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Der weltberühmte Titicacasee

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Von der Ausgrabungsstätte Tiwanakus fahren wir durch die nahegelegene Ortschaft Tiwanaku, deren Häuser überwiegend aus Steinen und Schutt der Ruinen gebaut wurden, und man sieht in den Wänden sogar roetliche Tonscherben von zerbrochenen Tongefäßen. Kurz danach verlassen wir die Hauptstraße Richtung Norden, und ich nicke müde ein. Komischerweise merke ich erst am dritten Tag unserer Bolivienreise die Höhe von fast 4000m, diese macht sich mit leichter Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindelgefühl bemerkbar.

Karte von Bolivien; Vergrößerung per Mausklick

Plötzlich werde ich durch ein starkes Ruckeln aus meinen Dämmerschlaf gerissen. Durch das Fenster sehe ich, wie wir mit dem Bus mitten durch das Gelände fahren, keine Straße weit und breit, wir werden im Bus hin und her geworfen, aber unseren Busfahrer scheint das nicht zu stören... Ich denke mir bloß, wo kommen wir denn jetzt hin, wir haben uns bestimmt verfahren... Wir biegen um eine Ecke, und auf einmal liegt sie vor uns: Eine schier endlos weite Wasserfläche, am Horizont spiegeln sich die Gletscherberge der Cordillera Real in ihr, am Ufer wächst Schilfrohr, ja er ist es, der weltberühmte und sagenumwobene Titicacasee auf dem Altiplano!

Über der weiten Seefläche erhebt sich die Cordillera Real

Wir halten am Ufer an und besteigen über einen sehr wackligen Steg, es ist eigentlich nur ein Brett, ein kleines Boot, das mit seinem "Kaptitän" schon auf uns wartet. Sobald wir alle an Bord sind, wird der Motor angelassen, und schon geht sie los, die etwa einstündige Fahrt über den See zur Insel Kalahuta. Genug Zeit, um unser wohlverdientes Mittagessen, bestehend aus Obst, Sandwiches, Schokoriegel und Fruchtsäften, zu uns zu nehmen und Erich zu zuhören, was er Informatives und Interessantes über den Titicacasee zu berichten hat. Zuerst einmal ein paar Daten: Der 304 Meter tiefe See ist 195 Kilometer lang und 65 Kilometer breit, und er bedeckt mit 8562 Quadratkilometern eine Fläche, die 13 Mal grösser als der Bodensee ist. Von dieser Fläche entfallen etwa 30 Prozent auf Bolivien, der Rest liegt auf peruanischem Staatsgebiet. Unterteilt ist der See in den größeren Chucuito-See (mit 25 Inseln) und in den sechsmal kleineren Winaymarka-See (mit 11 Inseln), wobei diese beiden Seeteile mit einer nur etwa 800m breiten Wasserstraße, der Engstelle von Tiquina, verbunden sind. Der mittlere Seespiegel liegt 3810m hoch, und somit ist der Titicacasee der höchstgelegene schiffbare See der Erde.

Die Isla de la Luna - Mondinsel - ist eine der zahlreichen Inseln des Titicacasees Terrassenanlagen für den Ackerbau auf über 3900m

Für einen See dieser Größe besitzt er mit 25 nur sehr wenige Zuflüsse und mit dem Rio Desaguadero gibt es nur einen Abfluss, der aber die Hälfte des Jahres ausgetrocknet ist. Der Großteil des Wassers verdunstet durch die starke Höhensonne, was zur Folge hat, dass das Wasser einen hohen Salzgehalt hat. Ob das stimmt, möchte ich gleich wissen und strecke meinen Arm von der Reeling aus ins Wasser und nehme etwas Flüssigkeit auf. Dabei merke ich, dass der See sehr kalt ist, etwa 10 bis 12 Grad Celsius, also nur was für hart gesottene Waaserratten zum Baden geeignet! Und tatsächlich, man schmeckt das Salz deutlich heraus. Trotz des kalten Wassers zählt der Titicacasee zu den Tropenseen, da er für seine Umgebung als Wärmespeicher wirkt, so dass hier trotz fast 4000m Höhe Mais, Gerste, Kartoffeln Erbsen und Quinoa kultiviert werden können; Wir fragen Erich, woher eigentlich der Name "Titicaca" kommt, und auch darauf weiß er eine Antwort: Titicaca ist aus zwei Aymara Wörtern zusammengesetzt, Titi bedeutet Puma und Caca Felsen, also Pumafelsen. Dieser befindet auf der Isla del Sol , der Sonneninsel. Welche Legenden sich darum und um den See ranken, ist auf der Seite über die Sonneninsel zu finden.

Kinder lassen sich gerne fotografieren - aber nicht umsonst Ein Bauer beim Schilfschneiden

Die Fahrt unseres Bootes verlangsamt sich, wir durchfahren einen ausgedehnten Schilfgürtel und legen schließlich an der Insel Kalahuta, einer der elf Inseln des Winaymarka-Sees, an; Erneut ein wackliger Steg, doch wir erreichen trocknen Fußes wieder festen Boden. Ein schwach ausgeprägter Steig führt uns durch trockenes Gestrüpp und Ichhugras am Ufer entlang bis zu einigen alten Ruinen, die aus der Inkazeit stammen und vermutlich damals einen Tempel und Begräbnisstätten darstellten. In der Nähe sehen wir einen Bauern, wie er von seinem Boot aus Schilfrohr abschneidet, vielleicht für Flechtkörbe oder auch zum Bedecken der Hausdächer. Plötzlich einige laute Schreie, und ehe ich mich versehe, bin ich von einigen Kindern umgeben. Ganz vorsichtig frage ich mit meinem bescheidenen Spanisch, ob ich sie fotografieren darf: "Si, si, dos Bolivianos por favor!" Ich gebe einem der Kinder zwei Bolivianos, doch besonders froh scheinen sie darüber nicht zu sein. Nach etwas Gestikulieren mit den Händen komme ich darauf, dass jedes der vier Kinder eine Geldmünze haben möchte. Ich denke mir, nicht schlecht, die Kinder sind schon sehr geschäftstüchtig, der Jüngste ist vielleicht gerade drei Jahre alt; Anstatt weiteres Geld biete ich ihnen Schokoriegel und Bonbons an, die sie dann auch sehr dankbar annehmen. Sofort darauf positionieren sich die Kinder in strammer Haltung zum Fotografieren, und ich kann mein Foto machen.

Während ich mit dem Fotografieren beschäftigt bin, wandert meine Gruppe schon ein Stück weiter und ich muss ihnen hinterherrennen. Wir laufen etwa eine halbe Stunde lang in Ufernähe einen Teil der Insel ab, beobachten Schafe und Kühe, wie sie im ausgetrockneten Boden noch nach etwas Essbarem suchen, einheimische Männer reparieren ihre kleinen Fischerboote, während ihre Frauen bunte Decken und Umhänge stricken, Idylle pur! Noch einige Schritte hinab zum See und wir besteigen erneut das kleine Boot, das uns nun noch zehn Kilometer über den See nach Huatajata bringen soll. Ich bin weiterhin ziemlich müde und döse mit dem leichten Schaukeln des Schiffs ein, bis ich erneut durch ein starkes Ruckeln aufwache.

Noch ist der See ruhig - Blick zurück zur Insel Kalahuta Der durch starken Wind aufgebrauste Titicacasee mit dem Illimani im Hintergrund

Gischt spritzt gegen das Fenster, das Boot wird durch die über einen Meter hohen Wellen hin und her geworfen, wir müssen uns irgendwo im Boot festhalten, um nicht von unseren Sitzbänken zu fallen. Was, wenn wir hier mitten im See kentern? Für uns neun Personen sind gerade mal zwei Schwimmwesten an Bord...Aber ich fühle mich plötzlich hellwach, gehe nach draußen in den Wind, versuche einige Fotos zu machen, bis eine Welle mich überschwappt und ich ziemlich nass die Flucht zurück in die Kabine antrete. Nach einiger Zeit beruhigt sich der Sturm wieder, und wir erreichen zum Glück alle wohlbehalten die Anlegestelle in Huatajata, wo auch schon unser Bus auf uns wartet.

Unsere Fahrt führt uns auf der von La Paz kommenden Haupstraße dicht am See entlang durch kleine Dörfer, vorbei an einzelnen Bauernhöfen, bis nach San Pablo de Tiquina. Hier herrscht großer Trubel, denn sowohl Einheimische und als auch Touristen kommen hier zusammen, um mit der Fähre über die Estrecho di Tiquina, die Engstelle von Tiquina, die die beiden Seeteile miteinander verbindet, übergesetzt zu werden. Doch "Fähre" ist hier eigentlich der falsche Ausdruck, denn wir müssen aus dem Bus steigen und werden auf eines der vielen kleinen wackligen Boote gebracht, das meiner Meinung nach völlig überfüllt ist. Unser Bus wird extra auf ein anderes Boot verfrachtet, das eher wie ein aus vielen Brettern zusammengenageltes Floß aussieht, alles andere als vertrauenerweckend...

An der nur 800m breiten Engstelle von Tiquina, die den Chucuito-See mit dem Winaymarka-See verbindet.

Deswegen auch die Aufteilung, wenn schon der Buss untergeht, dann wenigstens ohne uns, denke ich mir. Ich bin froh, als wir nach nur 800m Fahrt, aber durch die wiederum sehr hohen Wellen etwas nassgespritzt, San Pedro de Tiquina erreichen. Wir müssen noch etwas auf unseren Bus warten und nützen die Zeit, um uns an den zahlreichen Einkaufsständen mit Mineralwasser, Schokoriegeln und anderen kleinen Snacks zu versorgen. Und sogar unser Bus schafft wohlbehalten die Überfahrt und wir können unsere Fahrt Richtung Copacabana fortsetzen.

Blick zurück zum Winaymarka-See, rechts verlaäuft die Grenze zu Peru

Gleich hinter San Pedro schraubt sich der Bus in vielen Kehren einige Hundert Höhenmeter bergaufwärts auf einen Höhenrücken, dem wir einige Zeit in leichtem Auf und Ab folgen. An der höchsten Stelle zeigt mein Höhenmesser fast 4400m, beinahe so hoch wie das Matterhorn in den Alpen! Erich erzählt uns, dass die Umweltverschmutzung auch vor dem Titicacasee nicht halt macht. Die am westlichen Ufer des Sees gelegene peruanische Großstadt Puno mit fast 100.000 Einwohnern leitet ihr Abwasser in den See, und auch durch in der Nähe befindlichen Minen gelangen viele Schwermetalle und Schadstoffe ins Wasser, die aufgrund der fehlenden Abflüsse und der Verdunstung im See zurück bleiben. Die Verschmutzung und auch verstärktes Abfischen haben eine starke Reduzierung des Fischbestandes, darunter Forellen und Lachse, eine Welsart namens Suche und einigen andere Fischarten, zur Folge; Neben den Fischen ist der See die bedrohte Heimat vieler Entenarten, Reiher, Ibise, Kormorane und des Titicaca-Frosches, der bis zu 1000 Gramm schwer wird. Wir halten kurz an einer Stelle an, wo wir ganz nah bis auf ein paar Meter an der peruanische Grenze sind und nochmals einen grandiosen Blick zurück über den Winaymarka-See haben.

Sonnenuntergang über dem Hafen von Copacabana Blick auf die Bucht von Copacabana

Auf der anderen Seite fällt der Höhenrücken, dem wir bislang gefolgt sind, steil zu einer Ebene ab, an dessen Rand man in einer kleinen Bucht schon die Ortschaft Copacabana erkennen kann, die gerade von der warmen Abendsonne angeleuchtet wird. In steilen Kehren fahren wir hinab in die Ebene und erreichen bald die ersten Häuser von Copacabana. Durch enge Gassen, die trotz Dämmerung noch zahlreich bevölkert sind, schlängelt sich der Bus, bis wir endlich unser Hotel, das Hotel Rosario del Lago, ganz in der Nähe des Hafens gelegen, erreichen. Dieses Hotel wurde schon kurz auf der La Paz-Seite beschrieben, es ist im toskanischen Stil erbaut und hat schöne und gemütlich eingerichtete Zimmer mit wundervollem Seeblick. Das Personal ist überaus freundlich und hilfsbereit, im Aufenthaltsraum gibt es kostenlosen Internetzugang mit freiem Blick auf den Hafen von Copacabana, in unserem Fall mit einem traumhaften Sonnenuntergang. Nach diesem anstrengenden, aber vor allem kulturell sehr interessanten Tag genießen wir das gute Abendessen, es gibt Rindsteak mit Quinoa und Gemüsebeilagen, und ein gutes, kühles Cerveza. Bald schon fallen wir müde und zufrieden ins Bett, und freuen uns auf einen neuen, erlebnisreichen Tag am Titicacasee.

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