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Vancouver Island, Victoria und Vancouver

Naturparadies und Ballungsraum

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Zum Abschluss unserer Rundreise durch Britisch Kolumbien besichtigen wir noch die beiden großen Städte Victoria und Vancouver. Und wir nehmen sogar noch eine Walbesichtigung auf in unser Programm.

Station 8: Vancouver Island / Victoria

Über den so genannten Sea-To-Sky-Highway 97, der das Meer mit den Bergen verbindet, ließen wir nun die Welt der Gletscher, Wasserfälle, Bergriesen und Wüsten hinter uns und näherten uns der Bucht von Howe Sound, die mit ihren Fjorden und vorgelagerten Inseln die typische Beschaffenheit der Westkueste Britisch Kolumbiens widerspiegelt. Von Tsawassen, das sich nur einen Kilometer von der Grenze zu den USA befindet, fuhren wir durch die Inside Passage, die inselreichen Gewässer zwischen Festland und Vancouver Island, nach Victoria.

Von Seelöwen bewohnte Felsinsel vor Vancouver Island Jagende Orcas vor der Küste Vancouver Islands

Neben Motorbooten sind hier Wasserflugzeuge die dominierenden Verkehrsmittel, da viele der Siedlungen und Häuser an der zerklüfteten Küste nur über den Wasserweg erreichbar sind. Die in den Klippen gelegenen Häuser erschienen uns als das Nonplusultra dessen, was man in seinem Leben als Behausung besitzen kann. Der Fakt, dass die "zu verkaufen"-Schilder gen Wasser zeigten, machte uns zunächst zwar etwas stutzig, doch da wir uns auf einer ziemlich großen Fähre befanden und Bäume in der Regel keine Häuser kaufen, machte auch dies wiederum Sinn.

Butchart Gardens Vancouver Island: Fontäne in einem der schönsten botanischen Gärten Nordamerikas

In Victoria angekommen, bot sich uns ein sehr freundliches und einladendes Bild mit kleinen Häfen, bunten Häusern und zahlreichen im englischen Stil gehaltenen Gebäuden, darunter auch das pompöse Parlamentsgebäude. Im Sommer sind Kleinkünstler im Stadtbild allgegenwärtig, vor allem im Bereich des Inner Harbour, dem Startpunkt einer ganz besonderen Bootstour; Auf Vancouver Island ist eine Whale-Watching-Tour per Speedboot unbedingt zu empfehlen, denn allein schon das Fahrgefühl auf den Wellen, die bei einer Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern hart wie Beton wirken, ist einmalig.

Nachdem wir in dicke rote Anzüge verpackt worden waren, die uns vor allem vor der Kälte und vorm Ertrinken schützen sollten, entfaltete das Boot von "Prince of Whales" - welch ein Wortspiel - mit 15 Personen besetzt seine ganze Kraft. Zuvor hatte man uns bereits mitgeteilt, dass kurz zuvor einige Orcas gesichtet worden waren, was die Vorfreude umso mehr steigerte. Vorbei an Seehundbänken und Seelöwenfelsen machten wir uns auf den Weg ins offene Gewässer, während der Pilot sein Können bezüglich der uns befördernden Nussschale mittels immenser Sprünge und scharfer Kurven demonstrierte.

'Nur mit Booten und Wasserflugzeugen sind diese Häuser an der Inner Passage zu erreichen. Inner Passage: Blick von der Fähre auf die inselreichen Gewässer vor Vancouver Island.

Plötzlich erschienen zwei Rückenflossen aus der Tiefe des Meeres: zwei jagende Orcas, ließ man uns wissen. Sie verfolgen wir für etwa eine Stunde und naeherten uns ihnen bis auf wenige Meter. Eine gute Idee, jagenden Orcas auf die Pelle zu rücken, dachten wir, zumal wir vor der Fahrt einen Vertrag hatten unterschreiben müssen, in dem es darum ging, dass wir die Tour auf eigenes Risiko antreten. Die allerdings war mehr als nur beeindruckend, schließlich gab es zudem Weißkopfseeadler zu sehen, ganz zu schweigen von den landschaftlichen Impressionen.

Ein weiteres Ziel auf Vancouver Island ist Butchart Gardens, ein über 100 Jahre alter, paradiesisch anmutender, botanischer Garten. Neben Wasserfontänen, Blumen in allen Farben und Themenanlagen wie japanische Gärten gibt es hier auch Sequoia zu sehen, Küstenmammutbäume, die über 100 Meter hoch werden können und zu den höchsten Bäumen überhaupt gehören.

Auch eine Autotour über den Highway durch menschenleeres Areal ist ideal, um die raue Wildnis auf sich einwirken zu lassen, doch Vorsicht, es gibt rund 10.000 Schwarzbären und andere Raubtiere auf Vancouver Island; Einen Abend in Victoria verbringt der erlebnishungrige Tourist im Strathcona Hotel, das mehrere Kneipen und urige Pubs beheimatet. Es ist der perfekte Ort, um Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit den skurrilsten Lebensgeschichten kennen zu lernen.

Vancouver

Nach zweitägigem Aufenthalt in Victoria fuhren wir, zugegebenermaßen etwas wehmütig, auf dem Wasserweg wieder zurück nach Vancouver. Noch einmal zog die geballte Ladung an natürlicher Schönheit an uns vorüber, doch bald schon stellte sich heraus, dass Vancouver, die Großstadt, nicht notwendigerweise einen starken Kontrast darstellte. Zwischen Pazifik und Kaskadengebirge gelegen, ist die Stadt eine ideale Symbiose aus Natur und städtischen Leben, in der beinahe jeder Autofahrer an jeder beliebigen Stelle für einen Fußgänger anhält, um diesen die Straße passieren zu lassen.

Der Bereich der Innenstadt ist sehr überschaubar, das öffentliche Verkehrsnetz sehr gut ausgestattet und bereits nach einem Tag hat man das Gefühl, sich auszukennen. Außerhalb des Zentrums, das immer wieder absolut surreale Aussichten auf Gebirge und Meer bietet, gibt es großflächige Parks, von denen der sehenswerteste der Stanley Park ist. Er offeriert einen einmaligen Blick über den Fraser River und die ihn überspannende, 45 Meter hohe Skybridge, die unter anderem der führerlose Skytrain, einer der zentralen Pfeiler des öffentlichen Verkehrssystems, befährt.

Wildlife am Rande der Großstadt: Ein Reiher blickt auf das Küstengebirge Vancouvers Die Skyline Vancouvers unter wolkenverhangenem Himmel

Neben Stränden (z.B. Sunset Beach im West End) verfügt Vancouver unter anderem über eine Einkaufsmeile (Robson Street), eine Altstadt (Gastown), deren Wahrzeichen die erste Dampfuhr der Welt ist, ein chinesisches Viertel (Chinatown) (die beiden letztgenannten sollten am Abend besser gemieden werden), ein Marktviertel (Granville Island), in dem die erste deutsche Brauerei Britisch Kolumbiens heimisch ist, und das EXPO-Gelände von 1986. Darüber hinaus ist Vancouver das kanadische Zentrum der Musik- und Filmindustrie (in einem Café saß Jean-Claude van Damme und erzählte irgendwem von "the Movies" klang jedenfalls überaus wichtig).

In Vancouver haben wir noch einmal richtig ins Nachtleben gestürzt und uns nach soviel Natur ein Konzert der Band Helmet im Club "The Drink" gegeben. Es war das erste Heavy-Metal-Konzert, bei dem niemand mit Bierflaschen auf der Straße stand und bei dem niemand geraucht hat. Beides ist in Kanada verpönt und gesetzlich nicht erlaubt. Für kulturelle Ereignisse aller Art gibt es in Vancouver ein Veranstaltungsmagazin, das beinahe überall am Straßenrand zu bekommen ist, vorausgesetzt, es ist nicht gerade vergriffen.

Eines der Wahrzeichen Vancouvers: Die erste dampfbetriebene Uhr der Welt Bootshafen Vancouver: Ein beschaulicher Yacht-Hafen vor der polierten Skyline Vancouvers.

Der beste Weg, die Stadt kennen zu lernen ist der, einfach loszulaufen, denn überall gibt es etwas zu sehen; Gekonnt werden hier historische und moderne Gebäude miteinander in Einklang gebracht, was stellenweise erst auf den zweiten Blick auffällt. Auf diese Weise haben wir auch die heiligen Hallen von Rock 101 Vancouver passiert und uns still für die musikalische Unterhaltung bedanken können. Auch für Sportfans hat die Stadt allerlei zu bieten. So ist das BC Place Stadium die Heimstätte der BC Lions (Football) und der GM Palace die der Vancouver Canucks (Eishockey). Als Eishockey-Fan wusste ich, dass die Canucks zur Zeit unseres Aufenthalts ein Heimspiel absolvieren sollten, jedoch war an besagtem Tag keine Menschenseele außer mir und meiner Freundin vor Ort, da gerade die gesamte NHL streikte.

Traum geplatzt! Besonders reizvoll macht die Stadt zudem, dass nahezu überall im Stadtgebiet Wasserflächen zu finden sind, was gepaart mit dem permanent milden und warmen Klima eine Urlaubsstimmung der besonderen Art hervorruft. Dazu kommt, dass die Skyline und die üppige Natur im Umfeld lediglich einen optischen Kontrast bilden. Mit diesem Endruck endete die Rundreise, die wohl allen Teilnehmern im Gedächtnis bleiben wird. Vancouver jedenfalls hat sich in meiner Rang-Liste der schönsten Städte neben Barcelona den ersten Platz gesichert und ich bin mir sicher, dass ich nicht zum letzten Mal dort gewesen bin.

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