Brottøy, als der Käpt’n die Richard With um 90° nach Steuerbord dreht und den Blick auf den gut 20 Kilometer langen kerzengeraden Raftsund freigibt. Da geht’s also durch! Über uns die Raftsundbrücke, über die die Europastraße 10 führt und die Lofoteninseln auf ganzer Länge mit dem Festland bei Narvik verbindet.

Die Raftsundbrücke

Bei Raften wird die Fahrrinne ziemlich schmal und 10 km weiter auch richtig spannend, denn dann kommt der große Schwenk nach Steuerbord in Richtung Trollfjord. Wir haben auch diesmal das Glück, dass das Wetter mitspielt und friedlich ist. Denn nur dann ist der Abstecher in den Trollfjord möglich. Ganz vorne auf Deck 5 drängeln sich die Fotografen, denn keiner möchte etwas verpassen. Langsam schiebt sich das Schiff in den immer enger werdenden Fjord. Fast kann man links und rechts die Felswände berühren, gerade 100 Meter ist der Fjord an der engsten Stelle breit! Am Ende des Fjords ist dann wieder mehr Platz, sodass die Schiffe auf der Stelle drehen können. Das geschieht alles ganz gemächlich und in völliger Stille. Alle genießen andächtig das Schauspiel, man hört nur das pausenlose Klicken der Kameras.

Nach einer halben Stunde sind wir wieder draußen und steuern in voller Fahrt den nächsten Hafen Svolvær an, den wir um 18:45 Uhr erreichen. Hier sieht’s irgendwie anders aus als vor gut 2 Jahren: Ein neues Hafenterminal ist hier entstanden. Wir beschließen noch einmal in die Magic Ice Gallery zu gehen. Unsere Tischnachbarn aus Chemnitz gehen mit.

Einfahrt in den Trollfjord

Da drinnen hat sich allerdings nichts getan, es sind immer noch die gleichen Skulpturen zu sehen, vielleicht ein bisschen mehr abgegriffen. Die farbige Beleuchtung funktioniert nicht so gut, es macht einen etwas lieblosen Eindruck. Zu unserer Überraschung gibt’s auch keinen Gratisdrink mehr aus dem Eisglas, das kostet noch mal extra und deshalb sparen wir uns das. Naja, das war nicht so ergiebig, und deshalb schauen wir uns den Ort noch näher an. Wir steigen hinauf zur Kirche, da hat man einen schönen Blick auf den Ort. Hinter den Bergen versinkt die Sonne und wirft faszinierende Schatten.

Um 20 Uhr legen wir ab und begeben uns zum Dinner. Es ist immer wieder ein Genuss, am Abend bedient zu werden. Und es hat den großen Vorteil gegenüber einem Buffet: Man isst nicht so viel!

21:35 Uhr, Stamsund, der letzte Lofotenhafen, es regnet. Wir machen trotzdem unseren Abendspaziergang durch den Ort, steigen hinauf zum Kirchlein. Obwohl dort einladend ein Licht brennt, ist zugesperrt. Von hier aus sehen wir die nordgehende Midnatsol einlaufen. Wir beschließen einen kurzen Blick in das Schwesterschiff zu werfen, das geht mit der Bordkarte problemlos. Man bekommt eine Gästekarte und kann dann rumspazieren. Alles ist hier eine Nummer größer, auch mondäner, man hat fast das Gefühl, in Turnschuhen und Parka negativ aufzufallen. Da fühlen wir uns auf unserem Schiff dann doch wohler, also nichts wie rüber!

Heute gehen wir früher in die Kabine, wir haben das Bedürfnis, mal etwas ausschlafen zu können, denn die vergangenen Tage waren wirklich sehr lang. Morgen früh dürfen wir nur den Polarkreis nicht verpassen! Gute Nacht!

Tag 4: Vom Polarkreis bis Rørvik

Natürlich sind wir rechtzeitig auf den Beinen und lassen uns das Frühstück in Ruhe schmecken. Das Treffen mit der Vesterålen schaffen wir zwar nicht, aber die Querung des Polarkreises erleben wir bei schönstem Wetter. Das Polarkreisdenkmal glänzt und funkelt in der Morgensonne. Um 9:32 Uhr haben wir damit das Land der Mitternachtssonne verlassen, wobei wir ja diesmal nichts von ihr mitbekommen haben, denn dazu muss man zur Jahresmitte unterwegs sein.

Polarkreisdenkmal auf Hestmannøy

Den Vormittag verbringen wir laufend auf Deck 5. Die Wolken bescheren uns ein fantastisches Fotografierlicht: Mal sind sie zartweiß, mal kohlrabenschwarz, der Eindruck wechselt von lieblich bis bedrohlich. Später trübt sich’s aber zunehmend ein. Nesna erreichen wir kurz nach 11 Uhr, da sieht’s schon stark nach Regen aus. Hier erleben wir mal wieder ein wahres Ein- und Ausladeballett: Zwei Gabelstapler stehen schon da wie in der Poleposition als die Ladeklappe runterfährt. Und dann geht’s los, ein Wunder, dass sich die beiden nicht in die Haare bzw. Staplergabeln kommen. Die wenigen Passagiere, die unten am Pier rumstehen, müssen höllisch aufpassen. Aber von oben ist das echt lustig zum Zusehen.

Überreichung der Polarzirkelurkunde

Auf dem Weg nach Sandnessjøen gibt es eine kleine offizielle Feierlichkeit: Wir bekommen das obligatorische Polarsirkel-Sertificat überreicht, leider nicht mit Meeresgott Neptun und Eiswassertaufe, sondern mit einem kleinen Glas Rotwein. Das genießen wir als Aperitif und steigen hinab zum Lunch-Buffet, während dem wir gegen 13 Uhr Sandnessjøen erreichen. Hier machen wir einen kleinen Verdauungsspaziergang und entdecken das Denkmal von Petter Dass, dem dichtenden Pfarrer und Gutsherren, der hier im 17. Jahrhundert lebte und eine lokale Berühmtheit war.

Um 13:30 Uhr legen wir wieder ab. Jetzt heißt es wieder die Kamera parat halten und regensicher anziehen. In der nächsten Stunde fahren wir an der Bergkette „Die sieben Schwestern“ vorbei, die im Hurtigruten-Katalog immer im Sonnenlicht und mit oder ohne Schnee strahlt. Leider strahlt heute nichts, eine einförmig graue Wolkendecke hängt über uns und lässt es zart nieseln. Also sind wir froh, dass wir die Bergkette überhaupt sehen und majestätisch daran entlanggleiten. Bevor wir uns ins Trockene flüchten, werfen wir noch einen Blick auf das Kirchlein von Alstahaug, hier lebte und wirkte der Pfarrer Petter Dass.

Die Sieben Schwestern

16:15 Uhr Brønnøysund. Auch hier machen wir wieder einen kurzen Landausflug. Es regnet und ist trüb. Bevor wir aufs Schiff zurückkehren, gehen wir in einen Getränkeladen des staatlichen Vinmonopol und staunen über die horrenden Preise für alkoholische Getränke. Da kostet eine Flasche gewöhnlichen Rotweins tatsächlich 15 Euro, die „harten“ Getränke liegen bei 50 Euro. Kein Wunder, dass sich auch am Schiff der Alkoholkonsum aus preislichen Gründen im Rahmen hält und bei uns am Mittags- und Abendtisch das frische Leitungswasser aus dem großen Gratis-Glaskrug sehr gefragt ist.

Pünktlich um 17 Uhr legen wir ab. Es ist schon erstaunlich, wie der Fahrplan eingehalten wird. Jetzt wird es wieder interessant. Zuerst passieren wir die elegant geschwungene Sundbrücke und steuern dann auf den Torghatten zu, den Berg mit dem Loch in der Mitte. Der Sage nach ist der Berg ein versteinerter Hut, der von einem Pfeil durchbohrt worden war. Die wissenschaftliche Erklärung ist erheblich nüchterner: Während der letzten Eiszeit lag das Land aufgrund des Gewichts der Gletscher gut 100 Meter tiefer und das Loch entstand als Folge der Brandung.

Nach der Eiszeit hob sich die Landmasse und damit auch das Loch in luftige Höhen. Leider ist es ziemlich diesig und man kann das Loch von Nordosten aus nur ganz kurz mal ahnen. Aber das Schiff macht einen kleinen Schlenker nach Steuerbord und umrundet die halbe Insel. Von Südwesten aus sieht man das Loch erheblich besser, aber wegen des Regens ist der Genuss nur halb so groß.

Der Torghatten mit seinem berühmten Loch

Nicht nur wegen des schlechten Wetters verziehen wir uns ins Innere des Schiffes, es ist auch Zeit für das Abendessen, das heute als „Farewell-Dinner“ für die Passagiere zelebriert wird, die morgen in aller Frühe in Trondheim das Schiff in Richtung Heimat verlassen. Der Käpt’n und seine Offiziere stehen zur Begrüßung am Eingang des Restaurants, mit einer Miene wie kurz vor einem Freistoß, wir bekommen ein Glas Sekt gereicht und dann hält Kapitän Knut Storø seine kurze Ansprache.

Man merkt, dass er sich auf seiner Brücke erheblich wohler fühlt. Dann darf aufgetischt werden. Es ist wie immer ein Schauspiel, dem wir, aufgrund unseres günstigen Platzes, gerne zusehen: Das Anrichten des Menüs erfolgt praktisch unter den Augen der Passagiere inmitten des Restaurants und geht ruckzuck. Der Chefkoch und sein Assistent mit der Seeräuber-Augenklappe richten die Speisen auf den Tellern an und das Heer des Servicepersonals verteilt die Leckereien dann blitzschnell. Und wir sechs genießen das in vollen Zügen!

20:25 Uhr, wir legen in Rørvik an. Trotz des Regens machen wir einen Spaziergang durch den Ort. Vorbei am Denkmal der wartenden Fischersfrau durch die Gassen mit den schönen alten Häusern. Die Lichter spiegeln sich in den Pfützen und sorgen dafür, dass alles etwas freundlicher ausschaut. Auf einer Anhöhe steht die Kirche, wir steigen hinauf, natürlich ist sie geschlossen, um diese Tageszeit selbstverständlich. Aber man hat einen schönen Blick auf den Hafen und wir sehen die „Nordkapp“ gerade unter der großen Brücke in den Hafen einlaufen. Wir gehen hinunter zum Fischereihafen, zwischen den alten und neuen Booten hindurch und werfen noch einen Blick in das „Norveg“-Erlebniszentrum.

Inzwischen hat die Nordkapp angelegt und wir beschließen, auch hier noch einmal einen Blick hineinzuwerfen. Es ist auch ein Schiff der neueren Generation, größer und schöner als unsere Richard With, aber auch irgendwie mondäner. Den Eindruck hatten wir schon mal auf der Midnatsol und kehren deshalb gerne auf unser Schiff zurück.

Um 21:30 Uhr legen wir ab und fahren in die Nacht hinein. Die Strecke bis zum Trondheimfjord geht durch die Folda, einem Stück offenen Meeres, und wir hoffen, dass wir von Wind und Wellen verschont bleiben und gut schlafen können.

Tag 5: Von Trondheim, Kristiansund und Molde

In aller Herrgottsfrühe erreichen wir um 6:30 Uhr Trondheim. Da heißt es wieder früh aufstehen, denn wir möchten die Zeit nutzen und zu Fuß zur und durch die Stadt laufen.

Am Nidelva in Trondheim

Kurz nach 8 Uhr verlassen wir das Schiff und suchen uns den Weg durch den Hafen in die Stadt. Es ist wieder mal trüb und es regnet auch etwas. Man geht kaum 20 Minuten bis zur Altstadt. Am Nidelva entlang schauen wir uns die alten Holzhäuser an, in denen noch fest geschlafen wird. Über die alte Brücke gehen wir hinüber in Richtung Nidarosdom, den wir uns diesmal nur von außen anschauen.

Am Torget, dem großen zentralen Platz, steht eine Säule mit der Figur des Königs Olav Tryggvason (Olaf I.), der um 957 die Gründung der Siedlung veranlasste. Gleich rechts um die Ecke ist die alte Vår Frue Kirke, die Kirche zu „Unserer lieben Frau“, wie wir bei uns sagen würden. Eine eigenartige Stimmung empfängt uns, es ist fast wie in einem Wohnzimmer: Hier werden Obdachlose betreut!

Fassade des Nidarosdoms

Wir trollen uns zurück in Richtung Hafen. Um 10 Uhr laufen wir aus. Das Wetter hat sich etwas zum Besseren gewandelt. Die Sonne scheint ein bisschen, als wir an Munkholmen, der Kloster-/Gefängnis-/Ausflugsinsel im Fjord vor Trondheim, vorbeifahren. Es geht jetzt zwei Stunden westwärts, bevor wir den Tronheimfjord verlassen und wieder südwestwärts in Richtung Kristiansund fahren.

Besuch auf der Brücke

Um 11:30 Uhr haben wir den nächsten Termin: Wir besuchen Kapitän Storø auf der Brücke und lassen uns in die Geheimnisse der Schiffstechnik und Navigation einweihen. Das ist schon sehr interessant zu sehen, wie das Schiff per Autopilot seinen Weg findet. Die Elektronik hält uns dabei auf den Meter genau auf Kurs. Auch die ganze Technik des Schiffs wird von hier aus überwacht. Es war in früheren Zeiten sicher erheblich schwieriger, den Weg bei Wind und Wetter durch die tausend Inseln zu finden. Wir bekommen auch hier ein Zertifikat über den Besuch auf der Brücke und einen kleinen Drink als Aperitif. Jetzt ist Zeit zum Lunchen! Im Gehen sehen wir gerade noch an der Backbordseite den alten Leuchtturm von Agdenes, der bis 1984 seinen Dienst an der Einfahrt des Trondheimfjords getan hat. Und weil ich schon mal die Kamera dabei habe, knipse ich auch das Buffet bevor es zerstört wird!

Heute gönnen wir uns mal einen Mittagsschlaf in der Hoffnung, dass wir nichts allzu Wichtiges an der schönen Aussicht verpassen. Aber irgendwie haben wir einen gewissen Nachholbedarf. Kurz nach 14 Uhr sehen wir an Backbord die Methanolfabrik von Tjeldbergodden, die mit 900.000 Tonnen 13% des Jahresverbrauchs in Europa produziert. Da das Wetter sich beruhigt hat und oft die Sonne durchkommt, verbringen wir den Nachmittag auf Deck, mal rundherum auf Deck 5 oder auch mal im Liegestuhl auf dem Sonnendeck. Leider bläst der Fahrtwind da oben die Dieselabgase übers Deck, das vertreibt uns wieder hinunter.

Eine weite Strecke fahren wir zwischen dem Festland und der Insel Hitra durch, der größten Insel Südnorwegens. Hier gibt es eine große Fischindustrie, die Lachse und Meerforellen verarbeitet, und es gibt hier angeblich den größten Stamm von Hirschen in Europa. Schon wieder mal ein Superlativ!

Kristiansund

Als wir um 16:30 Uhr in Kristiansund anlegen, scheint die Sonne und es ist angenehm warm. Wir machen mit vielen Mitreisenden einen Stadtbummel, besuchen am Hafen das Denkmal des „Klippfischweibs“, das zum Andenken an die vielen Frauen errichtet wurde, die hier den Dorsch zum Trocknen aufbereitet und verarbeitet haben. Dieser Klippfisch ist im getrockneten Zustand in ganz Europa als Bacalau bekannt. Ich habe ihn schon mal in Portugal als Spezialität probiert. Weiter oben in der Stadt gehen wir an dem Haushaltswarengeschäft vorbei, in dem ich 2002 meine dreieckige Lieblings-Käsereibe gekauft hatte. Von dort oben hat man einen schönen Blick hinunter auf den Hafen und unser Schiff, das schon mal drohend das Nebelhorn tönen lässt! Also nichts wie zurück, es ist zwar schön hier, aber dableiben möchten wir doch nicht!

Ein Teil der Passagiere hat hier das Schiff verlassen und macht den Landausflug über die Atlantikstraße, den „Atlanterhavsvegen“ nach Molde. Dort treffen wir sie spät abends wieder. Wir genießen die Spätnachmittagssonne und die total ruhige See und freuen uns auf das Abendessen.

Freizeit in Molde

Im Licht der untergehenden Sonne verlässt das Schiff die offene See und biegt backbords zwischen die Inseln ab. Gegen 20:45 Uhr erreichen wir die Rosenstadt Molde. Aufgrund der günstigen Lage an der meerabgewandten Seite der Insel hat die Stadt ein unglaublich mildes Klima, in dem Rosen ohne Ende gedeihen. Es ist angenehm mild und warm auf unserem Bummel durch die nächtliche Stadt, hinauf zum Dom und zurück zum Hafen. Auch unser Servicepersonal genießt die freie Zeit und albert in luftiger Kleidung am Hafen herum. Man merkt jetzt schon den Süden!

Um 21:30 Uhr geht’s weiter, in die Nacht hinein. Ålesund verschlafen wir, auch die nächsten Häfen Torvik und Måløy. Nur am heftigen Vibrieren des Schiffes spüren wir im Halbschlaf, dass die Richard With an die Anlegestellen hinmanövriert. Aber inzwischen haben wir uns auch daran gewöhnt.

Tag 6: Die letzten Seemeilen bis Bergen

Zur Frühstückszeit sind wir in Florø, dem letzten Hafen vor Bergen. Allmählich macht sich Abschiedsstimmung breit. Das schlechte Wetter tut sein Übriges dazu. Wir packen unsere Koffer und stellen sie rechtzeitig vor 9 Uhr vor die Kabine. Sie werden dann abgeholt und können in Bergen im Hurtigrutenterminal abgeholt werden. Den halben Tag bis Bergen verbringen wir dann im Syvstjernen-Salon, lesend und schauend. Zwischendurch gehen wir mal an die sehr frische Luft und genießen das unglaubliche Spiel von Licht und Wolken. Blauer Himmel alleine ist dagegen richtig langweilig.

Dramatische Wolkenstimmung

Es gibt noch ein letztes Mittagsbuffet, das wir richtig genießen. Danach sehen wir zu, wie unser Schiff endgültig die offene See verlässt und sich in Richtung Bergen zwischen die Inseln hindurchfädelt. Bald entdecken wir bekannte Dinge, die ersten Häuser von Bergen, den Ulriken, die Festung, den Hafen. Um 14:37 geht die große Klappe für die Autos auf und die Fußgängerbrücke wird an Deck 5 angedockt. Wir verlassen das Schiff mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein letztes Mal benutzen wir unsere Bordkarte zum Auschecken, fahren die Rolltreppe hinunter und holen unsere Koffer.

Einfahrt in Bergen

Die Busse stehen schon bereit, wir bleiben ja noch eine Nacht und werden zum Hotel Admiral gebracht. Es ist ein sehr nobler Schuppen und wir sind ganz alleine aus unserer Gruppe dort. Unser Zimmer ist riesengroß, mit einem tollen Bad. Na, wir werden die letzte Nacht genießen.

Die berühmten Holzhäuser von Bryggen

Jetzt aber wollen wir uns die Füße vertreten und starten zu einem Bummel durch eine uns wohlbekannte Stadt. Zuerst erkundigen wir uns in der Stadtinformation nach der Fahrmöglichkeit zum Ulriken. Wir möchten zum Abschied auf den Hausberg auf gut 600 Meter Höhe hinauf. Es gibt da einen eigenen Bus, und da das Wetter halbwegs gut ist, verabreden wir mit unseren Tischnachbarn den Ausflug zu wagen. Dann bummeln wir hinüber zu den Holzhäusern von Bryggen und schnuffeln durch die Läden. Auch einen Besuch im Stadtpark machen wir noch. Der Ulriken schaut immer noch freundlich zu uns herab.

Bergen im Abendlicht

Um 17 Uhr steigen wir dann in den Bus und lassen uns zur Seilbahn bringen. Noch sieht es freundlich aus, aber oben angekommen erwischen wir gerade noch ein paar Löcher in den Wolken, um Bergen von oben zu sehen, nachher sehen wir nicht mal mehr Berge, wir sind mitten in den Wolken oder im Nebel oder was auch immer. Und diese Suppe hält sich zäh. Wir entrinnen der Kälte im neu erbauten Bergrestaurant, das uns allerdings nur noch heißen Tee anbieten kann. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, dass wir unsere Freunde da für teures Geld mit heraufgelotst haben, immerhin 195 NOK, das sind rund 25 Euro, hat der Spaß pro Person gekostet. Wenigstens beim Runterfahren erhaschen wir kurz unterhalb des Gipfels einen sonnigen Blick auf Bergen und die Schären. Damit müssen wir zufrieden sein!

Wir bummeln zusammen durch das Hafenviertel und landen dann in einer Kneipe auf Bryggen. Mit einer Fischsuppe und einem Bier beschließen wir mit Heike und Hans-Jörg den Tag und machen uns auf den Heimweg ins Hotel.

Tag 7: Der letzte Tag, Bergen im Regen

Wir haben gut geschlafen, richtig ausgeschlafen. Das Hotel ist ein recht alter Kasten mit dicken Mauern, wir haben nichts von anderen Gästen gehört. Zunächst genießen wir ein ausgiebiges Frühstück und betrachten aus sicherer Entfernung das Wetter. Heute macht Bergen seinem Namen Ehre: Es regnet aus allen Rohren! Wir können uns allerdings nicht beklagen, immerhin sind wir schon das dritte Mal hier und bisher hatten wir immer Sonnenschein.

Also ziehen wir uns wasserdicht an und marschieren los. Wir möchten noch etwas einkaufen und suchen uns die nächsten Kaufhäuser. Hier finden wir auch die dreieckigen Reiben, leider nur in der Mini-Ausführung, aber zum Parmesanreiben sind die gerade gut! Auf dem Fischmarkt lassen wir für Oma ein paar geräucherte Forellen einschweißen.

Fischmarkt in Bergen

Um 11:30 Uhr werden wir vom Bus abgeholt und zum Flughafen gebracht. Es duscht immer noch. Aber jetzt ist es auch egal. Hier beginnt die große Warterei, denn unser Flug startet erst um 16:15 Uhr nach Oslo. Aber ich habe ja noch mein Buch zum Fertiglesen und lache mich zwischendurch halb krank über Eckart von Hirschhausen und die Leber, die mit ihren Aufgaben wächst.

Rechtzeitig zum Start ist die Sonne gekommen und beschert uns einen kurzen aber schönen Flug nach Oslo. Dort haben wir noch mal eine Stunde Aufenthalt und dann geht es mit einem fast leeren Lufthansa-Jet zurück nach München. Das ist schon sehr selten, dass sich jeder nach Lust und Laune ein Fensterplätzchen aussuchen kann! Im Licht der untergehenden Sonne überfliegen wir die deutsche Küste, irgendwann ist die Donau unter uns, im Landeanflug erkennen wir die Isar und dann unsere nähere Heimat. Das Lichtermeer des Großraums von München liegt unter uns. Sanft setzen wir kurz nach 20 Uhr auf.

Sonnenuntergang beim Anflug auf München

Nun brauchen wir nur noch die Koffer abzuholen. Leider kommt nur einer. Der zweite taucht auch nach längerem Warten nicht auf. Ich mache mich auf die Suche, denn irgendwo muss er ja sein, oder man muss eine Suche starten. Das tu ich auch, dafür gibt es einen eigenen Servicebereich. Und ruckzuck ist er auch gefunden und wartet auch schon auf mich: Das Etikett konnte nicht automatisch gelesen werden und deshalb wurde er zu den Fundsachen geschickt.

In der Zwischenzeit ist auch unser Familientaxi da und bringt uns nach Hause. 21 Uhr. Alles ist gut gegangen! Es war eine schöne Reise, aber insgesamt war die „Nordgehende“ schöner! Nordwärts baut sich die Spannung allmählich auf und erreicht fast am Ende der Reise am Nordkap ihren Höhepunkt. Diesmal begann es schon mit dem Highlight, und man ist praktisch ab dem zweiten Tag bereits gefühlsmäßig auf der Heimreise. Vor allem die beiden ersten Tage waren ja unheimlich lang und ermüdend, das hing uns den Rest der Reise immer nach. Aber, man muss diese Fahrt trotzdem gemacht haben, sonst ist die Hurtigruten nicht komplett.

Unser Entschluss: Aller guten Dinge sind drei! Vielleicht folgt noch eine dritte Reise, am liebsten im Winter, mit Schnee und Nordlicht… Meine Chorfreundin Christine hat mich darin bestärkt, diese Fahrt Ende Februar zu machen, da sind die Tage schon länger und Nordlicht kann man auch noch sehen. Und wir sollten die Reise rauf und halb runter machen, von Bergen nach Kirkenes und zurück bis Trondheim, und dann auf der Vesterålen, einem kleineren, heimeligen Schiff, groß genug für einigen Komfort, aber überschaubarer als die Großen. Zurück nach Oslo vielleicht mit der Bahn, der schönen Aussicht wegen.

Herzlichen Dank an Christine, die alle norwegischen Namen auf richtige Schreibweise kontrolliert und auch noch das letzte fehlende Komma gefunden hat!

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