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Kopenhagen: Unterwegs in Christianshavn

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Christianshavn ist in mancher Beziehung eine Kopenhagener Besonderheit. Bei der Bootstour auf den Kanälen des Viertels fühlt man sich etwas wie in Amsterdam. Auch der Blick von den Brücken auf das Wasser mit den schmucken Häusern am Ufer hat diesen holländischen Flair. Dabei ist Christianshavn auf der Insel Amager am Rande Kopenhagens noch nicht besonders alt. Auf Geheiß Christians IV. begann man 1618 mit dem Bau des Viertels, in dem vorrangig Kaufleute und Seeleute ihr Zuhause fanden. Im Zuge der großen wirtschaftlichen Entwicklung Kopenhagens sollte Christianshavn die Bedeutung der Stadt ausweiten. Das wurde auch ein voller Erfolg, während die andere Mission, die Verteidigung der Stadt durch starke Befestigungsanlagen am Rande der Insel, misslang.

Nach einem Tief im 19. Jahrhundert, in dem Christianshavn zum Arme-Leute-Viertel wurde und immer mehr verfiel, präsentiert es sich heute als ausgesprochen schmucker Stadtteil mit wundervoll restaurierten Häusern und zahlreichen kleinen schmalen Gassen mit sanierten Häuschen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Kopenhagens vielleicht ungewöhnlichste Kirche, die Vor Frelsers Kirke, steht hier und auch die Christianskirche ist einen Besuch wert. Am Hafengelände sind in alten Speichergebäuden u.a. das Dänische Architektur Zentrum sowie das beste Restaurant der Welt – das Noma – untergebracht. Ein interessanter Neubau ist das Gebäude der Oper direkt am Wasser und mit Blick zum Neuen Theater und der Einfahrt zum Nyhavn.

Von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten Kopenhagens hebt sich Christiania ab und fällt aus dem Rahmen der üblichen Highlights. In der „Freien Republik“ tummeln sich Alternative und Alt-Hippies. Auch wenn hier inzwischen der Kommerz nicht ganz außen vor geblieben ist, so lohnt doch ohne Zweifel ein Besuch dieses Aussteiger-Paradieses, einfach um sich von dieser Lebensform ein Bild zu machen.

Vor Frelsers Kirke, die Erlöserkirche

Der Besuch der Vor Frelsers Kirke – der Erlöserkirche – war für uns ein herausragendes Erlebnis bei der Tour durch Kopenhagen. Wir sind sicher, auch anderen wird es so gehen. Den Turm der Erlöserkirche kann man besteigen, doch das ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Das Besondere ist jedoch, dass der Aufstieg im letzten Teil des Turmes an der Außenseite auf einer Wendeltreppe in luftiger Höhe erfolgt. Wir haben es gewagt und würden ob der ausgefallenen Aussichten jederzeit wieder hinaufsteigen. Schwindelfrei sollte man dabei aber schon sein.

Der Turm der Erlöserkirche mit der Außentreppe Aufstieg auf der Außentreppe Der Innenraum der Erlöserkirche

Das erste Stück des Aufstiegs verläuft im Inneren des Turmes über 350 Stufen bis zu einer Plattform. Ab der geht es dann über 150 Stufen unter freiem Himmel in mehreren Umrundungen bis zur Spitze des Turmes in 90m Höhe. Wobei man genau genommen nicht bis zur vergoldeten Spitze gelangt, denn aus der relativ breiten Wendeltreppe wird zuletzt ein schmaler Steg, in dem selbst Kinder Gefahr laufen, stecken zu bleiben. Die Treppe hört dann einfach auf, eine Plattform oder einen ähnlichen Aussichtspunkt gibt es nicht – und das ist das problematische an der Sache. Die Anzahl der Personen, die aufsteigen können, wird nämlich nicht geregelt. So strömen von unten immer mehr Leute hinauf, oben wird es immer enger und irgendwann geht es weder vor noch zurück. Wir hatten einige Überzeugungskunst zu leisten, um wieder hinunter zu kommen. Den Turm sollte jeder, der es sich zutraut, besteigen. Solch ein Erlebnis bekommt man nicht jeden Tag. Wir würden aber raten, dazu eine relativ frühe oder späte Stunde zu wählen, wenn der Ansturm etwas gemäßigter ist.

Detail des Marmoraltars Das Taufbecken der Erlöserkirche Figuren am Taufbecken

Die Erlöserkirche ist nicht nur wegen ihres weithin sichtbaren markanten Turmes interessant, auch das Innere des Gebäudes lohnt einen intensiveren Besuch. Auffällig und auch ungewöhnlich ist der 1732 eingeweihte Marmoraltar. Die Figuren des Altars zeigen Jesus und die Jünger im Garten Gethsemani am Abend des Gründonnerstag. Sehenswert ist auch das Taufbecken mit zahlreichen Engelsfiguren. Die Orgel von 1698 ist eindrucksvoll und soll eine der am meisten fotografierten der Welt sein. Im drei Etagen hohen Gehäuse befinden sich die ältesten Orgelpfeifen Kopenhagens, nämlich noch die Originale von 1698.

Die barocke Erlöserkirche war das erste große Bauwerk, das Christian V. als absolutistischer Herrscher errichten ließ. Sein Monogramm ist an vielen Stellen der Kirche zu finden, genauso wie zwei Elefanten neben der Orgel. Der Elefantenorden erhielt durch Christian V. herausragende Bedeutung im dänischen Königsreich.

Die Orgel der Erlöserkirche

Die Kirche wurde 1696 nach fast 20 Jahren Bauzeit eingeweiht. Wegen des schwierigen Untergrundes in Christianshavn, der erst dem Meer abgetrotzt wurde, mussten aufwändige Fundamente gesetzt werden. Das Kirchengebäude mit dem Grundriss eines gleichseitigen Kreuzes mit Eckkapellen ist mit 36m Höhe größer als der berühmte Runde Turm. Der außergewöhnliche Kirchturm kam erst viel später dazu, eigentlich war er gar nicht geplant. Im Jahre 1752 erfolgte die Einweihung des Turmes, dessen Spitze aus Eichenholz besteht und die dadurch bei stärkerem Wind schwankt - sehr zum Gaudi der Besucher, die bei solcher Wetterlage oben sind. Am Turm ist viel Gold zu finden, sowohl das Geländer der Außentreppe als auch die Spitze – ein Globus mit Christusfigur – sind vergoldet.

Christians Kirke, die Christianskirche

Mit der Originalität und dem Schauwert der Erlöserkirche kann die Christianskirche bei weitem nicht mithalten, auch mit bedeutenden Kunstwerken ist sie weniger gesegnet. Trotzdem braucht man sie nicht links liegen zu lassen, die Kirche ist durchaus sehenswert und befindet sich in einem interessanten Umfeld aus alter Architektur und futuristischen Bauten.

Die Christianskirche Christianskirche und Büro-Neubauten

Errichtet wurde die Christianskirche mit ihrem markanten Turm im Rokoko-Stil und im Jahre 1759 eingeweiht. Der Innenraum ist viel schlichter als der prachtvolle der Erlöserkirche, trotzdem hatten wir nicht bereut, einen Blick hinein geworfen zu haben. Was uns aber ganz speziell beeindruckte, war die originelle Kombination der Kirche mit den modernen Büro-Neubauten. Besonders vom „Schwarzen Diamanten“, dem modernen Anbau der Königlichen Bibliothek, bietet sich ein wunderbarer Blick zur Silhouette mit der Christianskirche und den Büros am anderen Ufer.

Orlogsmuseum, das Schifffahrtsmuseum

In der Nähe der Erlöserkirche und der Freien Republik Christiania befinden sich schmucke Häuser, bei denen man kaum vermuten würde, dass sie einmal als Staatsgefängnis dienten. Errichtet wurden sie allerdings als Marinehospital, nicht ohne Grund in Christianshavn, der künstlich geschaffenen Insel, auf der vorrangig Seeleute wohnten. Heute ist in dem 1781 errichteten Gebäude das Königlich-Dänische Schifffahrtsmuseum untergebracht.

Ausstellungsstück im Orlogsmuseum Schiffsmodell im Orlogsmuseum

Mit unserer Copenhagen-Card hatten wir auch hier freien Eintritt. Wenn wir am Anfang auch etwas skeptisch waren, was die Ausstellung betrifft, so wurden wir eines Besseren belehrt. Auf mehreren Etagen sind zahlreiche Objekte, Anschauungstafeln und Schiffsmodelle ausgestellt. Auch wer sich nicht übermäßig für die Seefahrt interessiert und nicht so in der Materie steht, kommt hier doch auf seine Kosten – zumal die Beschriftungstafeln zwar nicht in Deutsch, aber neben Dänisch auch in Englisch geschrieben sind. Mit einigen Grundkenntnissen in Englisch versteht man die Bedeutung der Objekte.

In der Ausstellung wird die dänische Seefahrt-Geschichte ab dem Jahre 1669 gezeigt. In großen Modellanlagen sind die wichtigen Seeschlachten dargestellt, an denen Dänemark beteiligt war. Besonders für Kinder dürfte ein Extra-Komplex im Museum zur Geschichte der Piraterie sein. Piraten und alles was dazu gehört, sind für Kinder ja immer ein Magnet. Die Öffnungszeiten sind allerdings doch sehr eingeschränkt. Geöffnet ist täglich von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr, montags ist geschlossen.

Die Oper, ein futuristischer Neubau in Kopenhagen

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An Kopenhagens neuem Opernhaus scheiden sich die Geister. Das ist sicher nicht verwunderlich, wenn man erfährt, dass dieses Gebäude ein Geschenk des reichsten Dänen und Unternehmers Arnold Peter Møller an die Stadt Kopenhagen war – immerhin ein Geschenk im Wert von 335 Millionen Euro. Allerdings durfte dafür die Stadtverwaltung von Kopenhagen nicht mitreden und auch der Architekt musste sich dem Diktat des Spenders beugen. So gibt es einige Punkte an dem Haus, die eigentlich anders geplant waren.

Das Opernhaus

Entstanden ist ein futuristischer Bau mit 41.000m² Fläche und rund 1000 Räumen. Im großen Zuschauersaal haben 1500 Menschen Platz. Auch bei der Innengestaltung wurde nicht gespart, eine Deckenverkleidung aus Blattgold, sizilianischer Marmor im Foyer und mit Ahornholz verkleidete Wände zeigen Luxus pur. Wie man auch zu dem Ergebnis steht, das Opernhaus fällt auf jeden Fall auf, nicht zuletzt wegen der exponierten Lage gegenüber von Schloss Amalienborg.

Das im Jahre 2005 eröffnete Haus hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem viel besuchten Wahrzeichen Kopenhagens entwickelt. Wer das Gebäude nicht nur vom gegenüberliegenden Ufer betrachten möchte, nimmt am besten den Wasserbus, der vom Hotel Nyhavn in wenigen Minuten zur Oper pendelt. Allerdings kann man es meistens nur von außen bewundern. Wer keine Opernaufführung besucht, kann zumindest drei Stunden vor Beginn der Vorstellung ins Foyer. Ansonsten bleibt nur eine der vier Führungen am Wochenende.

Die Freie Republik Christiania

Wir waren ziemlich gespannt, denn schließlich kommt man nicht alle Tage in eine alternative „Freie Republik“. Sicher, auch die Bewohner müssen sich an die wichtigsten Gesetze des dänischen Staates halten. Doch ansonsten herrscht hier eine Selbstverwaltung des Alltags. Einkaufsmöglichkeiten, Kindergarten, die Instandhaltung von Versorgungseinrichtungen, Straßenreinigung, Müllabfuhr und noch einiges mehr regeln die Bewohner unabhängig von der Stadtverwaltung. Autos sind hier nicht zugelassen, der Verkehr läuft ausschließlich per Fuß oder – in Kopenhagen eigentlich unvermeidlich – per Fahrrad. Sogar ein eigener Fahrradtyp, das dreirädrige Christiania Bike, wurde hier kreiert.

Haus in Christiania Haus in Christiania Kunstwerk in Christiania

Grundlage der „Freien Republik Christiania“ war ein ehemaliges Armeegelände, das nicht mehr genutzt und 1971 von Hippies und Studenten besetzt wurde. Zwei Jahre später gab die dänische Regierung ihr OK für dieses Experiment, wenn auch zähneknirschend. An Versuchen, den Status Christianias aufzulösen, fehlte es in der Folge nicht, doch bisher wurden alle diese Versuche abgeblockt. Die Kopenhagener haben eine große Sympathie für dieses soziale Experiment, etwa 7 % der Einwohner votierten für die Beibehaltung der „Freien Republik“.

Inzwischen wohnen in Christiania rund Tausend Leute, nicht mehr ausschließlich Aussteiger, sondern auch Ärzte, Rechtsanwälte oder andere Akademiker sowie Künstler, die seit ihren Studentenzeiten hier wohnen und nicht mehr fort wollen. Das stärkt die Position der basisdemokratisch funktionierenden „Regierung“ Christianias und sichert den Rückhalt in der übrigen Bevölkerung.

Hausflur in Christiania Treppenhaus in Christiania Fenster in Christiania

Als wir den bunt bemalten Torbogen an der Prinsessegade durchschritten, fühlten wir uns in eine andere Welt versetzt. Ein wenig erinnerte uns das Gelände an die Abrissviertel in einigen deutschen Städten. Doch hier in Christiania herrschte ein überaus reges Leben, wobei ein Großteil des Betriebes durch die zahlreichen Touristen kommt, die es sich nicht nehmen lassen, das alternative Viertel zu besuchen. Inzwischen haben sich die Bewohner weitgehend damit arrangiert. Die Touristen werden zumindest geduldet und nicht weiter beachtet. Ob sie allerdings gern gesehen sind, wagen wir zu bezweifeln. Zumindest was den Großteil der Bewohner Christianias betrifft, denn einige haben die Zeichen der Zeit erkannt und verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit den Besuchern. Die Toleranz geht inzwischen so weit, dass samstags und sonntags 15.00 Uhr Gruppenführungen durch das Gelände organisiert werden. Auch individuelle Führungen sind möglich, allerdings nur im Juli und August.

Kunstgalerie in Christiania Bewohner von Christiania

Gleich am Anfang des Geländes lockte uns ein mit Graffiti verziertes Gebäude, in dem eine Galerie untergebracht ist. Der Aufstieg durchs dunkle Treppenhaus, in dem kein freies Fleckchen ohne Graffiti-Verzierungen zu finden war, gab uns einen ersten Eindruck dieser Aussteiger-Welt. Doch die Galerie selbst hatte dann damit relativ wenig zu tun. Hier bieten Künstler ihre Gemälde und andere Arbeiten an – und das zu durchaus "bürgerlichen Preisen". Unter 2000 Euro war keines der Gemälde zu erhalten, das Gros bewegte sich zwischen 4000 und 7000 Euro.

Je weiter wir auf das Gelände vordrangen, desto interessanter wurden die Umgebung und auch die Leute. Neben viel Grün gibt es hier vom ehemaligen Eisenbahnwaggon über Holzhütten bis zu mehrstöckigen Steinhäusern die verschiedensten Arten von Unterkünften. Die meisten sind bunt bemalt oder zumindest mit großflächigen Graffiti verziert. Dazwischen haben Künstler originelle Kunstwerke platziert.

Im eigentlichen Zentrum Christianias stießen wir auf große Verbotszeichen mit dem Hinweis „No Photos“, was uns nun wirklich überhaupt nicht begeisterte. Allerdings war uns recht bald klar, warum überall diese Verbotsschilder hingen. An der sogenannten „Pusher Street“, einem Hauptweg im Zentrum der „Freien Republik“, stehen Straßenhändler mit Angeboten, die garantiert nicht per Kamera festgehalten werden sollen. Wer möchte, kann hier kleine Plastiktüten mit Haschisch oder anderen Rauschgiften erwerben oder sich eine Marihuana-Pflanze im Blumentopf mitnehmen.

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