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Faial – westlichste Insel der Zentralgruppe

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Mit einer Fläche von rund 173 km² ist Faial die fünftgrößte der Azoreninseln. Laut statistischem Jahrbuch 2011 leben hier knapp 15.000 Einwohner. Neben vielen kleineren und größeren Küstenorten, die an der inselumrundenden Hauptstraße liegen, gibt es abseits der Atlantikküste eigentlich nur eine größere Ansiedlung, Flamengos. Durch das Landesinnere führen zwei Nebenstraßen mit Abzweig zur sehenswerten Caldeira.

Horta – bekannter Seglerhafen

Wir erreichen Faial mit der SATA Air Acores. Der Flughafen an der Südküste bei Castelo Branco liegt etwa 10 km westlich der Inselhauptstadt Horta. Diese ist gleichzeitig Distrikthauptstadt für die Inseln Pico, Flores und Corvo. Unseren Mietwagen nehmen wir am Flughafen in Empfang und erreichen dank einer guten Wegbeschreibung unser Hotel Fayal (auch als Faial Resort Hotel bekannt) hoch über dem Hafen ohne Probleme. In einer großzügigen Parkanlage mit Außen- und Innenpool liegen neben dem Hauptgebäude einige Appartementhäuser. Ein Fußweg führt von der Hotelanlage nach wenigen Minuten in die Stadt und zum Hafen hinunter. Für ein Taxi müssen Sie mit Gepäck vom Flughafen nach Horta mit etwa 12 - 14 Euro rechnen.

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Bald schon machen wir uns auf, Horta zu erkunden. Über eine Treppe und anschließend schmale Gässchen erreichen wir die Uferpromenade, die Teil der inselumrundenden Hauptstraße ist. Sogleich fällt der Blick auf die Marina. Segelboote aus aller Welt geben sich hier ein Stelldichein. Abfälle werden entsorgt, neuer Proviant an Bord gebracht, Instandsetzungen und Reparaturen getätigt. Mancher Segler bleibt ein, zwei Tage, ein anderer auch eine Woche. Es ist üblich, sich mit einem selbstgemalten Bild an der Kaimauer zu verewigen. Künstlerisch mehr oder weniger anspruchsvoll, ist der gesamte Yachthafen mit Zeichnungen übersäht. Hier und dort erkennt man, dass das Boot schon mehrfach im Hafen war. Die ursprüngliche Zeichnung mit dem Erstjahr der Besichtigung ist aufgefrischt, das zweite oder auch dritte und mehrfache Besichtigungsjahr wird dazu gemalt.

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Das Peter Café Sport liegt in direkter Nachbarschaft zur Marina. Hier treffen sich nicht nur die Segler zu einem Drink und tauschen Segelerlebnisse aus. Auch Einheimische und Touristen wie wir sitzen im Café oder an den Tischen der Strandpromenade. Nachrichten für Freunde werden hinterlassen, Briefe entgegen genommen, die mangels Postzustellung auf dem Atlantik eben ins Café Sport geschickt werden. Im Zeitalter von Internet, Mail und SMS wird dieser Service zunehmend weniger in Anspruch genommen. Im Obergeschoss erwartet den Besucher das Scrimshaw-Museum. Auf Walfischzähnen sind Porträts von (Insel-) Schönheiten, Seefahrern, Segelbooten und Landschaften in filigraner Arbeit eingraviert.

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Wenige 100 m östlich liegt das Forte (oder Castello) de Santa Cruz, eine Festung aus dem 16. Jahrhundert, heute ein Hotel mit einem Restaurant. Wir bummeln noch ein Stück am Hafen entlang und wenden uns dann landeinwärts in die schmalen Gassen der Altstadt. Hier gibt es die Igreja de Sao Salvador zu betrachten. Ein kurzes Stück weiter, nahe dem Platz der Republik, liegt ein kleiner Wochenmarkt, von dem bereits der Uhrenturm zu sehen ist. Oberhalb des Turms liegt eine kleine Parkanlage mit uralten Drachenbäumen. Bei einer kurzen Rast genießen wir den Blick auf die Stadt und den Hafen.

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Noch zwei, drei weitere Kirchen und einige Kapellen liegen im Stadtgebiet. Wie bereits bei Ponta Delgada erwähnt, erwarten Sie hier keine überragenden Kunstwerke. Die eine oder andere Kleinigkeit sticht dennoch ins Auge. Ich hatte bereits erwähnt, dass Horta Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkriegs Zentrum des Telegraphieverkehrs zwischen Alter und Neuer Welt war. Nahe der Zufahrt zu unserer Hotelanlage liegt die ehemalige Siedlung der Deutsch-Atlantischen-Telegraphengesellschaft. Heute von einem portugiesischem Ministerium genutzt, schmücken Reichsadler, die Wappen einiger Städte und ehemaliger deutscher Königreiche immer noch die Fenster.

In den 1930er Jahren war Horta Station auf den Transatlantikflügen zwischen Europa und Nordamerika. Wasserflugzeuge landeten im Hafen der Stadt, um aufzutanken. Mit dem Bau von Landflughäfen und Nonstopflügen zwischen den Kontinenten endete die Ära der Wasserflugzeuge.

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Wir beenden unseren Rundgang und fahren mit dem Mietwagen auf den Monte da Guia, eine Halbinsel im Süden der Stadt. Direkt an den alten Hafenanlagen vorbei geht es auf einen kleinen Hügel hinauf, vorbei an einer kleinen Kapelle. Ganz nach oben gelangt man nicht, die Flugsicherung beansprucht den Gipfel für sich. Dennoch hat man bei klarer Sicht einen wunderschönen Ausblick auf die Nachbarinseln Pico im Osten und Sao Jorge im Nordosten. Der Blick über die Bucht von Porto Pim mit einem schönen Sandstrand auf die Stadt ist lohnenswert.

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Am Abend knurrt der Magen. Im Café Sport haben wir zwischendurch einen kleinen Imbiss genommen. Zum Abendessen lädt das Canto da Doca ein. Wir erreichen es nahe dem Hafen Richtung Strand Porto Pim. Die Spezialität sind Steaks vom heißen Lavastein. Je nach Geschmack brät jeder sein Stück Fleisch mehr oder weniger durch. Das Lokal ist sehr zu empfehlen, oftmals überfüllt. Also vorher reservieren oder etwas Wartezeit mitbringen.

Caldera – Vulkankrater im Inselinnern

Ein Ausflug zur Caldeira gehört mit zu den schönsten Zielen auf Faial. Wir könnten der Hauptstraße Richtung Flughafen folgen, um gleich hinter dem Hafen nach Flamengos abzubiegen. Wir entscheiden uns für die Strecke auf der Hauptstraße gen Norden. Kurz außerhalb des Stadtgebietes folgt eine scharfe Linkskurve und bald darauf liegt der Aussichtspunkt Miradouro Nossa Senhora da Conceicao mit einem riesigen Kreuz. Ein Halt wird mit fantastischen Ausblicken auf Horta, die Ostküste und ins Landesinnere belohnt.

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Wenig weiter gabelt sich die Straße, wir nehmen den linken Abzweig und wenig später rechts die Nebenstrecke durch Flamengos zur Caldeira. Mit vielen Kurven führt die recht gut ausgebaute Straße auf den Kraterrand in rund 1.000 m Höhe. Unsere Enttäuschung ist groß, als wir hier oben dichten Nebel vorfinden. Der Eingang zur Caldeira führt durch einen Felsdurchbruch, hinter diesem ist rein gar nichts zu erkennen. Noch größer wird die Enttäuschung der Busbesucher sein, die wenig später eintreffen. Ein Kreuzfahrtschiff hatte am Vorabend angelegt und läuft an diesem Abend wieder aus. Drei oder vier Busse fahren die Touristen hinauf und unverrichteter Dinge wieder hinunter. Wir fahren an diesem Tag ohne Ziel ein wenig auf der Insel herum und freuen uns, dass wir morgen oder übermorgen einen neuen Anlauf nehmen können.

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Beim zweiten Anlauf klappte es dann tatsächlich. Der beeindruckende Vulkankegel mit einem Durchmesser von bis zu 2 km zeigt sich in voller Schönheit. Steil abfallende Wände führen zum Boden, auf dem in rund 600 m Höhe ein Tümpel liegt. Vor dem Ausbruch des Capelinhos schimmerte hier wohl ein blauer See.

Ein Abstieg zum Kraterboden ist nur mit einem Führer gestattet. Auskunft erhalten Sie in Flamengos im botanischen Garten. Die Umrundung der Caldeira ist in knapp drei Stunden möglich, sollte aber nur bei klarem Wetter unternommen werden. Der Einstieg zum Rundwanderweg beginnt am Parkplatz neben dem Felsdurchbruch. Wir haben uns diese Wanderung für heute vorgenommen, von Osten aufziehende dunkle Wolken lassen uns nach weniger als einer halben Stunde unser Vorhaben wieder abbrechen.

Capelinhos – Lavawüste im Westen

Einen ganzen Tag nehmen wir uns Zeit für die Region ganz im Westen der Insel. Vor der Küste im Ozean spuckte hier der Vulkan Capelinhos vom September 1957 bis Oktober 1958 Millionen Tonnen von Asche und Lava aus. Der Westen der Insel wurde evakuiert, viele Familien verloren ihre Häuser und Felder. Auch Tote gab es zu beklagen. Viele der Heimatlosen emigrierten in die USA. Eine Insel, die vor der Küste entstand, verband sich im weiteren Verlauf der Ausbrüche mit Faial und bildet seitdem das „neue“ Faial.

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Der südlichen Küstenstraße folgen wir bis Capelo und zweigen hier links auf eine Nebenstrecke nach Ponta dos Capelinhos ab. Der Leuchtturm, vor dem Vulkanausbruch unmittelbar an der Küste gelegen, liegt nun einige hundert Meter landeinwärts.

2008 wurde ein unterirdisches Informationszentrum zum Vulkanismus im Allgemeinen, der Entstehung der Azoreninseln und natürlich zum Ausbruch des Capelinhos eröffnet. In Verbindung mit dem Besuch lässt sich auch der alte Leuchtturm besteigen. Die Landschaft ist wahrlich trist und öde. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir jedoch hier und dort kleine zarte Pflänzchen, die Natur erobert sich langsam die Einöde zurück.

Küstenumrundung Faial – an einem Tag um die Insel

Wenngleich die Inselumrundung bei 80 km Küstenlänge wie ein Spaziergang erscheint - diverse Aussichtspunkte, viele kleine Ortschaften und hier und dort ein Esel oder Rindvieh auf der Strecke brauchen ihre Zeit. Wir verlassen Horta in nördliche Richtung und passieren wiederum den Aussichtspunkt Miradouro Nossa Senhora da Conceicao. An der folgenden Gabelung halten wir uns heute rechts und biegen kurz darauf wieder rechts nach Praia do Almoxarife ab. Am Ozean liegt ein herrlicher Strand, zwei kleine Cafés / Restaurants sind zu dieser frühen Tageszeit noch geschlossen.

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Die folgenden Ortschaften Pedro Miguel und Ribeirinha wurden nach einem Erdbeben 1998 weitgehend zerstört, viele Wohngebäude neu errichtet und manche Ruinen stehen noch am Straßenrand. Der alte Hafen an der Ponta da Ribeirinha ist sehenswert, die Zufahrt etwas abenteuerlich. Auch die folgenden Orte Salao und Cedros sind unscheinbar, der Hafen Porto do Salao ist idyllisch, die Zufahrt auf einer engen und steilen Straße nichts für ängstliche Autofahrer.

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Bei Ribeira Funda haben wir von einem Miradouro neben einem Café schöne Ausblicke auf den Atlantik und ins Landesinnere. Kurz danach lädt der Aussichtspunkt Baia da Ribeira das Cabras zu einem Stopp ein. In Praia do Norte führt ein Weg zum Porto da Faja. Ein herrlicher Lavastrand erwartet uns hier.

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Wenn Sie die Lavawüste von Capelinhos noch nicht besucht haben - über Norte Pequeno, rechts von der Hauptstraße abzweigend und zunächst durch eine grüne Landschaft führend, erreichen Sie den Westzipfel der Insel mit Capelinhos. Wir folgen heute der Hauptstraße und vor der nächstgrößeren Ansiedlung Castelo Branco dem Hinweisschild Morro de Castelo Branco. Im Meer erhebt sich hier ein eindrucksvoller Felsen.

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An einem Feldrand parken wir unser Auto und laufen etwa 15 Minuten auf nahezu ebener Strecke zum Morro. Einige Vögel gibt es zu beobachten. Die Ozeanwellen schlagen an den Fuß des Felsens. Ein Weg auf den Felsen ist nicht ausgeschildert und auch in keinem Reiseführer beschrieben. In Castelo Branco sehen wir diese in Neonfarben leuchtende Kapelle. Die naheliegende Kirche ist nach dem letzten Erdbeben von 1998 baufällig. Außer dem nahe gelegenen Flughafen bietet der Ort nicht viel Sehenswertes.

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Bei Feteira soll es an der Küste Höhlen geben, die aber wohl nur mit dem Boot zu erkunden sind. Wir haben sie nicht gesehen. Dafür gibt es bei Pasteleiro, wenige Kilometer bevor wir wieder Horta erreichen, interessante Küstenformationen. Die Wellen schlagen hier häufig meterhoch an die Lavaküste. Ein imposantes Schauspiel, bei dem man auch schon mal nasse Füsse bekommen kann.

Weitere Routen und Ausflug nach Madalena

Die beiden Straßen durchs Landesinnere - auf dem Weg von Horta zur Caldeira hinter Flamengos westlich nach Ribeira do Cabo bzw. einige Kilometer weiter in nord- / nordwestlicher Richtung nach Ribeira Funda abzweigend - sind keine Routen, die man unbedingt gesehen haben muss. Dennoch findet sich auch hier fernab jeder Zivilisation manch schöne Pflanze oder ein Baum mit seltsamem Wuchs. Eines ist so gut wie sicher: Bis auf den einen oder anderen Traktor oder Pickup haben Sie diese zumeist nur geschotterten Wege ganz für sich allein. Wenn Nebel aufzieht, sind gute Nerven erforderlich. Die Bauern schalten das Licht an ihrem Fahrzeug selten ein. Lediglich im Schritttempo kommt man dann voran.

Von Horta aus verkehren Boote mehrmals täglich zur Ortschaft Madalena auf der Nachbarinsel Pico und zurück. Wenn es der Aufenthalt auf Faial erlaubt und Pico nicht für einige Tage auf dem Urlaubsprogramm steht, ist ein Tagesausflug auf die Nachbarinsel zu empfehlen. Haben Sie sowohl Faial wie Pico als Stationen geplant, ist die Fährüberfahrt - egal in welcher Richtung - deutlich günstiger als das Flugzeug, zumal es keinen Direktflug zwischen diesen Inseln gibt.

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