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Heraklion – Kretas bezaubernde Hauptstadt

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Die Hauptstadt Kretas hatte und hat in ihrer Geschichte viele Namen. So gibt es heute unterschiedliche Bezeichnungen – Iraklion, Heraklion oder Hieraklion -, was auch an den Übersetzungen aus der griechischen Schreibweise liegt. Mit ihren offiziell rund 170.000 Einwohnern ist es eine eher kleine Stadt. Doch immerhin jeder fünfte Kreter lebt hier, schließlich ist die Gesamtzahl der Bevölkerung ebenfalls nicht gerade groß.

Herkalion ist Kretas wirtschaftliches Herz, wobei vor allem der Tourismus inzwischen das größte Stück des Kuchens erwirtschaftet. Die Lage der Hauptstadt begünstigt das, denn Heraklion liegt etwa in der Mitte der langgestreckten und schmalen Insel an der Küste des Mittelmeeres. So lassen sich viele der Sehenswürdigkeiten gut erreichen. Absolutes Highlight ist dabei aber sicher der Palast von Knossós, jenes minoischen Palastes, der nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt.

Von den überaus zahlreichen Sehenswürdigkeiten der langen wechselvollen Geschichte sind leider jedoch nur relativ wenige erhalten und die Stadt bietet heute einen etwas chaotischen Anblick. Die immer wieder wechselnden Besatzer hatten vieles zerstört, was im Laufe der Zeit zu Glanzpunkten Heraklions wurde. Die größten Zerstörungen der Neuzeit verursachte wieder einmal der 2. Weltkrieg, dem unzählige Kulturdenkmäler zum Opfer fielen. Griechenland und auch Kreta war in ihn voll einbezogen und die Insel von den Deutschen besetzt. Ihre Bomben und die der Allierten richteten große Zerstörungen an.

Das ist umso bedauerlicher, da die Stadt durch ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen Kulturkreisen ein wunderbares Bild dieser unterschiedlichen Kulturen hätte bieten können. Zu Zeiten der Minoer war die Stadt nur ein kleiner Ort mit einem unbedeutenden Nebenhafen. Der Hafen zum Palast von Knossós lag ein ganzes Stück östlich. Der Beginn der eigentlichen Stadt liegt in der Zeit der griechischen Hochkultur. Ihren Namen – Heraklea - erhielt die Ansiedlung vom antiken Helden Herakles, der auf Kreta den Stier des Minos gefangen haben soll.

Im 9. Jahrhundert eroberten die Araber die Insel und umbauten die Stadt mit Mauern und Wassergräben. Knapp 100 Jahre später kamen die Byzanthiner, zerstörten die Stadt und bauten sie unter dem Namen Chandax mitsamt der Befestigungen wieder auf. Lange hielten sich die Byzanthiner allerdings auch nicht, im 13. Jahrhundert wurde das Reich im 4. Kreuzzug zerstört und Kreta für ein paar Almosen an Venedig verkauft. Unter ihnen erlebte die Insel eine Blütezeit, zahlreiche Prachtbauten entstanden. Im 15. Jahrhundert drohte jedoch eine neue Gefahr, die Türken schickten sich an, große Gebiete zu erobern. Cándia, wie die Stadt jetzt hieß, wurde weiter befestigt und zählte schließlich zu den am besten befestigten Orten im Mittelmeerrraum. Unvorstellbare 21 Jahre Belagerung brauchten die Türken, bis es ihnen 1669 gelang, Cándia einzunehmen und damit ihre Herrschaft auf der Insel zu zementieren. Die Stadt verfiel in eine ziemliche Bedeutungslosigkeit.

Es dauerte über 200 Jahre, bis die Türken vertrieben waren und Kreta unabhängig wurde. Doch erst nach dem Anschluss an Griechenland blühte Iraklion wieder auf, Hauptstadt blieb aber noch lange Zeit Chaniá, die alte Stadt im westlichen Teil der Insel. Im Jahre 1971 war es dann soweit, Heraklion war wieder die Hauptstadt Kretas.

Der Venezianische Hafen mit dem Kastell

Wer Heraklion besucht, wird unweigerlich an die Küste des Mittelmeeres kommen, denn die Stadt liegt direkt am Wasser. Wir hatten unsere Stadtbesichtigung hier begonnen, denn um den Hafen herum gibt es einige größere Parkplätze und damit die Chance, das Auto abzustellen. In der Saison ist das allerdings keine leichte Aufgabe, selbst diese Parkplätze reichen oft nicht aus.

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Eines der wichtigsten Wahrzeichen Heraklions und touristische Sehenswürdigkeit ist der Hafen mit der Mole und dem Kastell. Sowohl der Hafen als auch das Kastell wurden zur Zeit der venezianischen Herrschaft erbaut. Im alten Hafen, dem venezianischen, liegen heute zahlreiche Yachten und Boote, was einen schönen Blick auf die Stadt ergibt. Die großen Kreuzfahrtschiffe und andere „große Pötte“ ankern außerhalb des Venezianischen Hafens, denn der war nun wirklich nicht für die Ozeanriesen gedacht.

Ein Spaziergang auf der Mole bis zum Venezianischen Kastell als Endpunkt lohnt auf jeden Fall. Wir fanden es gut, auf diese Weise dem hektischen Verkehr zu entrinnen und uns von der Brise, die hier fast immer weht, etwas abkühlen zu lassen. Allein waren wir auf der Mole aber keineswegs, hier herrscht – zumindest in den Zeiten der Saison – ein reger Verkehr, glücklicherweise aber nur per Fuß.

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Das Kastell Koúles am Ende der Mole ist eine beeindruckende Festung und war ein Teil der gewaltigen Stadtbefestigung, die zum Schutz vor den Türken ausgebaut wurde. Nach 21 Jahren Belagerung gelang es den Türken, die Stadt zu erobern. Das die Verteidiger so lange durchhielten erklärt sich neben dem Freiheitswillen der Kreter auch durch die mehrere Meter starken Mauern des Kastells und der anderen Befestigungsanlagen. Das Kastell wurde nach den enormen Zerstörungen der Belagerung wieder aufgebaut und scheint heute in einem sehr guten Zustand zu sein. In den letzten Jahren fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt.

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In früher Zeit gab es hier schon eine Festungsanlage, die 1304 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Die Venezianer bauten an dieser Stelle in den Jahren 1523 bis 1540 das Kastell mit seinen wuchtigen Mauern und den hohen Zinnengängen, das den Hafen der Stadt wirkungsvoll beschützte. Die Herkunft der Anlage lässt sich durch die zwei venezianischen Markuslöwen aus Marmor erkennen, die an der Nord- und der Südseite des Kastells eingearbeitet sind.

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Wenn man Glück hat und das Kastell besichtigen kann – was wegen der Restaurierungen nicht immer möglich ist – erhält man einen hochinteressanten Einblick in diese alte Festungsanlage. Es entsteht dabei der Eindruck, in einer mittelalterlichen Burg zu sein, denn auch im Kastell sind die Gewölbe düster und die kleinen Schießscharten ermöglichen keinen weiten Ausblick. Die Räume sind aber fast total leer, Einrichtungenn sind hier nicht zu finden. Den Ausblick über das Meer und die Stadt bekommt man, wenn man entlang der Zinnenmauern läuft. Manchmal finden im Kastell auch Kulturveranstaltungen statt.

Der Löwenbrunnen in Heraklion

Gleichfalls ein Werk der Venezianer ist der Löwenbrunnen auf dem zentralen Platz Heraklions, dem Platia Venizelou. Hier ist der Mittelpunkt der Stadt mit regem Treiben und so gut wie alle Sehenswürdigkeiten sind nur wenige Meter entfernt, gut zu Fuß zu erreichen. Die Wasserknappheit war immer ein Problem Heraklions und so eiferten die Venezianer den Römern nach – indem sie einen Aquädukt aus den Bergen mitten in die Stadt führten, der in einem Brunnen endete.

Kreta Kreta Kreta

Eines der Wahrzeichen der Venezianer waren die Markuslöwen und so ist es sicher kein Zufall, dass für die Brunnenfiguren Löwen gewählt wurden. Sie sind die dominierenden Figuren des Brunnens. Die Löwen tragen auf ihren Häuptern eine große Schale, in der sich das Wasser sammelt, bevor es aus ihren Mäulern in das Brunnenbecken sprudelt. Etwas unscheinbarer sind die übrigen Verzierungen, Europa mit dem Stier sowie Reliefs von Meeresgöttern und Meeresjungfrauen.

Der venezianische Statthalter Francesco Morosini war es, der 1628 den Auftrag zum Aquädukt mit der Endstelle Brunnen vergab. So ist der Brunnen unter zwei Namen bekannt – Löwenbrunnen und Morosini-Brunnen. Doch schon 40 Jahre nach der Fertigstellung ging der Brunnen an die Türken, die Kreta erobert hatten. Die überbauten ihn zu einem großen Brunnenhaus. Nach der Ära der Türken wurde der Brunnen wieder in seiner ursprünglichen Gestalt hergestellt. Ob das vorteilhaft war können wir nicht beurteilen, denn von dem Brunnenhaus hatten wir keine Abbildung gefunden. Wir denken aber, dass der kunstvolle Löwenbrunnen ohne die türkischen Aufbauten einen besseren Anblick bietet. Anlässlich der Olympischen Spiele 2004 in Griechenland wurde er restauriert, so dass er heute einen sehr guten Eindruck hinterlässt.

Die Kirchen Ágios Márkos und Ágios Titos

Heraklion ist nicht gerade arm an Kirchen, zwei bemerkenswerte stehen in unmittelbarer Nähe des zentralen Platia Venizelou. Die Kirche Ágios Márkos gegenüber des Löwenbrunnens wird heute für die Präsentation von Kunst genutzt. In ihrem Innenraum zeigt man wechselnde Ausstellungen. Das Äußere der 1239 erbauten Kirche ist schlicht und im romanischen Stil. Das sie nicht vorrangig von den Kretern genutzt wurde, zeigt die Tatsache, dass sie eine katholische Kirche war, in der während der venezianischen Besetzung der katholische Erzbischof von Kreta seinen Sitz hatte.

Kreta

Die Türken rissen den Glockenturm ab und erbauten statt dessen ein Minarett, so dass der Bau als Moschee diente. Nach dem Rückzug der Türken wurde auch das Minarett abgerissen. Heute sind noch Reste davon neben der Fassade der Kirche zu sehen. Sehr sehenswert ist der Innenraum, nicht nur wegen der Ausstellungen, sondern auch wegen der interessanten Architektur und der schönen Holzdecke.

Kreta

Wenige Meter weiter in Richtung Hafen steht die Kirche Ágios Titos. Die griechisch-orthodoxe Kirche hat eine lange Geschichte und einige Vorgänger. Der Name geht zurück auf den ersten Bischof Kretas, den Begleiter des Apostels Paulus. Jener Titos richtete seinen Amtssitz in Górtis ein, das unter den Römern die Hauptstadt der Insel war. Als die Sarazenen einfielen wurde der Bischofssitz nach Heraklion verlegt und hier um das Jahr 1000 die erste Titos-Kirche errichet. Im Laufe der Zeit wurde sie einigemal zerstört, doch immer wieder neu aufgebaut. Die Türken bauten sie 1869 zur Moschee um und es dauerte bis 1925, bis sie wieder als griechisch-orthodoxe Kirche geweiht werden konnte.

Der annähernd quadratische Bau mit der markanten Kuppel birgt in seinem Inneren so manche sehenswerte architektonische Kostbarkeit und sogar eine bedeutende Reliquie – den Schädel des ersten Bischofs Titos. Viel ist zwar nicht zu erkennen, denn der Schädel ruht in einem verzierten Goldbehälter, der durch eine kleine Öffnung nur ein Stück der Schädeldecke zeigt. Für die Gläubigen ist diese Reliquie jedoch ein wahrer Schatz. Der Schädel hat schon eine lange Reise hinter sich, die Venezianer retteten ihn vor den Türken nach Venedig, erst 1966 kehrte er auf die Insel zurück. Für den Besucher attraktiver sind aber sicher die kunstvollen Mittelfenster, die wertvoll gearbeitete Altarwand, die bunten Glasfenster sowie die Gemälde mit den wichtigsten Ereignissen im Leben des Bischofs Titos.

Die Venezianische Loggia im Zentrum Heraklions

Ebenfalls in der Nähe des Platio Venizelou steht ein prächtiges Bauwerk, in dem heute das Rathaus der Stadt Heraklion untergebracht ist. Offiziell gibt es keine Führungen, doch mit etwas Glück kommt man problemlos hinein und kann das Gebäude von innen besichtigen. Besonders der große Saal des Rathauses lohnt mehr als einen Blick.

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Federführend beim Bau des damaligen Renaissance-Palazzos war – wie beim Löwenbrunnen – Morosini. Errichtet wurde das Gebäude von 1626 bis 1629 als Repräsentationsobjekt der venezianischen Adligen. Hier hatten sie den Sitz der Stadtregierung, aber ebenso diente es ihnen als Ballsaal und Treffpunkt der „gehobenen Schichten“. Nach dem Einzug der Türken war es auch deren Verwaltungssitz, doch die Türken taten nichts zur Erhaltung des Gebäudes. So verfiel es im Laufe der Jahre immer mehr. Der 2. Weltkrieg ruinierte das Haus völlig, es wurde total zerstört, doch glücklicherweise danach wieder originalgetreu aufgebaut. So können die Touristen heute diesen kulturhistorisch wertvollen Bau bewundern.

Der Eleftherias-Platz und die Venezianische Stadtmauer

Neben der Platia Venizelou ist der Freiheitsplatz – die Platia Eleftheria – der zweite touristisch interessante Platz Heraklions. Das Archäologische Nationalmuseum an der Nordseite erscheint von außen sehr schlicht, doch die Schätze im Inneren sind ausgesprochen sehenswert. Die Sammlung zur minoischen Geschichte ist weltberühmt und Schwerpunkt des Museums. Außerdem sind aber noch Objekte von der Jungsteinzeit bis zu den Römern auf Kreta zu sehen. Gewissermaßen die Fortsetzung dieser Sammlungen von der frühchristlichen Geschichte Kretas über die arabischen, venezianischen und türkischen Besatzer bis zum 20. Jahrhundert finden sich im Historischen Museum. Das ist ein Stück entfernt in einem herrschaftlichen Haus an der Uferprmenade westlich des Hafens untergebracht. Highlight dieses Museums sind zwei Gemälde des Künstlers El Greco.

Kreta Kreta

Einen Blick wert sind außerdem das Denkmal des unbekannten Soldaten in der Mitte des Eleftherias-Platzes sowie das historische Gebäude der Präfektur. Gleich neben dem Platz wird es grün, der Stadtpark bietet ein Fleckchen zum Entspannen. Besonders schön ist er zwar nicht, doch im Schatten der Bäume kann man sich vom Stadtbummel etwas ausruhen. Zu sehen gibt es zudem auch hier einiges. Das Monument des Nationalen Widerstands ist dem Gedenken an die Freiheitskämpfe und die Opfer gegen die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg gewidmet.

Der Park wird von der ehemaligen wuchtigen Venezianischen Stadtmauer begrenzt, die einst Heraklion vor den Angreifern schützen sollte. Am südlichen Ende des Parkes gibt es zwei Möglichkeiten, die historische Wehranlage etwas genauer zu betrachten. Zum einen kann man die Vitouri-Bastion besteigen, zum anderen über eine steile Treppe in den ehemaligen Graben der Stadtmauer hinunter steigen.

Insgesamt reicht die gewaltige Mauer mit sieben Bastionen über eine Länge von 3 km. Sie zu finden ist manchmal etwas schwierig, denn die Mauer ist inzwischen an vielen Stellen dicht bewachsen. Hat man etwas Zeit lohnt aber ein Spaziergang entlang der Stadtmauer auf jeden Fall, es gibt einige interessante Tore und Bastionen zu entdecken. So befindet sich an der Marengo-Bastion im Süden das Grab des Dichters Nikos Kazantzákis. Wir geben zu, der Name hatte uns im ersten Moment nichts gesagt, doch sein berühmtestes Werk war uns natürlich bekannt : „Aléxis Zórbas“.

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