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Allgemeine Informationen über die Azoren

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Lernen Sie mit mir sieben der neun bewohnten Azoreninseln kennen. Bevor wir die einzelnen Inseln bereisen, will ich Ihnen einen allgemeinen Überblick geben.

Die Landessprache ist portugiesisch, wobei sich im Laufe der Jahrhunderte auch unter dem Einfluss von Zuwanderern anderer Nationalität ein eigener Dialekt ausgebildet hat. Dieser unterscheidet sich teilweise sogar zwischen den einzelnen Inseln. Viele Inselbewohner, insbesondere jüngere Leute, sprechen englisch. In Hotels und Restaurants in größeren Städten sollten Sie mit englisch keine Probleme haben. Auf Flores habe ich einige ältere Bewohner getroffen, die recht gute Französischkenntnisse haben. Mit der Heimatsprache deutsch kommen Sie in der Regel nicht sehr weit, obwohl es hier und dort deutschsprachige Betreiber von Unterkünften gibt und auch manche deutsche Rentner ihren Lebensabend dort verbringen.

Ein paar Worte in der Landessprache wie zur Begrüßung „Bom dia“ bis zum Mittag, „Boa tarde“ am Nachmittag und „Boa noite“ ab Sonnenuntergang werden wohlwollend zur Kenntnis genommen und erleichtern die Konversation. Ein Danke „obrigado“ (sagt der Mann) bzw. „obrigada“ (sagt die Frau) für eine Auskunft oder nach dem Servieren von Speisen/Getränken wird immer freundlich aufgenommen.

Politik und Wirtschaft der Azoren

Die Azoren gehören wie Madeira zu Portugal und sind damit Teil der EU, Zahlungsmittel ist der Euro. Seit 1976 bilden die Inseln eine autonome Region mit eigener Regierung.

Im 20. Jahrhundert lebte die Mehrzahl der Azoreaner jahrzehntelang in bescheidenen, ja ärmlichen Verhältnissen. Für das Mutterland Portugal waren die Inseln kaum von Nutzen. Fischfang und Landwirtschaft ernährten die Bewohner mehr schlecht als recht. So wanderten zwischen 1960 und 1990 etwa 25% der Bevölkerung aus, überwiegend nach Amerika.

Mittlerweile werden jährlich Millionen von Euro in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt, nicht zuletzt mit Hilfe der EU. Der Flughafen von Terceira wurde zu einer internationalen Drehscheibe ausgebaut, neue Straßen entstehen, der Strand von Santa Barbara angelegt… Durch die neu entstandenen Arbeitsplätze ist die Bevölkerungsbilanz insgesamt wieder positiv, allerdings nicht auf allen Inseln.

Neben dem Dienstleistungssektor sind Fischerei und Landwirtschaft nach wie vor die Haupterwerbszweige. Der Tourismus wird stark propagiert. Bis heute sind es aber eher Auswanderer, die zurückgebliebene Verwandte besuchen und Festlandportugiesen, die ihrer „Kolonie“ einen Besuch abstatten. Nennenswerte Industrieansiedlungen werden aufgrund der abgeschiedenen Lage auch zukünftig nicht zu erwarten sein. Ob die Geothermie, nach anfänglichen Problemen inzwischen offenbar erfolgreich als Energiequelle, sich in andere Länder exportieren lässt, muss sich noch zeigen.

Lage und Gliederung der Azoren

Der aus neun bewohnten Inseln bestehende Archipel liegt im Atlantik rund 1.500 km westlich vom europäischen Festland, weitere rund 3.600 km liegt der amerikanische Kontinent.

Azoren

Geografisch werden unterschieden die Ostgruppe (Sao Miguel, Santa Maria), die Zentralgruppe (Faial, Graciosa, Pico, Sao Jorge, Terceira) und die Westgruppe (Flores, Corvo). Die Entfernung zwischen Ost- und Westgruppe beträgt etwa 600 km.

Die Inseln sind mit einer Gesamtfläche von wenig über 2.300 km² nicht einmal so groß wie das Saarland (rund 2.570 km², neben den Stadtstaaten das kleinste deutsche Bundesland). Sao Miguel, die größte der Azoreninseln, umfasst eine kleinere Fläche als die Bundeshauptstadt Berlin.

Geschichte der Azoren

Die Inseln vulkanischen Ursprungs entstanden in unterschiedlichen Epochen. So sind Santa Maria und Teile von Sao Miguel bereits mehrere Millionen Jahre alt. Pico und Sao Jorge sind mit ihrer Entstehung vor etwa 250.000 bzw. 550.000 Jahren deutlich jünger. Seit der Besiedlung der Inseln ereigneten sich immer wieder Vulkanausbrüche. Von der letzten großen Eruption des Capelinhos 1957 lesen Sie mehr im Kapitel Faial. Auch heute gibt es gelegentlich Beben, die manche Lebewesen offenbar bereits Stunden und Tage vorausahnen. Die Erdstöße führen zurück auf die Kontinentalverschiebung der europäischen/afrikanischen und der amerikanischen Festplatte. Auf den Inseln selbst sind keine aktiven Vulkane bekannt, im Ozean zwischen den Inseln brodelt es jedoch hier und dort.

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Die Entdeckung der Azoren erfolgte um 1430 mit Santa Maria, obwohl bereits weit ältere Seekarten Inseln darstellen, die mit der Lage der Azoren übereinstimmen könnten. Die weiteren Inseln wurden sukzessive bis Ende des 15. Jahrhunderts entdeckt und besiedelt. Auf den fruchtbaren Böden wurden Getreide, Zuckerrohr und Färbepflanzen angebaut und exportiert. Durch die Lage an den Seehandelsrouten zwischen Europa, Amerika und Afrika profitierten vor allem die Großgrundbesitzer.

Ende des 16. Jahrhunderts fiel Portugal unter spanische Herrschaft, und erst Mitte des 17. Jahrhunderts erlangte Portugal und damit die Azoren die Unabhängigkeit zurück. Eine weitere Blütezeit wurde durch den Orangenanbau Mitte des 18. Jahrhunderts für rund 100 Jahre erreicht; die breite Bevölkerung profitierte auch hiervon wenig. Die Plantagen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Läuse und Pilzbefall vernichtet.

Eine besondere Rolle spielte Faial mit dem Aufkommen des Telegraphieverkehrs Ende des 19. Jahrhunderts. Verschiedene Telegraphengesellschaften hatten hier ihren Sitz und die Inselhauptstadt Horta war Zentralknoten diverser Unterwasserkabel. Nach dem 2. Weltkrieg machten neue Techniken die Telegraphie überflüssig, zumal während des Krieges diverse Verbindungen zerstört wurden.

Der Walfang spielte ab ca. 1830 eine Rolle, azoreanische Fischer heuerten auf amerikanischen Walfangschiffen an und „erlernten“ die Kunst des Walfangs. Die ersten azoreanischen Walfangschiffe begannen um 1876 ihre Jagd auf die Meerestiere. Aussichtspunkte, „Vigias de baleia“, zum Aufspüren der Tiere sind teilweise noch heute existent und werden genutzt, um den heutigen Whalewatchern den Weg zu Walen und Delphinen zu weisen. Das offizielle Ende des Walfangs auf den Azoren war 1983. Einige ehemalige Walfischfabriken sind heute als Museum, wie auf Flores, zu besichtigen.

Flora und Fauna auf den Azoren

Gefährliche Wildtiere sind auf den Azoren unbekannt. Insekten, Kriechtiere (keine Schlangen) und Vögel bevölkern die Inseln wohl schon seit Urzeiten. Ob Hund, Katze oder Rind, diese wurden allesamt erst mit der Besiedlung der Inseln eingeführt. Anders die Artenvielfalt des Ozeans. Unzählige Fischarten tummeln sich in den Gewässern um die Inseln. Insbesondere Delphine und Wale gehören zu den Attraktionen der Whale-Watchingtours, die auf mehreren Inseln angeboten werden.

Azoren Azoren

Die Pflanzenvielfalt der Azoren kann ich kaum beschreiben. Viele Samen wurden wohl von Zugvögeln im Laufe von Jahrhunderten oder Jahrtausenden „eingeschleppt“, andere Pflanzen von den Siedlern mitgebracht und angepflanzt. Die ursprünglich dichte Bewaldung der Inseln ist längst vielfach abgeholzt, um Platz für Siedlungen, Äcker und Wiesen zu schaffen. Hortensien begrenzen häufig die Weiden und blühen in den Sommermonaten weiß, blau und lila.

Blumen, die man in Deutschland teuer einkauft wie die Amaryllis, wachsen hier wild an manchem Straßenrand und auf Grillplätzen.

Essen und Trinken auf den Azoren

Es verwundert nicht, dass auf den Inseln Fisch auf jeder Speisekarte zu finden ist. Fleischgerichte von Rind, Schwein oder Hühnchen werden aber genauso angeboten. Reis oder Kartoffeln werden dazu gereicht. Gemüse findet man eher selten, ein Salat wird (meistens) extra berechnet.

Azoren

Eine „Gelddruckmaschine“ ist das Couvert. Brot oder Brötchen werden (unaufgefordert) mit Butter, zusätzlich manchmal Käse, Oliven oder Thunfischpastete, serviert vor dem Hauptgang. Zwei, drei Euro stehen dann zusätzlich auf der Rechnung. Wenn Sie diese „Vorspeise“ nicht wünschen, lassen Sie sie gleich wieder abtragen. In manchen „Restaurants“ waren Brötchen mit Butter und Käse schmackhafter als das Hauptgericht.

Azoren

Obwohl es natürlich gute Speiselokale gibt, ist das Essen auf den Azoren eher einfach, die Portionen sind aber überwiegend mehr als ausreichend. Auf das Frühstück wird weniger Wert gelegt. So sollten Sie in den Unterkünften insbesondere kleinerer Orte häufig nicht mehr als eine Sorte Wurst und Käse, etwas Marmelade und evtl. Honig zu Brötchen, Brot und Toast erwarten. Restaurants haben zur Mittagszeit üblicherweise von 12 bis 15 Uhr, abends selten vor 19 Uhr geöffnet. Vielerorts findet man Snackbars oder Imbisse, in denen zumindest Kleinigkeiten den ganzen Tag angeboten werden.

In kleineren Orten ist es mir schon passiert, dass ein Restaurant einfach geschlossen blieb – obwohl kein Ruhetag vorgesehen war. Der Wirt / die Wirtin hat es nicht unbedingt nötig, versuchten mir Freunde zu erklären. Auch sie wussten, dass auf Dauer so ein Geschäft nicht laufen kann. Trotzdem sollten Sie damit rechnen, dass Sie unverhofft vor verschlossenen Türen stehen.

Auch Coke wird auf den Azoren verkauft. Natürlich gibt es Kaffee und Tee, Mineralwasser und Fruchtsäfte. Bier und Wein werden vom Festland importiert, aber auch auf den Inseln selbst produziert. Sehr empfehlenswert sind Weine von der Insel Pico, die wegen der geringen Erträge kaum ins Ausland exportiert werden und hier nahezu unbekannt sind, aber ausgezeichnet schmecken.

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