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Fahrt mit der Fähre auf die Insel Thassos

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Nach der Besichtigung von Kavalla setzen wir mit einer Autofähre auf die Insel Thassos über, besichtigen dort die Stadt Thassos und machen eine Inselrundfahrt mit spektakulären Sehenswürdigkeiten und Besichtigungen. Natürlich kommt auch ein entspanntes Baden im Meer nicht zu kurz.

Von Kavalla nach -Stadt

Im Fährhafen von Kavalla erlebten wir dann die erste positive Überraschung. Die Autofähre gen Thassos, die ihre Rampe bereits fast vollständig geschlossen hatte, öffnete diese erneut, damit wir unsere Reise fortsetzen konnten. Merkwürdig war nur, dass unser Fahrzeug das einzige war, das alle anderen anschaute; Wir nahmen uns daher vor, beim Anlegen auf Thassos mehr als pünktlich wieder zurück zu sein. In Deutschland hätten wir wohl eine dreistündige Wartezeit in Kauf nehmen müssen. Noch am Fahrzeug wurde der Fahrpreis von 27,50 € für den Wagen und 4,50 € pro Passagier für die 75-minütige Überfahrt kassiert - ein Betrag, der schon allein wegen der fantastischen Panoramen in Ordnung ging.

Begleitet wurde die Fähre von zahlreichen Möwen, die sich mit waghalsigen Manövern auf alles Fressbare, das ihnen die Fährgäste darboten, stürzten. Nun, wir staunten auch nicht schlecht, denn die Preise für Nahrungsmittel an Bord waren günstiger als gedacht. Wer viel Glück hat, der bekommt auf der Überfahrt sogar Delfine zu sehen, aber dieses Erlebnis blieb uns leider verwährt.

Thassos Thassos

Langsam näherten wir uns den seichten Hügeln der nördlichsten Ägäis-Insel, die in ihrem Innern im 1204 m hohen Berg Ypsario gipfelt und sich im über dem Wasser liegenden Dunst immer deutlicher abzeichnete. Noch zehn Jahre zuvor galt Thassos als die grünste Insel Griechenlands, doch dann hatte ein verheerender Waldbrand große Teile der Waldbestände vernichtet. Wir waren also sehr gespannt, in wiefern sich die Vegetation erholt hatte. In Skala Prinou auf Thassos angekommen, war von sichtbaren Schäden keine Spur; Ganz im Gegenteil - die Ankunft gestaltete sich wie das Eintauchen in ein kleines Paradies: Grüne Berghänge, gelbe Sandstrände, in der Sonne flimmerndes Meer - und keinerlei aufdringliche Bebauung. Unsere drei Filzkugeln schafften es sogar fast pünktlich zum Wagen, so dass wir zu zweit rueckwärts die etwas uneben abschließende Laderampe der Fähre hinter uns ließen und das Gefährt etwas unsanft auf Thassos aufsetzten.

Thassos Thassos Thassos

Die Fahrt ging nun weiter gen Osten der Insel, zunächst eine steile, kurvenreiche und schattige Traumstraße hinauf, dann bergab in Richtung Thassos-Stadt, die mit 3000 Einwohnern größte Stadt der Insel. Eine Vielzahl von antiken Stätten im Bereich der Unterstadt (antiker Kriegs- und Handelshafen, diverse Ausgrabungen von Tempelanlagen), aber auch der Marktplatz (Agora), das Amphitheater, die Akropolis und die Reste der vier Kilometer langen Stadtmauer in der Oberstadt zeugen von ihrer bewegten Geschichte, die bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Von der Oberstadt aus, die 140 Meter hoch über Thassos-Stadt gelegen ist, präsentiert sich ein besonders beeindruckender Ausblick über die weißen Häuser und das Meer, der bis zum Festland nach Kavalla reicht.

Chrisi Ammoudia: Golden Beach

Nach einem kurzen anschließenden Spaziergang über die belebte Hafenpromenade in Thassos-Stadt mit ihren Tavernen und Bars und einem Abstecher über die Einkaufsstraße der Stadt fuhren wir schließlich weiter nach Chrisi Ammoudia zum "Golden Beach", über den im Hintergrund der Ypsario wacht. Das Gebirgsmassiv, das den Strand wie einen Kessel umgibt, sorgt dabei für Windstille und sehr hohe Temperaturen in den Mittagsstunden, doch es gibt ausreichend Sonnenschirme und -liegen, die zusammen für fünf Euro pro Tag gemietet werden können.

Thassos Chrisi Ammoudia

Der Strand selbst ist weiß, feinkörnig und sauber und entspricht nicht zuletzt wegen seiner Kulisse der Vorstellung von einem Bilderbuch-Strand. Wir jedenfalls haben dort die Kunst des Extrem-Dümpelns auf der Luftmatratze perfektioniert; Auch für Kinder ist der "Golden Beach" sehr zu empfehlen, da es ohne weiteres möglich ist, fünfzig Meter weit ins Meer zu gehen, bis einem Erwachsenen das Wasser bis zur Hüfte steht. Der Wellengang in der weitläufigen und gut abgeschirmten Bucht ist vollkommen ungefährlich.

Die Insel Thassos, und da ist der "Golden Beach" keine Ausnahme, ist touristisch geprägt, wenn auch an den meisten Stellen nicht völlig vom Massentourismus überlaufen, da sich die Zahl der Besucher auf Dutzende Strände, die allesamt von der Küstenstraße aus gut erreichbar und wunderschön sind, verteilt. Vorwiegend verbringen hier Einheimische vom Festland, aber auch Gäste aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und den angrenzenden Staaten Albanien, Bulgarien und Mazedonien ihren Urlaub.

Überall auf Thassos gibt es kleinere Hotels und Pensionen in direkter Strandnähe, und auch für Camper bleiben keine Wünsche offen. Fünf Plätze, allesamt bestens ausgestattet, sind auf Thassos zu finden, einer davon auch mit direktem Zugang zum "Golden Beach". Abgerundet wird das "Rundum-Faul-Paket" durch fliegende Händler, die mit frischen Spezialitäten zu angemessenen Preisen den Strand abschreiten, und ausschließlich auf Zuruf Gebäck, Frappé und andere Leckereien feilbieten. Wer will, der kann sich auch durch den Kauf von raubkopierten CDs strafbar machen.

Die Küstenstraße: Autotour um die Insel Thassos

Doch auf Thassos gibt es natürlich nicht nur Strände. Die in gutem Zustand befindliche und 110 Kilometer lange Küstenstraße, die ein Umrunden der Insel binnen weniger Stunden per Motorrad oder Auto problemlos ermöglicht, bietet beinahe hinter jeder Kurve sensationelle neue Ausblicke, während die Inlandsstraßen abgelegene Bergdörfer wie das historische Kazaviti im Nordwesten oder das relativ zentral gelegene Theologos mit seinem Heimatmuseum erschließen, in denen noch die traditionellen Steinhäuser mit ihren Schieferdächern vorherrschen und die Zeit still zu stehen scheint.

Aliki auf Thassos Ruine in Aliki

Auf besagte Küstenstraße begaben wir uns schließlich nach drei entspannenden Stunden am Strand und erreichten nach halbstündiger Fahrt am Meer entlang das kleine Dorf Aliki an der Südostküste. Hier lassen sich die Faktoren Urlaub und Kultur bestens miteinander in Einklang zu bringen, denn einerseits gibt es in Aliki eine Vielzahl von antiken Ausgrabungen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, der Blütezeit des Örtchens, in der schon Marmor abgebaut und auf dem Wasserweg exportiert wurde, zu sehen, darunter Überreste von Tempeln und anderen Bauwerken. Andererseits ist es bekannt für seine beiden Badebuchten mit den vielen Tavernen und Bars, von denen eine als die "Badewanne von Thassos" bekannt ist. Der Grund dafür ist ihre eigentümliche Form, die an eine Badewanne erinnert.

Mit ein paar fröhlichen Liedern von der Rückbank fuhren wir nach kurzem Stopp weiter zum etwa zehn Kilometer entfernten Nonnenkloster Archangelou bei Astris im Süden der Insel, das, auf einem steil zum Meer hin abfallenden Felsen errichtet, einen schönen Blick über die Ägäis garantiert. Auch vom Klosterinneren sagt man, es sei wegen seiner wertvollen Kulturgüter absolut sehenswert. Die jedoch dürfen nicht fotografiert werden, da es in Griechenland nicht gern gesehen wird, wenn Ikonen und Heiligtümer abgelichtet werden. So ist im Kloster zum Beispiel ein Splitter des Holzkreuzes zu bestaunen, an das Jesus geschlagen worden sein soll. Das Gelände indes darf nur in langer Kleidung betreten werden, die aber vor Ort am Eingang ausgeliehen werden kann.

Traditionelles Gebäude mit Schieferdach in Theologos

Da es uns der gesteckte Zeitplan an diesem Mammut-Besichtigungstag jedoch nicht mehr erlaubte, verschwenderisch mit den verbleibenden Stunden umzugehen, fragten wir unseren Straßenplan nach einem Ausweichziel. Dieses fand sich schnell, hieß Theologos und lag ein Stück weit im Inland. Von Potos aus führt eine Straße zehn Kilometer weit ins Landesinnere nach Theologos. Das ehemals abgeschiedene Dorf ist mittlerweile auch schon vom Tourismus entdeckt worden, doch noch immer präsentiert es sich sehr traditionell. Schieferdächer dominieren das Bild von oben, in den Tavernen wird griechische Live-Musik gespielt und mit Fotoapparaten bewaffnete Touristen stürzen sich mit Begeisterung auf die im Überfluss vorhandenen Motive, die südländische Dorfidylle verkörpern.

Es gibt kleine steinerne Häuschen, große alte Herrenhäuser, die neu verputzt und gestrichen sind, viel Grün, enge Gassen, hölzerne Veranden, Türen und Fensterläden, eine Kirche und viel Natur drum herum. Ähnlich gestaltete sich das Bild in Kazaviti, das von Prinos aus zu erreichen ist und unsere letzte Station auf Thassos darstellte. Die 45 Kilometer bis Prinos im Nordwesten der Insel wurden begleitet von langen Sandstränden und Fischerdörfern zur einen, und Olivenhainen zur anderen Seite. Der Süden und der Westen der Insel sind flacher und somit besser für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Hier ist auch die Dorfdichte größer als im Norden und Osten der Insel.

Von Prinos aus führte uns der Weg erneut ins Inland, wo sich Kazaviti in einem bewaldeten Tal befindet. Neben einem Rundgang durch den Ortskern, der durch ähnliche architektonische Besonderheiten wie bereits Theologos besticht, lohnt sich auch der Besuch des Klosters Agios Panteleimon, das ebenfalls von Bergen umgeben ist; Es ist etwa einen Kilometer außerhalb des Dorfes gelegen und von Kazaviti aus ausgeschildert. Mit einem motorisierten Fahrzeug indes ist der Besuch des Klosters nicht anzuraten, da die Piste dorthin extrem holprig und löchrig ist.

Es versteht sich wohl von selbst, dass die von uns besuchten Stationen nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten der Insel darstellen. Sowohl die Fischerdörfer wie auch die alten Marmorbrüche und unzählige weitere antike Ausgrabungen können erkundet werden. Oder das Inselinnere mit seinen Wasserfällen, Wäldern, einem abgelegenen See. Es ist durch ein ausgezeichnetes Netz von Wanderwegen erschlossen, welches in speziellen Wanderkarten verzeichnet ist. Wem also die Entspannung am Meer nicht ausreicht, der kann Thassos auch auf eigene Faust zu Fuß erkunden.

Dabei sollte allerdings nie vergessen werden, dass es auch auf Thassos Schlangen gibt, deren Biss tödlich sein kann. Ich erwähne an dieser Stelle erneut, dass die gefährlichsten von ihnen, die Sandvipern, sehr klein sind und einen dreieckig geformten Kopf haben. Wer dieses Risiko, das bei korrektem Verhalten jedoch sehr gering ist, nicht eingehen möchte, kann in den Küstenorten aber auch ein Auto oder Motorrad mieten. Wie viel Zeit man für die Besichtigung der einzelnen Sehenswürdigkeiten einplanen sollte, hängt nicht zuletzt mit der Verweildauer auf Thassos zusammen. Wenn wie in unserem Falle nur ein recht beschränktes Zeitfenster zur Verfügung steht, ist eine ausgedehnte Auto-Tour um die Insel mit Zwischenstopps eine lohnende Sache, da alle interessanten Schauplätze von der Küstenstraße aus zu erreichen sind.

Die Bedeutung des touristischen und kulturellen Potenzials der Insel ist für die Bewohner von Thassos natürlich sehr wichtig, jedoch nicht unbedingt bedeutender als die Bodenschätze, die dort seit der Zeit der Antike gewonnen werden oder wurden. Besser gesagt: Ohne diese wäre Thassos wohl nie so reich an Kulturdenkmälern. Schon vor 20.000 Jahren wurde auf der Insel im ältesten Untertage-Abbau Europas das Naturpigment Rotocker abgebaut, viele Tausend Jahre später folgten Edelmetallerze und Buntmetallerze, die genau wie der Rotocker heute nicht mehr gefördert werden.

Seit den 60er Jahren ist Thassos in industrieller Hinsicht ausschließlich auf den Abbau von Marmor und die Förderung von Erdöl und Erdgas ausgerichtet. Eine der Bohrinseln bekommt der Reisende bereits bei der Fährüberfahrt zu sehen. Vor allem aber ist es der Marmor, der überall auf dem Eiland präsent ist, der in riesigen Tagebau-Brüchen im großen Stil gewonnen wird. Immer wieder stößt man beim Umrunden der Insel auf Lagerstätten der gewaltigen Rohlinge, die dann auf dem Seeweg exportiert werden. Das Material ist weltberühmt und ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Insel.

Nach einem anstrengenden aber auch durchaus ereignisreichen Tag nahmen wir am Abend die letzte Fähre zurück zum Festland und genossen noch einmal das abendliche Licht der im September bereits früh untergehenden Sonne, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Paleochori machten, wo wir eine kleine Grillfeier veranstalten wollten.

In weiser Voraussicht ließen wir uns beim Lidl in Eleftheroupoli nicht lumpen und stockten noch einmal unsere Biervorräte auf. Auch in Sachen Fleisch und Salat schlugen wir richtig zu, denn der zurückliegende Tag hatte die Energiereserven ziemlich dezimiert. Wieder zurück in Paleochori, erwarteten uns schon ein paar bekannte Gesichter, doch es schien sich herumgesprochen zu haben, dass Besuch aus Deutschland eingetroffen war; Neben Cousins und Cousinen mit Anhang und Kindern war auch die Schwester der Tante da. Grill und Kohle waren schnell gefunden, und kurz bevor einer der Anwesenden Cousins eine schwarze Flüssigkeit, die sich als Altöl erwies, über die Kohlen schütten konnte, rettete Kosta die Situation noch einmal nach einer ausgiebigen Diskussion über die Vor- und Nachteile von Altöl.

Wir verwendeten handelsübliche und vorher erstandene Grillanzünder. Derweil sich die Männer um den Grill kümmerten, berieten sich die Frauen der Runde darüber, welche der beiden verbleibenden deutschen Single-Frauen zu Single-Kosta passen könnte. Da eine von ihnen eine Halbgriechin war, hieß es, dass sich die andere ja wohl besser hätte eincremen können, so rot wie sie sei, während besagte Halbgriechin doch wohl noch etwas Farbe gebrauchen könne. Die Sache schien also bereits geritzt zu sein. Das Essen jedenfalls reichte für alle und der Abend endete wie so oft in einem lustigen deutsch-griechischen Durcheinander.

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