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Museen in Madrid

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"El Prado? Ja, den möchte ich noch einmal besuchen", meint mein englischsprachiger Besuch Karen. "Ich war ja letztes Jahr schon einmal eine Woche in Madrid, davon habe ich vier Tage in diesem wundervollen Museum verbracht", fügt sie hinzu. Ich bin perplex. Ich konnte mich erst in meinem fünften Monat in Madrid dazu aufraffen, dieses berühmte Museum zu besuchen; für andere ist der Prado eine der Hauptattraktionen Madrids. Zahlreiche Künstler und Kunstinteressierte schwärmen allein wegen der Museen in die spanische Hauptstadt, von denen tatsächlich eine Vielzahl höchst empfehlenswert ist.

Unverkennbar: Der gläserne Aufzug des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía Ein Eingang des Museums El Prado, im Vordergrund ist ein Denkmal von Velázquez zu sehen Die Plaza vor dem Palacio Real

So sticht besonders das "Kunstdreieck" mit den Kunstmuseen El Prado, Museo de Arte Reina Sofía und dem Museo Thyssen-Bornemisza hervor. Aber auch für weniger Kunstbegeisterte bietet Madrid eine interessante Auswahl gängiger und kurioser Thematiken.

Sei es nur zum kurzen Schnuppern oder zum intensiven Eintauchen in die Materie - um etwas von Madrid mitzunehmen, gehört ein Museumsbesuch dazu.

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía

Ausgangspunkt oder Ziel des Spaziergangs Paseo del Prado ist das im Stadtviertel Huertas gelegene Museum Centro de Arte Reina Sofía. Von der Metrostation Atocha (L1) begibt man sich in die Calle Santa Isabel und erkennt sofort die außergewöhnliche Fassade des Museums für zeitgenössische Malerei und Kunst: Vor dem großen, unauffälligen Betongebäude sind Aufzüge in einem Glaskomplex zu sehen.

Das ehemalige Krankenhaus hat vier Etagen; im Erdgeschoss befinden sich ein kleiner Laden und ein Café zur Stärkung. Viel anziehender ist jedoch die zweite Etage; in ihr ist die Dauerausstellung des Museums untergebracht. Eine der Hauptattraktionen des "Reina Sofias" ist hier ausgestellt: Das 8m x 3,50m große Bild "Guernica", das von Picasso stammt. Den Menschenmassen folgend, findet man problemlos zum Saal, der allein der "Guernica" gewidmet ist; Wer sich vorher kurz mit der Geschichte des Bildes befasst, wird wahrscheinlich eher den Sinn des abstrakten Kunstwerkes entziffern können, als Besucher, die unter Kunst schöne Landschaftsmalereien verstehen.

Die Kunststatue und der gläserne Aufzug des Museums Der Platz beim Kunstmuseum Centro de Arte Reina Sofía Der Gebäudekomplex des Reina Sofía

Im Jahre 1937 entstanden, wurde die "Guernica" nach der gleichnamigen baskischen Stadt benannt, die zu jener Zeit von deutschen Bomben zerstört wurde. Leid, Tod und Angst wollte Picasso damit darstellen und damit seinen Protest zu Ausdruck bringen. Die Farbmischung aus Schwarz, Weiß und Grau verstärken die unheimliche Stimmung, die deutlich erkennbar ist, aber aufgrund der Abstraktheit auch eine gewisse Distanz erzeugt.

Erst seit 1992 steht die "Guernica" im Museum; vorher war sie im Museum of Modern Art in New York City zu sehen. Grund dafür war Picassos Forderung, die "Guernica" erst in Spanien zu überführen, wenn es wieder eine demokratische Regierungsform gäbe. In den anderen Stockwerken sind Kunstwerke zur Grafik, Fotografie, ein Dokumentationszentrum und Wanderausstellungen zu finden.

Tipp: Das Reina Sofia bietet eintrittsfreie Tage; genauere Infos erhält man in aktuellen Reisefuehrern oder in der Touristeninformation.

El Prado

Weltberühmt, umfangreich und außergewöhnlich - das sind die Attribute, die zum Museo del Prado passen. In der Nähe der Metrostation Banco de Espaņa zeigt ein Schild zum Paseo del Prado, auf dessen Weg man automatisch auf das Museum stößt.

Der "Prado" konzentriert sich hauptsächlich auf spanische Malerei aus dem 12. bis zum 19. Jahrhundert und durchläuft damit verschiedene Kunstepochen: Die Romantik, Gotik, Renaissance, der Barock, Rokoko, Klassizismus und etwas europäische Malerei sind die vorherrschenden Malstile.

Eine Kopie eines Gemäldes auf Leinen an der Außenwand des Prados

Der Prado beherbergt eine stattliche Sammlung von etwa 5000 Gemälden, die aus der Kollektion verschiedener Könige der Habsburger und Bourbonen aus dem 16., 17. und 18 Jahrhundert stammt. Sie soll eine der beindruckensten und umfangreichsten Gemäldesammlungen weltweit sein.

Unter der Leitung des Architekten Juan de Villanueva entstand das Gebäude des Prados im Rahmen des Projekts "Salón del Prado" (Salon der Wiese) im Jahr 1785. Ursprünglich sollte der neoklassische Prado als naturwissenschaftliches Museum dienen - im Jahre 1819 jedoch überzeugte er als Museum der königlichen Gemäldesammlung.

Tatsächlich ist das Erscheinungsbild des Prados außergewöhnlich. Er besteht aus einem Hauptgebäude mit dorischen Säulen und zwei weitläufigen Flügeln. Seit 2005 wurde auch der Kreuzgang der angrenzenden Kirche San Jerónimo hinzugenommen.

Goya Eine Ausstellung mit Fokus auf den Werken Goyas. Der Gemäldeausschnitt zeigt einen Teil des Werkes Erschießungen vom 3. Mai 1808 Das Gebäude des Prados Die Kirche San Jerónimo

Im Museum wird schnell klar: Zum "schnellen Durchrasen" sind die verschachtelten Räume absolut ungeeignet - zu groß ist die Gefahr, den Überblick zu verlieren, der selbst mit Lageplan schwierig ist. Man tut gut daran, sich vorher kurz Gedanken zu machen, wen und was man gerne sehen möchte, um so zielstrebiger vorzugehen (Dies gilt besonders für Kurzurlauber, die ihre wertvolle Zeit gut planen wollen).

Die verschachtelten Räume sind jedoch äußerst geschmackvoll und dezent gestaltet, was ein besonderes Ambiente zaubert und die Gemälde und einzeln vorhandene Skulpturen hervorragend zur Geltung bringt. Bei vielen Gemälden könnte man intensiv die Stilmittel, Malrichtung, Thematik analysieren, weil sie so faszinierend gemalt sind, dass man sie mehrfach interpretieren könnte. Das wohl berühmteste Beispiel dazu ist das Gemälde "Las Meninas" (Die Hoffräulein) von Diego de Velásquez (1599-1660), einem der berühmtesten Maler seiner Zeit. In "Las Meninas" zeigt Velásquez faszinierende Perspektiven verschiedener Personen. Er selbst ist im Bild zu sehen, Kammerdiener, eine Infantin und das Königspaar Felipe IV und María Anna, welches gerade den Raum betreten zu scheint. Interessant ist die Momentaufnahme, die sich in den Gesichtern der vorher anwesenden Personen widerspiegelt. Durch viele Kontraste und Schattierungen gelang es Velásquez, eine unvergleichbare Raumtiefe zu schaffen.

Weiterhin sind berühmte Maler wie El Greco (1541-1614), Goya (1746-1828), José de Ribera, Francisco de Zurbán, Hieronymus Bosch, Rubens, Tizian und Weitere zu finden. Beim Vergleichen einiger Gemälde fallen die verschiedenen Stilelemente und Thematiken auf: Manchmal sind die auf den Gemälden zu sehenden Personen sehr detailliert, manchmal mit harten Konturen, manchmal sehr üppig dargestellt. Dies ist auch im Ambiente zu sehen, das sich häufig auf biblische Motive, ländliche oder königliche Szenen konzentriert.

In einem kurzen Überblick liste ich ein paar besondere Werke auf, die auch im Plan des Prado enthalten sind (die Anordnung der Gemälde wechselt hin und wieder die Räumlichkeiten!): Wie schon erwähnt "Las Meninas" (Velásquez), "El Jardín de las Delicias" ("Garten der Lüste", Hieronymus Bosch), "Perro semihundido" ("Halbversunkener Hund"), die "Erschießungen vom 3. Mai 1808", "Die Familie Karls IV", "Die bekleidete Maja" sowie "Die nackte Maja" von Goya, "David, Sieger über Goliath" (Caravaggio), "Die drei Grazien" (Peter Paul Rubens) und "Die Kreuzigung" (El Greco) zählen zu den interessantesten Werken. Einige von ihnen stehen stellvertretend für das Leben in jeweils damaligen Epochen, für damalige Werte und für geschichtliche Ereignisse.

Tipp: Wie bei dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía bietet auch der Prado einen eintrittsfreien Tag die Woche; Allerdings stehen soviel Menschenmengen wartend vor dem Eingang, dass man sich die Zeit auf jeden Fall sparen sollte. Man tut viel besser dran, den Prado an einem anderen Tag zu besuchen. Wer keinen Eintritt zahlen möchte, der sollte das Museum ab 18 Uhr betreten. Ein bis zwei Stunden Aufenthalt reichen in der Regel aus - außer für extrem Kunstbegeisterte, wie mein Besuch Karen.

Museo Thyssen-Bornemisza

Das letzte der drei Museen des "Kunstdreiecks" Madrids ist das Museo Thyssen-Bornemisza und befindet sich auf dem Paseo del Prado. Das neoklassizistische Gebäude des Museum, der Palacio Villahermosa, wurde im frühen 19. Jahrhundert erbaut und immer wieder umgestaltet.

Der Name des Museums, der alles andere als spanisch klingt, hat seinen Ursprung im Bereich der Adelswelt: Der Baron Heinrich von Thyssen-Bornemisza begann mit der Sammlung von Gemälden ab 1920. Thyssen-Bornemisza starb 1947, woraufhin die Sammlung durch seinen Sohn Hans Heinrich erweitert wurde. 1993 wurde die Sammlung Eigentum Spaniens.

Die Fassade des Museums Thyssen-Bornemisza Die Fassade des Museums Thyssen-Bornemisza

Die Sammlung des Museums, die immerhin über 800 Werke beinhaltet, soll angeblich die zweitgrößte Privatsammlung weltweit sein. Sie konzentriert sich hauptsächlich auf Gemälde verschiedenster Kunstepochen, an denen sich auch die Organisation des Museo Thyssen-Bornemisza orientiert. So sind im zweiten Stock zum Beispiel Gemälde der Frührenaissance, Renaissance und des Barock untergebracht. Die Sammlung durchläuft auch die Epochen der Romantik, Realismus, Impressionismus und die Moderne. Die Ordnung der Werke nach Epochen bietet den Besuchern einen idealen Vergleich der verschiedenen Thematiken und Malstile. Trotz der Fülle der Ausstellungsstücke wirkt das Museo Thyssen-Bornemisza strukturierter und klarer als der Prado, der trotz Lageplan verwirren kann.

Ein schönes Flair schaffen die Palmen und anderen Pflanzen am Eingang des Museums. Übrigens hat man hier auch schöne Sitzgelegenheiten, um den Besuch nach Ende noch einmal zu reflektieren.

Museo de America

Ein Musem über Amerika in Madrid? Um Himmels Willen, nicht genug, dass amerikanische Bräuche in Europa Form annehmen, jetzt noch ein Museum, mag manch einer denken.

Das Museo de America

Das Museo de America zeigt jedoch nicht etwa die Entwicklung von Mc Donalds oder amerikanische Alltagskultur; Nein, der Besucher bekommt hier einen Einblick in die Kolonialgeschichte Nord- und Südamerikas und in die Kulturen, die dort gelebt hatten. Verschiedenste Riten und Gebräuche werden anschaulich dargestellt - im Gegensatz zu dem Kunstdreieck eignet sich das Museo de America hervorragend für Kinder, da das Museum eine abwechslungsreiche Ausstellung bietet.

Ausführlich erzählt wird die Eroberung der Gebiete durch Spanien; die brutale Ausrottung wird jedoch außen vorgelassen. Besonders Besucher, die Teile Südamerikas kennen, werden die interessanten Wurzeln der heutigen Lebensweise und den Einfluss der Spanier auf viele Gebiete Lateinamerikas wiedererkennen. Beeindruckend sind die Inka- und Kolumbusschätze. Zu finden ist das Museo de America in der Nähe der Metrostationen Moncloa (L6) oder Islas Filipinas (L7).

Palacio Real (Königspalast)

Der Königspalast Madrids ist einer der letzten Orte, an dem ich mich für mehr als eine Stunde entspannt fühle - zu groß sind die Dimensionen, zu übertrieben die Dekoration im Inneren, zu steif die Atmosphäre. Und trotzdem - zumindest ein kurzer Besuch des Palacio Real lohnt sich. In der Calle Bailén, in der Nähe der Metrostation Opera (L2, L5) gelegen, ist er leicht zu erreichen.

Der Palacio Real Der Innenhof

Wir starten unseren Rundgang im großzügig angelegten Innenhof. Beim näheren Betrachten des mächtigen Palastgebäudes fällt auf, dass es sich nicht etwa um spanischen Barock handelt, sondern dass der Stil vielmehr griechische und antike Bauelemente aufweist. Der Baustil wurde durch den italienischen Architekten Sacchetti geprägt, der bei der Entstehung im Jahre 1764 beteiligt war.

Unser Weg führt uns zur königlichen Waffenkammer, die Waffen sowie zahlreiche Rüstungen für Ritter, Knappen, Kinder und Pferde zeigt; Erstaunlicherweise sind viele Ausstellungsstücke sehr gut erhalten. In der Nähe des Ausgangs der Waffenkammer hat man eine herrliche Aussicht auf den Westen Madrids und eine gigantische Gründfläche - Bäume soweit das Auge reicht.

Säulen, hohe Fenster, symmetrische Anordnungen: Ein typisch italienischer Baustil Aussicht vom Ausgang der königlichen Waffenkammer

Vor dem Betreten des Palastes selbst werfen wir noch einen Blick in die königliche Apotheke, die unter anderem ein Labor beinhaltet und zeigt, wie Medikamente aufbewahrt und hergestellt wurden.

Das Innere des Palasts empfängt seine Besucher mit einer majestätischen Haupttreppe. Etwa 2000 Säle soll der mächtige Palacio Real beherbergen, von denen die Öffentlichkeit einen geringen Teil besuchen kann. Dieser geringe Teil jedoch reicht aus, um das Besichtigungsbedürfnis zu stillen. Trotz der teils unterschiedlichen Gestaltungsstile gleichen sich viele Räume. Charakteristisch sind die oft vorhandenen Kronleuchter, da nur selten natürliches Licht in die Säle fällt. In einigen Sälen sind viele Gemälde von Goya, Velázquez, Rubens und weiteren Malern zu sehen - es wird deutlich, dass diese Künstler ein sehr hohes Ansehen genasen; auch heute zählen sie in Kunstschulen immer noch zur obersten Klasse.

Säulen, hohe Fenster, symmetrische Anordnungen: Ein typisch italienischer Baustil Säulen, hohe Fenster, symmetrische Anordnungen: Ein typisch italienischer Baustil Aussicht vom Ausgang der königlichen Waffenkammer

Einige Räume wie der Salón de Columnas (Säulensaal) werden heute noch für Feste und besondere Veranstaltungen genutzt. Interessant sind das Deckengemälde "El naciemiento del Sol y del triunfo de Baco" (Die Geburt der Sonne und des Triumphes von Baco), die Kronleuchter und die Gestaltung der Vorhänge, die an einer Stelle eine Tür ohne Durchgang zeigen. Absicht war es, die Symmetrie des dahinterliegenden Sala de Alaboarderos zu bewahren.

Der Comedor de Gala (Speisesaal) zeigt eine riesige Tafel, die bei Staatsbesuchen Gebrauch findet. Der Speisesaal weist jene Elemente auf, die für Säle seiner Art typisch waren: Überdimensionen, großzügige Bögen und Goldgestaltung sowie riesige Wandteppiche. Unwillkürlich stellt sich der Besucher die Frage, wie viele Gäste dort wohl speisen müssen, damit eine angenehme Atmosphäre entsteht.

Kurioserweise besitzt der Palacio Real sogar einen Kinosaal, der einen komplett anderen Stil als die vorherigen Räume zeigt: Helligkeit, Parkett und eine italienische Gestaltung dominieren, was den Saal schlicht aber überaus stilvoll wirken lässt. Im Sala de plata (Saal des Silbers) sind verschiedene Kristalle, Porzellan und Geschirrstücke aus der damaligen Zeit ausgestellt. Beim Betrachten der Stücke sticht die kunstvolle Gestaltung ins Auge.

Beim Verlassen des Sala de plata befinden wir uns auf einem von Licht umgebenen Gang. Obwohl der Saal des Silbers keineswegs düster war, wirkt der Gang kontrastreich. Hinter den hellen Vorhängen hat man eine Aussicht auf den Innenhof mit vielen Bögen, der schönen Veranda und Bogenfenstern. Den Abschluss bilden der Billiardraum und der Chinaraum - ein kleiner Raum mit hoher Wanddecke und sehr interessanter Wandgestaltung.

Real Academia de Bellas Artes de San Fernando

Trotz der zentralen Lage in der Calle Alcalá bei der Metro Sol (L1, L2, L3) etwas unbekannt, aber äußerst sehenswert ist die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando. Wie der Name schon sagt, handelt es sich wie bei den Museen des "Kunstdreiecks" um eine Ausstellung von Kunstwerken. Im Unterschied zum Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, El Prado und dem Museo Thyssen-Bornemisza jedoch ist die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando eindeutig überschaubarer und konzentrierter. Der Gründer dieser Einrichtung war Fernando VI. Der Zweck dabei war, im Sinne einer Akademie Künstler und Architekten zu fördern, die unter anderem auch am Bau des Palacio Real beteiligt waren.

Stilvolle Gestaltung der Eingangshalle und des Treppenhauses Ausstellungsräume der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando Ausstellungsräume der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando Neben Gemälden sind auch viele Skulpturen ausgestellt

So sind zahlreiche Gemälde und Skulpturen zu sehen, deren Künstler in Madrid, jedoch weniger in anderen Gegenden bekannt waren. Daneben sind jedoch auch berühmte Künstler vertreten, wie Goya, Velásquez, Rubens oder Mengs. Letzter wurde 1761 zum königlichen Hofmaler ernannt, was die Auszeichnung schlechthin war. Von Goya besonders interessant zu sehen sind "Los caprichos", "Das Inquisitionstribunal" und "Das Irrenhaus", mit dem er seinem Drang folgte, die Verrücktheit abzubilden.

Stilvolle Gestaltung der Eingangshalle und des Treppenhauses Neben Gemälden sind auch viele Skulpturen ausgestellt Berühmt: Der Ángel Caido, der auch im Retiro zu sehen ist

Die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando ist geschmackvoll gestaltet; die unterschiedlich farbigen Räume in Rot, Gelb, Grün und Blau setzen stilistische Akzente. Der Baustil mit seinen zahlreichen Bögen und anderen Gestaltungselementen unterstreicht diese Wirkung. Ursprünglich besaß die Akademie eine barocke Fassade, die jedoch bald vom Kunstverständnis der Akademie abwich und durch eine neue Fassade im Stil des Neoklassizismus ersetzt wurde.

Descalzas Reales (Kloster der königlichen Barfüsserinnen)

"Waren die 33 Nonnen des Monasterio de Descalzas Reales wirklich ohne Socken anzutreffen?" frage ich die Leiterin der Führung im (Kloster der königlichen Barfüßerinnen). "Fast", antwortet die Seņora. "Sie trugen lediglich Sandalen, aber nie Strümpfe, was im Winter natürlich sehr kalt war. Allerdings war das Klosterleben allgemein kein Zuckerschlecken", ergänzt sie und spielt damit auf das sehr frühe Aufstehen zum Gebet, was so manch einen viel Überwindung kosten würde.

Die Fassade des Klosters Descalzas Reales

Im Unterschied zu anderen Klöstern scheint dieses Monasterio in der Nähe der Metrostation Gran Vía (L1, L5) jedoch ein äußerst luxuriöses Kloster zu sein; in höchstwahrscheinlich keinem anderen Kloster werden soviel Kunstwerke und Gemälde zu finden sein, wie in diesem. Möglicherweise rührt das daher, dass das Monasterio in einem ehemaligen Palast untergebracht ist.

Begonnen hat das Klosterleben um 1560, nach der Gründung durch Juana de Austria, deren Vater Carlos V war. Ihre ernsten, fast düsteren Blicke in den Gemälden werden durch die dunkle Kleidung unterstrichen und sind fast überall im Kloster präsent. Früher wurden viele kirchliche Feste wie etwa Taufen oder Hochzeiten gefeiert; Gleichzeitig diente das Kloster zur Unterbringung vieler Königsbesuche.

Die Kunstwerke im Kloster sind zum Teil sehr unterschiedlich. Manche wirken ganz und gar nicht authentisch, was aber vermutlich zu der Zeit ein beliebter Malstil war. Häufig zu sehen sind die Abbildungen der Königsfamilien im gleichen düsteren Stil, wie Juana de Austria immer zu sehen ist. Das unglaublichste Bild ist dabei das Gemälde eines Kleinkindes, das noch nicht einmal volle Haare auf dem Kopf hat, aber bereits in königlicher Kleidung steckt. In scheinbar personenunabhängigen Gemälden des Barock tritt eine Gewohnheit hervor, die höchstens fundiert informierte Kunstkenner kennen: Zu der Zeit wurden reale Personen häufig in religiösen Gemälden abgebildet, wie etwa Felipe IV oder Isabel Clara Eugenia.

Überhaupt sind im Kloster auch häufig Bilder zu sehen, die Metaphern darstellen. Ein besonders interessantes Werk, dessen Künstler unbekannt war, bleibt mir im Gedächtnis haften: Der Tag des jüngsten Gerichts. Zu sehen ist das Meer voller Haie und Ungeheuer sowie ein Boot mit Teufeln und Menschen. Von diesem Boot ab fahren kleinere Boote ab zu einem großen Schiff, das die Passagiere zu einer lichterfüllten Bucht bringt. Am Ufer dieser künstlich wirkenden Bucht warten Jesus und andere, um die Ankömmlinge auf die lange Rolletreppe zu begleiten, die ins Himmelreich führt.

Tipp: Im Sommer werden etwa fünf Gruppen á 20 Leute eingelassen. Wer an einem eintrittsfreien Tag fünf Minuten vor Öffnung kommt, wartet jedoch mit Sicherheit schon als 130. Person. Entweder man begibt sich etwa eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit ans Kloster oder man wählt einen anderen Tag zur Besichtigung.

Monasterio de la Encarnación

Ein bisschen im Schatten des Monasterio de Descalzas Reales stehend, aber genauso schön und sehenswert ist das Monasterio de la Encarnación ("Kloster der Fleischwerdung) zwischen den Metrostationen Opera (L2, L5) und Gran Vía (L1, L5).

Das Monasterio de la Encarnación ist ein barockes Kloster, das im Jahre 1611 gegründet wurde. Berühmt ist es für seinen Reliquiensaal, der dem Märtyrer San Pantaleón gewidmet ist: Im Saal werden seine Knochen, Schädel und eine Ampulle mit seinem Blut aufbewahrt. Bei letzterem hat sich ein Ritual in der Kirche entwickelt, das jährlich zwischen dem 26.07. und 27.07. im Fernsehen übertragen wird: Die Verflüssigung des dicken Blutes.

Die Kirche des Konvents

Im Kloster werden Führungen in spanischer Sprache abgehalten; ein eigenständiger Besuch ist auch hier nicht gestattet. Ein Teil des Klosters wirkt bescheiden und wie man sich ein Kloster vorstellt: Weiße, schlichte Wände mit Holzverkleidung, ein paar Kreuze und einfache Dekoration. Etwas kurios mag jedoch der Salón de reyes erscheinen, der Saal der Könige. Seinen Namen trägt er zu Ehren der Könige, die auf Gemälden abgebildet sind, wie etwa Felipe III und seine Kinder. Die ernsten Blicke, umständliche Kleidungen (auch für die Kinder!) und die dunklen Farben mögen auf manch einen deprimierend wirken.

Wie anders dagegen der Rundgang im Erdgeschoss, der mit den Bögen, faszinierenden Bogengemälden und mit der Farbgestaltung aus weiß-dunkelblau wirkt zwar kühl aber trotzdem sehr angenehm, besonders an heißen Tagen. Es sind viele Gemälde zu sehen, die dem Leben von Maria und Jesus gewidmet sind. Interessanterweise sieht man auch Bildnisse von Marias Geburt und Wachstum, was man sonst sehr selten zu Gesicht bekommt.

Die benachbarte Kirche ist durch Eleganz und Symmetrie in Säulen, Altären und Beichtstühlen gekennzeichnet. Die Goldverzierung ist wunderschön auf die hellen Farben Weiß und Himmelblau abgestimmt, was der Kirche eine frische und wunderschöne Nuance verleiht.

Sonstige Museen in Madrid

In der Nähe der Metrostation Colón befindet sich die Biblioteca Nacional, deren Gebäude nicht nur eine der wertvollsten Bibliotheken Europas, sondern auch das Museo Arqueológico Nacional (Archäologisches Nationalmuseum) beinhaltet. Das Museum zeigt wurde 1867 von Isabel II gegründet und zeigt beachtenswerte Ausstellungsstücke aus der Vorgeschichte bis hin zur Epoche des 19. Jahrhunderts. Die Vielfalt der Fundstücke (iberische Kultur, römische Kunst, gotische und westgotische Kunst, islamische Kunst, religiöse Kunst sowie Stücke aus der Renaissance) gibt einen tiefen Eindruck in die Kulturgeschichte Spaniens.

Sogar die Protagonisten der Das Museo Arqueológico Nacional Schwarze Löcher, Schwerkraft, Strahlintensität der Sterne - all das findet man im Planetario

Ähnlich wie das Museo Thyssen-Bornemisza zeigt das Museo Cerralbo eine ehemalige Privatsammlung des Privatgelehrten Enrique de Aguilera y Gamboa Marquis Cerralbo. Er sammelte jedoch nicht nur Gemälde, unter denen sich großartige Werke wie etwa El Greco, Zurbarán oder Ribera befinden. Auch archäologische Fundstücke, Porzellan der königlichen Familie und besondere Möbelstücke aus mehreren Epochen gehörten zu seiner Leidenschaft. Zu finden ist das Museum bei den Metrostationen Plaza de Espaņa (L6, L10) oder Ventura Rodríguez (L3).

Wer die Spuren berühmter Spanier verfolgen und mehr über sie und ihr Leben erfahren möchte, der sollte den Museen Panteón de Goya, Museo de Sorolla oder in das Casa-Museo Lope de Vega begeben. Das Panteón de Goya ist die Ruhestätte des großen Malers und befindet sich bei der Metro Príncipe Pío (L10). Der venezianische Maler Sorolla war zwar lange nicht so bekannt wie Goya; sein Wohnhaus bei der Metro Ruben Darío (L5) bietet jedoch interessante Einblicke in seine Räumlichkeiten und Werke. Lope de Vega hingegen war kein Maler, sondern widmete sich der Dichtkunst und Dramatik. Seine Gedenkstätte befindet sich bei der Metro Antón Martín (L1) und damit im Viertel Huertas, wo viele seinesgleichen hausten.

Wer weniger Wert auf Kunst legt, sondern sich vielmehr für anschauliche oder kuriose Dinge interessiert, dem seien Museen wie das Planetarium (Metro Méndez-Alvaro L6), das Kutschenmuseum (Metro Opera L2, L5), das naturwissenschaftliche Museum (Metro Nuevos Ministerios L6, L8, L10) oder das Wachsfigurenkabinett (Metro Colón L4) empfohlen - auch für Kinder absolut sehenswert.

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