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Tour nach Malbork, Besichtigung der Marienburg

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Ein weiterer Ausflug in die Umgebung Danzigs sollte uns nach Malbork führen, der kleinen Stadt mit der Marienburg, der größten mittelalterlichen Burganlage Europas. Wir hatten viel von diesem Hauptsitz des Deutschen Ordens gehört und wollten uns die Gelegenheit der Erkundung nicht entgehen lassen. Die Voraussetzungen für einen Besuch sind von Danzig aus sehr günstig. Mit dem Auto muss man mit rund einer Stunde Fahrtzeit rechnen. Teilweise führt die Strecke über die Autobahn, die gebührenpflichtig ist. Der Betrag ist gering, deshalb sollte man möglichst Kleingeld dabei haben. Mit der Eisenbahn beträgt die Fahrtzeit vom Danziger Hauptbahnhof zum Bahnhof Malbork ebenfalls etwa 1 Stunde.

Besuch der Marienburg

In Malbork angekommen hatten wir vom Bahnhof zur Burg in gemütlichem Tempo etwa 10 Minuten zu laufen. Viel gab es unterwegs nicht zu sehen, das Stadtzentrum Malborks ist nett anzusehen, doch ohne Highlights. Das Interessanteste war sicher die Statue eines polnischen Königs am Marktplatz. An der Marienburg angekommen, merkten wir sofort, dass hier ein Schwerpunkt des Tourismus ist. Der Vorplatz war von Händlern und Imbissständen besiedelt. Die Händler boten vorrangig mittelalterliche Waffennachbildungen und Schilde aus Holz an, außerdem konnte man Kleidung der Ordensritter kaufen – auch das natürlich als Nachbildung.

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Die Marienburg ist wirklich beeindruckend, der Titel als größte mittelalterliche Burganlage Europas ist berechtigt. So sollte man auf jeden Fall genügend Zeit mitbringen, um die Burg ausreichend zu erkunden. Wir waren vier Stunden in den Burganlagen unterwegs, vier Stunden, die sich lohnten. Langweilig wurde es nie und kürzer hätte die Zeit nicht sein dürfen. Beim Erwerb der Eintrittskarten besteht die Bedingung, entweder an einer Führung teilzunehmen oder einen Audioguide mitzunehmen. Zwar gab es Führungen in Deutsch, doch dann hätten wir noch relativ lange warten müssen. So entschieden wir uns für den Audioguide und haben das nicht bereut. Die Geräte waren von der neueren Generation, auf einem kleinen Monitor konnten wir die besprochenen Räume und Objekte im Bild sehen. Bei unserer Tour durch die Burg merkten wir auch, dass es durchaus sinnvoll ist, dass kein Besuch ohne Führung oder Audioguide möglich ist. Die Anlage ist so groß und voller sehenswerter Sachen, dass man ohne diese Unterstützung verloren gewesen wäre.

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Eine wunderschöne Sicht auf die Burganlage hat man vom Ufer der Nogat, eines Mündungsarmes der Weichsel. Von hier aus liegt die Marienburg in ihrer ganzen Größe vor dem Betrachter. Eine Brücke führt von der Burg über den Fluss, so dass man diese Aussichtspunkte in wenigen Minuten erreicht. Wir hatten dafür die Zeit nach dem Burgbesuch gewählt, denn am Nachmittag liegt diese Seite der Marienburg in der Sonne – das entsprechende Wetter natürlich vorausgesetzt.

Übrigens lohnt auch ein kurzer Abstecher zur St. John´s Kirche, die nur wenige Meter neben den Mauern der Marienburg steht. Sicher, besondere Kunstschätze findet man hier nicht und gegen die Sehenswürdigkeiten der Marienburg hat die Kirche nicht allzu viel dagegen zu setzen. Interessant ist die Kirche und ihr Inneres aber doch.

Die Geschichte der Marienburg

Die Kreuzzüge ins „Gelobte Land“ brachten auch mehrere geistliche Ritterorden hervor, die Johanniter, die Templer und den Deutschen Orden, der in der ersten Anfangszeit seinen Hauptsitz in Venedig hatte. Nach der Eroberung und Christianisierung Preußens zog der Orden mit seinem Hochmeister in die Marienburg an der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, um. Um 1280 entstand die Anlage, die damals noch kleiner war. Es war vorerst ein viereckiges Kastell, die Hochburg, an das um 1310 das Mittelschloss und Ende des 14. Jahrhunderts der Palast des Hochmeisters angebaut wurden.

Nach diesem weiteren Ausbau galt die Marienburg als größte Backsteinburg weltweit und als uneinnehmbar. Insgesamt erstreckten sich die Burganlagen über 20 Hektar. Die Verteidigungsanlagen waren ausgeklügelt und raffiniert, so ließ sich jeder einzelne Burgteil separat verteidigen. Fallgitter an den Durchgängen und den Toren, Wehrgänge mirt Schießscharten und Pechnasen ließen Angreifern kaum eine Chance. Erobert wurde die Marienburg tatsächlich nicht, doch trotzdem ging sie 1457 in den Besitz der polnischen Könige über. Der Preußische Bund, in dem mehrere preußische Städte vereint waren, kämpfte im sogenannten Dreizehnjährigen Krieg gegen den Deutschen Orden. Der Orden ließ die Marienburg von Söldnertruppen verteidigen, konnte diese aber schließlich nicht mehr bezahlen. Der Chef der Söldner verkaufte deshalb die Burg an den polnischen König Jagiello. Der noch auf der Bug weilende Hochmeister des Ordens musste diese verlassen, die Burg wurde an den polnischen König übergeben.

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Die Stadt Marienburg – auf polnisch Malbork – die auch der Burg ihren Namen gegeben hatte, wurde erst drei Jahre später von polnischen Truppen erobert. Als Ergebnis des Dreizehnjährigen Krieges wurde das Ordensland geteilt. Der westliche Teil mit Danzig unterstellte sich der Oberherrschaft Polens, der östliche Teil verblieb beim Deutschen Orden. Der verlegte im Zuge dieser Teilung seinen Hauptsitz von der Marienburg nach Königsberg.

Die Marienburg wurde nun der Sitz hoher polnischer Beamter und Wohnsitz der polnischen Könige bei einem Aufenthalt in Pommern. Im 16. Jahrhundert richteten schwedische Truppen etliche Verwüstungen an, so brannte u.a. das Dach des Hochschlosses ab. Im Jahre 1772, nach der Teilung Polens, erhielt Preußen die Marienburg und wandelte sie in eine Kaserne um. Als Festung hatte sie im Zuge der modernen Kriegstechnik ausgedient. Die Preußen planten sogar, die Marienburg abzureißen. Glücklicherweise wurden diese Plane aber nicht umgesetzt, es wäre ein wirkliches Kleinod vernichtet worden. Stattdessen begann man mit der Restaurierung der Burganlage, die sich bis zum 2. Weltkrieg hinzog.

Der Wahnsinn der Nationalsozialisten machte auch vor der Marienburg nicht halt. Noch 1945 wurde sie zur Festung erklärt und sollte die heranrückende sowjetische Armee aufhalten. Das gelang natürlich nicht mehr, aber bei den Kämpfen wurden rund 50% der Bausubstanz zerstört. Damit waren ca. 150 Jahre Aufbauarbeit zunichte gemacht. Der polnische Staat begann 1961 mit dem Wiederaufbau, der eindrucksvoll gelang. Heute hat die Marienburg den Status eines Weltkulturerbes der UNESCO.

Die Sehenswürdigkeiten der Marienburg

Auf dem gesamten Gelände der Marienburg gibt es insgesamt 23 Sammlungen aus den Gebieten Architektur, Kunsthandwerk, Geschichte u.a., darunter eine Skulpturensammlung, eine Bernsteinsammlung, eine Militärsammlung und ein Münzkabinett. Unsere Tour durch das umfangreiche Schlossmuseum begann im Hof des Mittelschlosses, an dem sich auch der Palast des Hochmeisters befindet.

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Beeindruckend fanden wir schon diesen Innenhof, auf dem zahlreiche Ritterfiguren aufgestellt sind, die einen kleinen Eindruck von der damaligen Verteidigung geben. Sie sind allerdings neueren Datums, historische Kunstwerke sind dagegen die Skulpturen einger der Hochmeister des Deutschen Ordens, die am Rande des Hofes in einer kleinen Grünanlage stehen. Die Gebäude des Mittel- und des Hochschlosses beeindrucken ungemein, auch wenn man erfährt, dass sie schon zur damaligen Zeit mittels Fußbodenheizung beheizt wurden. Zu sehen gibt es in beiden Gebäudekomplexen ungemein viel, die genauen Beschreibungen würden ein extra Buch füllen können.

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Im Hochschloss als ältester Teil der Anlage, auch Konventhaus genannt, sind zahlreiche Säle zu besichtigen, die wegen ihrer raffinierten Architektur beeindrucken. Der Siebenpfeilersaal und der Dreipfeilersaal sind mit schlanken Säulern ausgestattet, während im Kapitelsaal schwere Rundsäulen aus Granit stehen. In der hochmeisterlichen Gruftkirche St. Annen sind die Portale bemerkenswert und in einer Gruft befinden sich die Gräber mehrerer Hochmeister des Ordens. Der Schlossturm gehört original nicht zu diesem ältesten Bau, er wurde nachträglich eingefügt. Der Turm hat auch keine Verteidigungsfunktion, vielmehr diente er als Glockenturm für die Kirche. Sehr sehenswert ist ebenfalls die Goldene Pforte.

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Das Mittelschloss, das u-förmig um den Innenhof angelegt ist, beeindruckt vor allem mit dem Palast des Hochmeisters. Das gesamte Gebäude wird durch den Großen Flur durchquert, der aus drei verschiedenen Teilen besteht. Das Gemach des Hochmeisters ist heute nicht mehr in der originalen Architektur vorhanden. Die Besonderheit der MeistersKapelle ist ein scharfgratiges Sterngewölbe.

Eine architektonische Meisterleistung sind auch die beiden Rempter, der Winterempter und der Sommerempter. Der Winterempter - ein 12 x 12 m großer und knapp 8m hoher Raum – besitzt eine Fußbodenheizung, die durch einen im Untergeschoss stehenden Ofen beheizt wurde. An den Wänden sind noch einige Bildnisse der Hochmeister zu erkennen. Der Sommerempter ist noch größer, er misst 14 x 14 m und ist fast 10m hoch. Er ist schmucklos gehalten, es sind nur die Wände rot getüncht – die Gewölbe sind weiß gehalten. Auffällig ist der Mittelpfeiler, der scheinbar das gesamte Gewicht der Decke trägt.

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Um diese Säule rankte sich eine Überlieferung, deren Wahrheitsgehalt allerdings nicht bewiesen ist. Zu Zeiten der Belagerung der Marienburg durch die Polen 1410 soll es einen Verrat gegeben haben. Während einer Versammlung wichtiger Ordensführer sollte die tragende Mittelsäule durch eine Kanonenkugel getroffen und dadurch das Gewölbe zum Einsturz gebracht werden. Die Kugel verfehlte den Pfeiler aber knapp und blieb in der Wand stecken. Noch heute ist eine in der Wand steckende Kanonenkugel zu besichtigen. Auch die anderen Räume des Mittelschlosses sind eine Besichtigung wert. Zu ihnen gehören die Großkomturei, die Gastkammern, die Bartholomäuskapelle, die Firmarie und andere.

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Die Türme und Tore der Marienburg sind ebenfalls ausgesprochen beeindruckend. Immerhin 18 Tore und Pforten gehörten zum Gelände der Burg, dazu zahlreiche Türme in der äußeren und inneren Mauerlinie. Das Gelände der Vorburg, wo der Rundgang durch die Anlagen endet, ist noch nicht wieder fertig hergestellt. Hier gibt es für Touristen noch nicht viel zu sehen. Als Fazit konnten wir sagen, dass sich unser Ausflug nach Malbork ohne Zweifel richtig gelohnt hatte. Allerdings sollte man montags auf diese Tour verzichten, dann sind große Teile der Marienburg geschlossen.

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