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Marais, das jüdische Stadtviertel von Paris

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Wir hatten uns gefragt, ob wir im Stadtviertel Marais wohnen möchten, denn Marais bedeutet nicht anderes als Sumpf. Doch trotz dieses wenig einladenden Namens ist Marais heute ein ausgesprochen gefragter Stadtteil und einer der teuersten dazu. Geprägt wird das Viertel durch vornehme Stadtpaläste und durch Gassen mit jüdischen Händlern.

Das erklärt sich aus der Geschichte des Marais. Früher war hier eine wenig einladende Sumpflandschaft am Rande von Paris. Im Spätmittelalter begann man mit der Trockenlegung des Gebietes und damit begann auch der Aufstieg dieser Gegend. Immer mehr Adelige ließen hier ihre Stadtpaläste errichten. Doch nach dem Bau von Versailles und dem Umzug des Könighauses dorthin folgten viele Aristokraten und der Marais erlebte einen Niedergang. Die Gegend entwickelte sich immer mehr zu einem Handwerker- und Tagelöhnerviertel und gleichzeitig war es das jüdische Viertel der Stadt.

Die Straßen und Plätze des Marais

Nachdem es in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz gestellt und weitgehend saniert wurde, erlebte das Viertel eine neue Renaissance. Heute ist es eine lebendige Ecke, in der prächtige Bauten zu finden sind und auch noch viele jüdische Einflüsse existieren. Wer hier mit offenen Augen durch die Straßen geht, wird unvergessliche Eindrücke finden. Liebhaber der koscheren Küche kommen hier auch auf ihre Kosten, zahlreiche Geschäfte und Restaurants bieten traditionelles jüdisches Essen.

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Für uns gab es praktisch auf jedem Meter interessante und manchmal auch etwas skurrile Dinge zu sehen. Wir merkten oft, dass wir uns im jüdischen Viertel von Paris befanden. Manchmal begegnete uns ein orthodoxer Jude in der typischen Tracht und mit den Stirnlocken, die kleinen Läden erinnerten an alte Zeiten und in den Gaststätten und Cafés gab es koscheres Essen. Dazwischen fand sich – genau wie in Israel – der eine oder andere Imbiss mit arabischen Gerichten wie Falafel o.ä. Ein klein wenig fühlten wir uns, wie in den Orient versetzt.

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Etwas erstaunt waren wir jedoch darüber, dass der zentrale Platz im Marais, der Place des Vosges, als der schönste von Paris bezeichnet wird. Vielleicht lag es an dem grauen Wetter, dass bei unserem Besuch herrschte, aber wir konnten diese Einschätzung nicht teilen. Sicher ist der Platz mit seinen herrschaftlichen Häusern sehr ansehenswert, aber der schönste...?

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Der Place des Vosges ist völlig auf Symmetrie ausgerichtet. Im Karree stehen hier 36 identische Häuser, aus denen nur zwei im wahrsten Sinne des Wortes herausragen – der Pavillon des Königs und der der Königin. Während alle anderen Häuser zweistöckig sind - mit roten Ziegelsteinfassaden und schwarzen Schieferdächern – sind diese beiden um einiges höher. Das ließen sich die Herrscher nicht nehmen, schließlich konnten sie sich nicht auf eine Stufe mit den anderen Adligen stellen. Zu denen gehörten immerhin so bekannte Namen wie Richelieu, der „grauen Eminenz“ Ludwig XIII.

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An den Häusern findet man Arkaden, unter denen man selbst bei Regen im Trocknen blieb und bleibt. Nach der französischen Revolution verkamen die Häuser am Platz immer mehr. Bekannte und berühmte Persönlichkeiten wohnten trotzdem hier, so z.B. der Krimiautor Georges Simenon und der Schriftyssteller Victor Hugo.

Die Museen des Marais

Im Marais sind einige Museen zu finden, darunter direkt am Place des Vosges das ehemalige Wohnhaus von Victor Hugo, in dem heute ein Museum zu seinem Leben und Schaffen eingerichtet ist. Der Eintritt zum Maison de Victor Hugo ist frei. Der Schriftsteller, der vor allem durch seine Werke „Die Elenden“ und „Der Glöckner von Notre Dame“ berühmt wurde, lebte hier von 1832 bis 1848.

Wir fanden das Museum ganz interessant, aber man sollte schon einiges von Hugo gehört haben, um die Exponate würdigen zu können. Darunter befinden sich Originalmanuskripte, persönliche Gegenstände und sogar Gemälde, die Victor Hugo selbst malte. Interessant ist auch der mit zahlreichen asiatischen Kunstwerken ausgestaltete Raum.

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Das Hôtel Salé gehörte einst dem königlichen Salzsteuereintreiber – so etwas gab es damals. Heute befindet sich in dem Gebäude das Musée National Picasso. Hier kann man einige hundert Werke des berühmten Künstlers bewundern – Gemälde, Keramiken und Skulpturen. Außerdem gibt es Dokumente und Fotos über das Leben von Picasso zu sehen.

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Etwas sonderbar war die Weise, wie das Museum zu den Kunstwerken kam. Damals wurde ein Gesetz erlassen, nachdem man seine Erbschaftssteuer auch mit Kunstwerken entrichten konnte. So gelangte die Stadt Paris nach dem Tod Picassos 1973 an die Kunstwerke und beschloss, den Palast für das Museum umzubauen.

Das Pariser Stadtmuseum ist ebenfalls in Palästen zu finden, nämlich in zwei benachbarten ehemaligen Adelspalästen. Die Stadtgeschichte von der Frühzeit bis zum 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, wird im Hôtel Carnavalet gezeigt. Im Hôtel Le Peletier de Saint Fargeau zeigt man die Geschichte der Stadt von der Französischen Revolution bis zur Neuzeit. In beiden Museumsgebäuden sind einige interessante Exponate zu finden, so der Nachbau einer Guillotine, die während der Revolution traurige Berühmtheit erlangte, oder Briefe mit beeindruckenden Einblicken über die gesellschaftlichen Verhältnisse am Hof des Sonnenkönigs.

Gleichfalls im Marais kann man noch das Musée de la Chasse et de la Nature mit einer Sammlung zur Geschichte der Jagd besuchen. Ob das Museum mit seinen vielen ausgestopften Tieren und einer Waffensammlung unbedingt zu den Favoriten gehört, möchten wir aber bezweifeln. Dagegen ist das Musée Cognacq-Jay sicher sehenswert. Hier wird eine Sammlung wertvoller Gemälde aus dem 18. Jahrhundert gezeigt. Außerdem ist die Inneneinrichtung mit Möbeln, Porzellan und anderen Sachen aus den vergangenen Jahrhunderten interessant.

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Wie sollte es anders sein, im jüdischen Viertel von Paris gibt es natürlich auch ein Jüdisches Museum. Im Hôtel de Saint-Aignan wurde 1998 das Musée d´Art et d´Histoire du Judaisme eröffnet. Die interessante Ausstellung reicht von Gegenständen des jüdischen Lebens – wie mittelalterliche Grabsteine, Thora-Rollen, jüdische Leuchter u.v.a, - bis zu bedeutenden geschichtlichen Ereignissen. So kann der Holocaust nicht ausgegrenzt werden, aber auch die Affaire um den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus wird hinterfragt. In einem modernen Anbau gibt es Werke moderner jüdischer Künstler zu sehen.

Speziell zum Thema Holocaust gibt es aber auch ein eigenes Museum, das Mémorial de la Shoah. Es gilt als das größte Museum in Europa zu diesem Thema. Besonders beeindruckend sind die Marmorwände, auf denen die Namen von 76.000 Juden eingraviert wurden. Es sind die Namen der Menschen, die während der deutschen Besatzung in Vernichtungslager deportiert wurden. Ebenso beeindruckend ist die „Mauer der Gerechten“. Hier sind die knapp 3000 Franzosen gewürdigt, die durch ihr mutiges Eintreten viele Juden retteten.

Die Paläste des Marais

Im historischen Hôtel de Soubise ist das Historische Museum untergebracht. Das Palais ist sehr eindrucksvoll, das Musée de l´Histoire de France leider eher nicht. Die Schriftstücke über wichtige Ereignisse der französischen Geschichte sind für den Betrachter nicht übermäßig interessant, es sei denn, er ist Spezialist und beschäftigt sich intensiv damit.

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Dafür ist das Palais mit seinem gartenähnlichen Innenhof sehr sehenswert. Das Gebäude aus dem Jahre 1705 ist, wie die anderen Paläste im Marais auch, prunkvoll und mit wertvollem Interieur ausgestattet. Zu sehen ist eine prächtige Einrichtung im Stil des Rokoko sowie Gemälde und reich verzierte Räume. Durch ein Pristyl mit 56 Säulen ist das Palais mit dem Nationalarchiv verbunden.

Zwei der Paläste im Marais liegen eng beieinander, obwohl sie sehr verschieden erscheinen. Das Hôtel de Sully ist einer dieser prächtigen Stadtpaläste mit stark verzierten Fassaden. Im öffentlichen Teil des Gebäudes sind unterschiedliche und wechselnde Fotoausstellungen zu sehen. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss eine Buchhandlung. Schön ist der Garten des Palastes mit der Orangerie. Vom Garten hat man einen direkten Zugang zum Place des Vosges.

Das Hôtel de Sens ist schon etwas Besonderes, es gehört zu den zwei noch erhaltenen Palais aus dem Spätmittelalter und unterscheidet sich somit von den übrigen Palästen. Sein Baustil ist schlichter und hat eher den Charakter einer Burg bzw. Festung. Der Grundriss des Gebäudes ist zeitgemäß unregelmäßig. Im Palais ist heute die Bibliothek Forney untergebracht. Auch zu diesem Palast gehört ein kleiner Garten.

Das Centre Pompidou, das Pariser Mekka der Kunst

Der französische Präsident Georges Pompidou war es, der den Bau eines Museums für die moderne Kunst initiierte. So wollte er sich ein Denkmal setzen, was ihm ohne Zweifel auch gelungen ist. Das Zentrum für Kreativität und moderne Kunst wurde schließlich nach ihm benannt. Ob das Bauwerk allerdings gelungen ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Zur Eröffnung 1977 reichten die Stimmen von Begeisterung bis zur totalen Ablehnung.

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Wir bekennen, das Gebäude hat für uns etwas faszinierendes, obwohl es eigentlich potthässlich ist. Durch die außen angebrachten Rohre und Rolltreppen entsteht eher der Eindruck einer Fabrikanlage, weniger der eines Museums. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass man solch ein Gebäude nicht gewohnt ist. Zumindest war der Trick mit dem Verlegen der Rohre und Rolltreppen genial, denn so entstand viel mehr Platz für Ausstellungsflächen. Insgesamt 90.000 m² sind auf diese Weise für die Kunstobjekte vorhanden.

Der Unmut vieler Pariser über das kubusförmige Gebäude von 166 Metern Länge und 42 Metern Höhe hatte auch damit zu tun, dass man in einem der ältesten Viertel der Stadt zahlreiche alte Häuser für die Baufläche abreißen musste. So war für sie der Anblick des Monstrums aus Glas und Stahl nur schwer zu ertragen, zumal eine Vielfalt an Farben dazukam, die ebenfalls ungewohnt war. Die außen liegenden Leitungen und Rohre zeigen ihren Zweck durch die Farbe an, so sind die Elektroleitungen gelb, die Wasserleitungen blau, die Lüftungsschächte ebenfalls blau und die Aufzüge rot.

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Der Hauptschwerpunkt im Gebäude ist das Musée d´Art Moderne, außerdem sind noch Veranstaltungsräume, Kinosäle sowie eine große Bibliothek vorhanden. Das Museum verfügt über eine der wichtigsten Sammlungen moderner Kunst weltweit. Mehr als 60.000 Werke von 1905 bis heute gehören zum Bestand, allerdings kann immer nur ein Teil gezeigt werden. Die Namen der ausgestellten Künstler sind das Who is Who in der modernen Kunst. Andy Warhol, Marc Chagall, Dali, Picasso und Magritte sind nur einige der weltbekannten Meister, die hier vertreten sind.

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Was wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten, waren die Rolltreppen, die außen an der Fasasade verlaufen. Man fährt durch Plexiglastunnel und hat so einen hervorragenden Blick über Paris. Dieses Erlebnis gönnten wir uns einfach mehrmals. Man kann auch das Gebäude besichtigen, ohne das Museum zu besuchen. Ob so oder so, das Restaurant auf der Dachterrasse ist auf jeden Fall eine Abstecher wert.

Von den oberen Etagen des Centre Pompidou hat man auch einen guten Blick über den Vorplatz, der tagsüber meist belebt ist. Hier stellen Straßenkünstler ihre Werke aus, Akrobaten zeigen Kunststücke und Musiker geben eine Kostprobe ihres Könnens – aber manchmal auch ihres Nichtkönnens. Einige Meter weiter ist der Strawinsky-Brunnen zu finden, der mit seinen bunten Figuren so richtig zum Centre passt. Manchmal wird er auch Tinguély-Brunnen genannt, nach dem Schöpfer des Wasserbeckens. Seine Lebensgefährtin - Niki de Saint-Phalle, die durch ihre prallen Frauenfiguren bekannt wurde – schuf die teilweise beweglichen Skulpturen im Brunnen.

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