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Die Geschichte Kretas

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Die Geschichte der Besiedlung Kretas wurde in den letzten Jahren völlig neu bewertet. Neue Ausgrabungen und Erkenntnisse ließen die bisherige Lehrmeinung in einem gänzlich anderen Licht erscheinen. So wurde lange Zeit vermutet, dass die Insel erst wenige Jahrtausende v. Chr. besiedelt wurde. Doch die jüngsten Funde beweisen, dass auf Kreta schon vor rund 130.000 Jahren Menschen lebten. Damals war es noch der Homo erectus, ein Vorfahre des modernen Menschen.

Der Homo sapiens konnte schon etwa 6000 Jahre v. Chr. aus gebrannten Tonziegeln Häuser bauen. Diese ersten Siedlungen standen an Stellen, an denen dann später die großen Paläste ihren Platz hatten, so z.B. bei Knossós, Festós und Mália. Diese einheimische Bevölkerung hatte jedoch keine Chance gegen die Einwanderer aus den Hochkulturen des kleinasiatischen Raumes, die um 3000 v. Chr. auf die Insel kamen. Mit ihnen begann eine große Geschichtsepoche, in der Kreta zu einer der damals am höchsten entwickelten Kulturen wurde.

Kretas Glanzzeit, die minoische Kultur

Die Minoer, die der Insel eine der Hochkulturen brachten, die aber auch noch viele Rätsel birgt, dominierten Kreta über 1000 Jahre. Natürlich war auch die Kultur der Minoer nicht von Anfang an auf der höchsten Stufe, sondern enrtwickelte sich im Laufe der 1000 Jahre weiter. Es begann etwa 2600 Jahre v. Chr., als die Einwanderer rmittels ihrer neuen mitgebrachten Techniken des Töpferns mit der Töpferscheibe, der Bearbeitung von Kupfer und der Einführung von Siegeln die Grundlage der Hochkultur legten. Auch der Seehandel trug sehr dazu bei.

Kreta

Um 2000 v. Chr. begann der Bau der großen Paläste von Knossós, Festós, Mália und anderer. Die Ruinen, die heute noch zu bewundern sind, stammen jedoch nicht von diesen Bauten. Sie wurden um das Jahr 1700 v. Chr. vollkommen zerstört. Man geht davon aus, dass ein gewaltiges Erdbeben die Ursache war. Gewiss ist, dass die Paläste sowie auch die Siedlungen nicht äußeren Feinden zum Opfer fielen. Die Minoer hatten schon damals keine Feinde von außen zu fürchten. Erkennbar ist das daran, dass Paläste und Siedlungen nicht befestigt wurden. Mit dieser Katastrophe ging auch die berühmte Linear-A-Schrift – eine Silbenschrift auf Tontafeln – unter. Bis heute ist es nicht gelungen, sie zu entziffern.

Das war jedoch noch nicht das Ende. Die Kreter begannen, die Paläste und Siedlungen wieder aufzubauen. Die Palastanlagen wurden prunkvoller und größer als vor der Katastrophe und der Wohlstand der Minoer stieg. Die Schiffe aus Kreta beherrschten das Mittelmeer, der Handel und das blühende Handwerk sorgten für den absoluten Höhepunkt dieser Kultur zwischen 1700 und 1450 v. Chr.

Kreta

Einige dieser kulturellen Highlights konnten nachgewiesen werden. So fand man im Palast von Knossós den ältesten Thron Europas und auch die Schrift entwickelte sich weiter. Die Tontafeln mit der Linear-A-Schrift wurden von der Linear-B-Schrift abgelöst, die von den heutigen Wissenschaftlern entschlüsselt werden konnte. Dieses „goldene Zeitalter“ endete um 1450 v. Chr. mit der zweiten Zerstörung der Paläste und der Kultur. Vermutet wurde, dass der gigantische Vulkanausbruch, der die Insel Santorini weitgehend zerstörte, auch für den Untergang der Minoer verantwortlich war. Das ist inzwischen weniger wahrscheinlich, eher wird vermutet, dass gewaltige Erdbeben die Katastrophe auslösten. Die Hochkultur der Minoer ging damit aber endgültig unter, die Mykener übernahmen die Herrschaft. Die Kultur auf Kreta existierte in abgemilderter Form weiter, doch die bedeutenden Zentren standen jetzt auf dem griechischen Festland.

Die Wissenschaftler sind sich allerdings überhaupt nicht einig, ob sich nun wirklich alles so zugetragen hat. Neuere Funde und Theorien gehen eher davon aus, dass die Hochkultur durch die frühen Bewohner der Insel kontinuierlich entwickelt wurde. Auf jeden Fall birgt die minoische Kultur noch viele Rätsel, die gesicherten Antworten sind da in der Minderzahl. Gesichert ist aber, dass es auch in dieser Hochkultur Menschenopfer gab. Wie dem auch sei, die Geschichte dieser Region fanden wir ausgesprochen spannend. Vielleicht auch deshalb, weil noch so viele Fragen offen sind und es viel Spielraum für die Fantasie gibt.

Dorer, Griechen und Römer auf Kreta

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Allzu lange konnten sich die Mykener jedoch nicht an ihrer Macht erfreuen, nur rund 300 Jahre danach mussten sie die Macht an die Dorer abgeben. Auch Kreta wurde unter ihre Herrschaft gestellt. Das brachte Vorteile aber auch sehr viele Nachteile für die Bevölkerung mit sich. So bauten die Dorer viele der Städte wieder auf und gründeten neue Siedlungen. Zu den technischen Neuerungen in ihrem Gepäck zählte u..a. die Bearbeitung von Eisen. Trotzdem hatten die Einwohner Kretas sehr zu leiden, denn die Bauern wurden zu Leibeigenen der Dorer und nur diesen wurden politische Rechte gewährt. Viele Kreter mussten auch im Heer Dienst leisten. Kreta verkam zu einer völlig unbedeutenden Provinz.

Schließlich dienten die Häfen der Insel vor allem Piraten als Stützpunkt. Diese Gefährdung der Schifffahrt lag den neuen Herren der Mittelmeerregion, den Römern, schwer im Magen. Im Jahre 67 v. Chr. unterwarf der romische Feldherr Quintus Caecilius Metellus die Insel und machte Kreta zum Teil einer römischen Provinz. Das hatte durchaus nicht nur Nachteile, denn der Getreideanbau wurde gefördert und ein Straßennetz gebaut. Die Siedlung Górtis, deren Ruinen noch heute zu besichtigen sind, wurde die neue Hauptstadt Kretas.

Schon 65 n. Chr. gewann die neue Lehre des Christentums auf der Insel viele Anhänger. Der Apostel Paulus selbst war es, der die Lehre nach Kreta brachte und seinen Begleiter als ersten Bischof einsetzte. Doch es dauerte noch, bis sich das Christentum dauerhaft durchsetzte. Im 2. Jahrhundert begannen auch auf Kreta erst einmal Christenverfolgungen, bis es schließlich im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion erhoben wurde. Mit der Teilung des Römischen Reiches gelangte Kreta zum Oströmischen Reich mit dem Regierungssitz in Byzanz. In dieser Epoche breitete sich das Christentum auf der Insel immer weiter aus, die politische und wirschaftliche Bedeutung Kretas gelangte jedoch an einen Tiefpunkt.

Araber, Venezianer und Türken auf Kreta

Die Araber, die Mauren, beherrschten über Jahrhunderte große Teile Südeuropas, oft mit Toleranz sowie wirtschaftlichem und wissenschaftlichen Nutzen für die Bevölkerung. Berühmt sind vor allem die maurischen Reiche in Andalusien, deren letztes in Granada erst 1492 fiel. Auch Kreta wurde von den Mauren besetzt, doch später als Andalusien - und auf der Insel hielt sich die Herrschaft der Araber nur knapp 150 Jahre. Von Toleranz konnte auf Kreta keine Rede sein, die Mauren zerstörten hier die Kirchen, mordeten und brandschatzten. Wer überlebte, musste Frondienste leisten und seinem christlichen Glauben abschwören. Verständlicherwesie stieß dieses Vorgehen in der Bevölkerung Kretas auf Widerstand. Viele Kreter flüchteten in die Gebirgsregionen und bekämpften von dort die Araber.

Vom Byzantinischen Reich konnten die Kreter lange keine Unterstützung erwarten, doch nach 135 Jahren arabischer Besatzung schickten die Byzantiner 960 ein Heer auf die Insel, das die Araber bekämpfte. Schließlich fiel 961 Rabd el Chandak, die Hauptstadt, die an der Stelle stand, an der sich heute Heraklion befindet.

Kreta

Über rund 250 Jahre herrschte jetzt wieder Byzanz über Kreta. In dieser Zeit spaltete sich die Kirche in die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe auf. Kreta bekannte sich dabei zur orthodoxen Richtung, was noch heute den Glauben auf der Insel bestimmt. Im 4. Kreuzzug 1202 zogen die Kreuzritter nicht ins „Heilige Land“ sondern in die Hauptstadt des Oströmischen Reiches Konstantinopel, um dort den katholischen Glauben durchzusetzen. Den Kreuzrittern gelang die Eroberung und das Reich von Byzanz wurde aufgeteilt. Die Insel Kreta erhielten die Venezianer, die sich jedoch nicht allzu sehr mit der Besetzung beeilten. So setzten sich zwischendurch die Genuesen, die Rivalen der Venezianer, hier fest. Doch nach fünf Jahren waren sie vertrieben und damit begann das Zeitalter Venedigs auf Kreta, das bis 1669 währte.

Diese Zeit war eine kulturelle Blütezeit – für die Venezianer auf der Insel, jedoch nicht für die Bevölkerung Kretas. Die wurde ihrer Rechte beraubt und litt unter den extrem hohen Steuern. Auch der griechisch-orthodoxe Glauben wurde verfolgt, die Insel bekam einen römisch-katholischen Bischof. Auf Kreta herrschten große Gegensätze, in den Städten entstanden prachtvolle Bauten und die Wissenschaft blühte auf. Auf dem Land dagegen wurde die Not immer größer und zahlreiche Aufstände gegen die Besatzer wurden niedergeschlagen.

Kreta

Derweil braute sich neues Unheil zusammen, die Türken begannen damit, ihr Reich auszuweiten und große Teile Südeuropas unter ihre Kontrolle zu bringen. Als sie 1645 landeten, stießen sie bei den Kretern auf Sympathie und Unterstützung, doch bald musste die Bevölkerung erkennen, dass die türkische Besatzung ein noch größeres Übel war. So verbündeten sich die Kreter mit den Venezianern, doch zu spät. Der Kampf war nicht zu gewinnen. Bis 1669 dauerte der Widerstand, während die Türken einen Ort nach dem anderen eroberten. Selbst die zu Hilfe kommenden Truppen der Christen aus den unterschiedlichsten Ländern änderten nichts am Ausgang. Die Türken siegten, wenn auch unter großen Verlusten – 120.000 Mann – und erst nach über 20 Jahren. Einige kleinere Stützpunkte der Christen hielten sich noch, doch Kreta war jetzt islamisch. Von Heraklion waren nur noch Ruinen übrig und für die Insel begann ein finsteres Zeitalter.

Die Wirtschaft auf Kreta war in einem erbärmlichen Zustand, auch die Landwirtschaft lag am Boden. Die Türken kümmerte dies wenig, sie interessierte nur, wie man die Insel auspressen konnte. Raubbau, Steuern und Sondersteuern trieben die kretische Bevölkerung an den Rand der Existenzgrundlage. Hatten die Venezianer die Kreter zum römisch-katholischen Glauben genötigt, so zwangen die Türken sie zum Übertritt zum Islam. Die Methoden dafür waren vielfältig, vom direkten Drohen über Umwege per List.

So wurden wieder einmal die unzugänglichen Gebirgsregionen zu Stützpunkten der Partisanen. Den Türken gelang es nie, das Gebiet der Weißen Berge mit der Samariá-Schlucht einzunehmen. Die von den Türken begangenen Grausamkeiten im Kampf gegen die Rebellen waren erschütternd. So wurde der Anführer des größten Aufstandes von 1770 nach seiner Gefangennahme bei angeblichen Friedensverhandlungen von den Türken öffentlich gehäutet. Das sich die Besatzer damit immer weniger Freunde machten und die Aufstände zunahmen ist verständlich.

1832 rief man den unabhängigen griechischen Staat aus, doch Kreta blieb nach einem kurzen Intermezzo der Ägypter weiter unter türkischer Herrschaft. Die Befreiungskämpfe wurden immer erbitterter, die Mönche der Klöster gewährten den Rebellen Unterstützung und kämpften sogar selbst mit. Schließlich schickte Griechenland Truppen, die Türken wurden in die Festungen gedrängt. Als 1898 englische Soldaten mit Beobachterstatus getötet wurden, besetzten die Großmächte die Insel und stellten Kreta als autonomes Gebiet unter ihr Protektorat.

Kreta in der Neuzeit

Ruhig wurde es dadurch jedoch nicht, die Kreter wollten den Anschluss an Griechenland. Der aus Kreta stammende Elefthérios Venizélos brachte es auf dem griechischen Festland 1910 zum Premierminister Griechenlands. Ihm gelang es, Kreta 1913 an Griechenland anzuschließen. Bis heute gilt Venizélos als bedeutendster Politiker der Insel an den überall erinnert wird.

Kreta

Den 1. Weltkrieg bekam Kreta wenig zu spüren, doch in den folgenden Jahren begannen die Griechen einen Krieg mit der Türkei. Der wurde kein Erfolg, die Griechen mussten sich fluchtartig zurückziehen. In den Friedensverhandlungen vereinbarte man den Bevölkerungsaustausch. Alle in der Türkei lebenden Griechen mussten nach Griechenland zurück, alle Türken in Griechenland in die Türkei. Nach Kreta kamen über 20.000 Griechen, die meisten nach Heraklion. Bis heute haben beide Länder mit diesen Vertreibungen Probleme, die eine der Grundlagen für die Feindschaft sind.

In den 2. Weltkrieg wurde Kreta dann direkt einbezogen. Deutsche Truppen landeten 1941 auf der Insel und vertrieben nach erbitterten Kämpfen die britischen Verbände, die sich vom Festland auf die Insel zurückgezogen hatten. In der Traditon der Partisanenkämpfe leisteten die Kreter auch in den Jahren der deutschen Besatzung Widerstand. 1945 zogen sich die letzten deutschen Truppen zurück. Kreta war befreit, doch zu einem hohen Preis. Mehr als 40 Orte waren total zerstört, viele zu großen Teilen. Knapp 4000 Kreter waren exekutiert worden, Straßen zerstört und die Infrastruktur lag am Boden.

Kreta Kreta Kreta

Der Weltkrieg war zu Ende, der Krieg jedoch nicht. Bis zum Oktober 1949 tobte ein Bürgerkrieg zwischen den griechischen Kommunisten und den Konservativen. Gesiegt hatten am Ende die Konservativen, Griechenland blieb kapitalistisch und trat 1951 in die NATO ein. Bis heute zeigt die wechselvolle Geschichte und der Freiheitswille der Kreter Wirkung. Die Bevölkerung der Insel sieht sich in erster Linie als Kreter, erst in zweiter als Griechen.

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